4,25 oder 1 Million Muslime in Deutschland?

Peter Bulke/   „Verunsichert durch Muslime!? – Verunsicherte Muslime!?“ Dieses Thema behandelte in der katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg der Religionswissenschaftler Michael Blume. Er stellte dabei auch sein 2017 erschienenes Buch vor. (Siehe Foto). Er ist mit einer Muslimin verheiratet und ist auch Antisemitismusbeauftragter in Baden-Württemberg.

Es ist allgemein unstrittig, dass der Anteil der Muslime in Deutschland steigt. Das amerikanische Pew-Forschungsinstitut sagt bis 2050 eine voraussichtliche Verdoppelung  auf 9 % voraus. Bei stärkerer Zuwanderung könnten es auch 20 % werden. Doch Blume setzt bei der statistischen Erfassung seine Kritik an. Menschen aus islamischen Ländern werden automatisch zu den Muslimen gerechnet. Von der ethnischen Herkunft wird auf die Religion geschlossen. Würde man bei den Muslimen das gleiche Kriterium annehmen wie bei den Christen, dann wären nur etwa 20 % der hier lebenden Menschen aus islamischen Staaten den Muslimen zuzurechnen. Denn nur ungefähr dieser Anteil sei tatsächlich Mitglied einer Religionsgemeinschaft. Blume begründet seine Darstellung weiterhin damit, dass sich zwar die meisten der aus islamischen Ländern stammenden Menschen als Muslime bezeichnen; aber das Muslimsein wird sehr häufig lediglich als Teil der Herkunftsidentität empfunden, ohne dass man sich deshalb für den Koran interessiert. Der zunehmende Bildungsgrad hier lebender Muslime begünstige eine zunehmende innere Distanz zum Islam. Blume weist in diesem Zusammenhang auf den Bildungsrückstand in der islamischen Welt hin, der 1485 mit dem Verbot des Buchdrucks im osmanischen Reich begann. Die Folgen der Bildungsfeindlichkeit waren enorm. Eine Hochkultur fiel zurück. Später – wie heute – sorgte das Erdöl trotzdem für hohe finanzielle Einnahmen. Aber die Zahl der Patentanmeldungen aus dem großen arabischen Raum sei deutlich niedriger als aus dem winzigen Israel.

Blume versucht, die Bedenken gegen die zunehmende Islamisierung zu zerstreuen. Auch die türkischstämmige SPD-Politikerin Akgün sprach auf der gleichen Veranstaltung von nur 1 Mill. Muslimen. Sie empfindet sich als „westliche Muslimin“, für die die Religionszugehörigkeit reine Privatsache ist.  –  Wie sind die Aussagen zu beurteilen? Der Hinweis Blumes auf die fehlende formelle religiöse Mitgliedschaft der meisten Muslime darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die religiöse Bindung bei den Muslimen im Durchschnitt deutlich höher ist als – leider – bei den Christen.   Entscheidend ist, dass zum Islam im Unterschied zu den zwei großen Kirchen in Deutschland ein ausgeprägter Expansionsdrang gehört. Und kämpferische Aktivisten sind immer eine Minderheit.