Siegesdenkmal: FDP-Stadtrat für Schmieraktion?

Peter Bulke/  Es ist sinnvoll und eigentlich fast selbstverständlich, Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs, Plätze und manchmal auch Straßen gegebenenfalls nach dort vorhandenen bedeutsamen Objekten zu benennen. Dazu gehören nicht nur Hinweise auf öffentliche Einrichtungen wie die Haltestelle „Rathaus im Stühlinger“ oder die Friedhofstraße. Auch andere auffällige oder historisch interessante Bauwerke oder auch nur historische Erinnerungen laden dazu ein, als Namensgeber zu dienen. So gibt es in Freiburg z. B. den Platz der Alten Synagoge, den Augustinerplatz (zur Erinnerung an ein ehemaliges Augustinerkloster) oder die Haltestelle Am Bertholdsbrunnen.

Nachdem das Siegesdenkmal seinen neuen Standort wieder an historischer Stelle gefunden hat und das Umfeld durch straßenbauliche Maßnahmen verändert wird, geht es um die Frage, welchen Namen  der neu gestaltete Platz bekommen soll. Für einen normal denkenden Menschen ist es schon merkwürdig, dass es dazu überhaupt große Diskussionen gibt, da sich ein Name wie selbstverständlich anbietet: „Platz des Siegesdenkmals“ o. ä. Folgende Gesichtspunkte sprechen dafür: Es handelt sich um ein Denkmal, das den staatlichen Schutz genießt, da es kulturell und historisch von Bedeutung ist. Außerdem ist es ein weithin sichtbarer optischer Schwerpunkt auf der Kaiser-Joseph-Straße. Die Diskussion über den Namen des neu gestalteten Platzes wurde vor allem von Personen und Gruppierungen angestoßen, denen die Wiederaufstellung des Denkmals an der jetzigen Stelle sehr missfällt. Das sind naturgemäß links und pazifistisch orientierte Kräfte. Am 03. 02. versammelten sich etliche von ihnen, um für den Namen Friedensplatz oder Jean-Jaures-Platz (nach einem französischen, pazifistischen Philosophen) zu demonstrieren (siehe Foto), wobei mehrere Redner auftraten. Auch FDP-Stadtrat von Gayling gehörte dazu. Er bedauerte den zentralen Standort des „martialischen“ Denkmals. Er hätte es lieber irgendwo am Stadtrand gesehen. Aber „jetzt haben wir den Salat“, meinte er. Er wünscht deshalb besondere, auch spielerische Aktionen am Denkmal und erinnerte dabei an die frühere Reichstagsverhüllung durch ein Künstlerpaar. Unverantwortlich war in diesem Zusammenhang allerdings sein Hinweis auf das Pferdchen-Standbild an der Günterstal/Schauinslandstraße, das bekanntlich vor einiger Zeit mehrmals von Unbekannten übermalt wurde. Das klang fast wie ein Vorschlag zum Nachahmen!       info@pi-freiburg.de

.

Ein Spiel mit dem Feuer?

Peter Bulke/ Ausgerechnet ein Vorhaben, das wir Deutsche eigentlich ganz besonders begrüßen sollten, passt Kommentatoren der Badischen Zeitung überhaupt nicht. Es geht um das geplante Angebot der neuen ÖVP/FPÖ-Regierung an die Südtiroler, auch die österreichische Staatsbürgerschaft zu bekommen. „Alles halb so schlimm?“ fragt  sorgenvoll Adelheid Wölfl und verweist auf die gemeinsame Fraktion der FPÖ mit Front National im Europa-Parlament. Julius Müller-Meiningen wird deutlicher: „Österreichs Regierung spielt mit dem Feuer.“ Italien müsse das Angebot der doppelten Staatsbürgerschaft als Sabotage seiner staatlichen Souveränität auffassen. Die Folge sei das Aufreißen alter Wunden. Südtirol ist bekanntlich vor fast 100 Jahren gegen den Willen seiner Bevölkerung von Italien annektiert worden. Noch vor kurzem hatte das österreichische Außenministerium folgende Auffassung vertreten: Durch die bestehende Autonomie sei das Selbstbestimmungsrecht Südtirols bereits verwirklicht. Das hatte 2015 auch Außenminister Sebastian Kurz – jetzt Bundeskanzler – dem Obmann des Südtiroler Heimatbundes mitgeteilt. Allerdings ist diese Beurteilung nicht unumstritten. Der Innsbrucker Völkerrechtsexperte Prof. Peter Pernthaler meint: „Weder die Südtiroler Volksgruppe noch die Republik Österreich haben … auf das Selbstbestimmungsrecht verzichtet, sondern sich dieses ausdrücklich vorbehalten.“ Das bedeutet: Eine Wiedervereinigung  Tirols darf nicht als für immer ausgeschlossen gelten, auch wenn zur Zeit eine Los-von- Rom-Bewegung wahrscheinlich nicht die Mehrheit hinter sich hätte. Aber die ständige Gefahr ist, dass von Seiten Italiens grundsätzlich die Neigung besteht, den Autonomiestatus Südtirols auszuhöhlen.

Deshalb wäre das Angebot der österreichischen Staatsbürgerschaft ein wichtiger Beitrag zum Schutz der deutschen Volksgruppe. Österreich wäre dann stärker in der Pflicht, als Schutzmacht für Südtirol aufzutreten. Und das fast 100 Jahre bestehende Unrecht würde abgemildert. Ob das Vorhaben schließlich tatsächlich realisiert wird?  Ungarn hat einen entsprechenden Schritt für die Auslandsungarn vollzogen.

Herabwürdigung eines soldatischen Vorbilds

Peter Bulke/  „Was im Militär als konservativ angesehen wird, ist aus der Sicht der Zivilgesellschaft rechtsradikal“, meint der Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette aus Waldkirch. Er rechnet sich offensichtlich auch zu dieser Art Zivilgesellschaft. In der ersten Ausgabe unserer Regionalzeitung „Der Sonntag“ hat er sich ein Lieblingsthema vorgenommen: Traditionspflege in der Bundeswehr. Nach einem Lob auf die Verteidigungsministerin von der Leyen ging er auf den Kasernennamen im niedersächsischen Rotenburg ein. Die dortige Kaserne trägt den Namen Helmut Lent. Frau von der Leyen sei zum berechtigten Schluss gekommen, „dass der frühere Jagdflieger Helmut Lent keineswegs würdig ist, in der Traditionslinie der Bundeswehr zu stehen.“  Er sei Nazi gewesen und habe zum Endsieg aufgerufen.

Einige Angaben zu Helmut Lent: 1937 meldete er sich als 19-jähriger freiwillig zur Luftwaffe. Bereits am 02. 09. 1939 – dem zweiten Tag des Feldzuges gegen Polen – errang er mit einer zweimotorigen Maschine Me 110 seinen ersten Luftsieg. Bei  der sog. Schlacht um England wurde er der erfolgreichste Nachtjäger. Im August 1941 erhielt er das Ritterkreuz, dem später  weitere Auszeichnungen folgten. Wichtig war sein Einsatz gegen die britischen – zum Teil viermotorigen – Bomber über Deutschland. Bis zum Herbst 1944 hatte er 102 Luftsiege zu verzeichnen. Er war dazu vorgesehen, die gesamte deutsche Nachtjagd zu leiten. Doch kurz zuvor starb er infolge eines Flugzeugunglücks.

Der frühere Bundespräsident Theodor Heuß sagte vor 60 Jahren zum FDP-Politiker Erich Mende, er solle beim Staatsempfang sein Ritterkreuz tragen. „Da müssen Sie Vorbild sein. Soldatische Tapferkeit wird nicht durch das System geschmälert, unter dem es erbracht wird.“

Asoziales Gesindel

Peter Bulke / Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute, die Silvester auch in Freiburg vorgekommen sind, zeigen eine besonders schlimme Form asozialen Verhaltens. Asozial kann allgemein als gemeinschaftsschädlich bezeichnet werden. Entsprechendes Verhalten kommt in jeder Gesellschaft vor. Allerdings sind Art, Intensität und Häufigkeit sehr unterschiedlich, auch innerhalb der Gruppe der demokratischen Länder. Im Grunde genommen beginnt asoziales Verhalten. bereits  dann, wenn z.B., wie auf obigem Foto zu sehen ist, leere Flaschen vor einen vollen Glascontainer abgestellt werden. Asoziales Verhalten kann – besonders in relativ harmlosen Fällen – eine Folge von Gedankenlosigkeit sein. Die schlimmere Stufe ist eine grundsätzliche Gleichgültigkeit gegenüber gesellschaftlichen Angelegenheiten, verbunden mit einem übersteigerten Egoismus. Die schlimmste Stufe ist natürlich eine Gemeinschaftsfeindlichkeit, die Silvester zu den Aggressionen gegenüber Polizei und Feuerwehr geführt hat.

Es ist immer wieder zu vernehmen, dass asoziales Verhalten in unserer Gesellschaft zunimmt. Damit ergibt sich die Frage, wieso es zu einem solchen „Erziehungsdefizit“, wie es vor etwa einem Jahr der BZ-Kommentator Uwe Mauch genannt hat, überhaupt kommen konnte. Sein Kommentar bezog sich damals auf die zunehmende Vermüllung in Teilen der Stadt Freiburg. Eine mögliche Erklärung ist: Medien, Schulen usw. sind weitgehend dem linken Zeitgeist erlegen. Dieser stellt als Ideal zu einseitig Autonomie und Selbstverwirklichung des einzelnen Menschen in den Vordergrund. Das begünstigt den Mangel an Zusammenhalt in der Gesellschaft. Dieser Mangel wird zur Zeit immer wieder, auch von der hohen Politik, beklagt. Zugleich bemühen sich aber die Kräfte des Zeitgeistes, eine emotionale Bindung an Volk und Heimat zu untergraben. Aber, wenn der gewünschte  Zusammenhalt in der Gesellschaft nur in der allseitigen Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte, wie sie im Grundgesetz aufgeführt sind, bestehen soll, ist das zuwenig.

info@pi-freiburg.de

„O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt …“

Peter Bulke/ Mit der obigen Zeile beginnt eine Volksweise, die den meisten Lesern natürlich nicht mehr bekannt ist. Die Altstadt mit dem Münster wurde 1988 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. 2017 wurde auch dem ganz anders gearteten Viertel „La Neustadt“ diese Ehre zuteil. Zum Jahreswechsel 2017/18 läuft deshalb in Straßburg auf verschiedenen Stationen ein großes Ausstellungsprojekt. Dabei geht es hauptsächlich um die Zeit des zweiten deutschen Kaiserreiches ab 1871. Damals war das Elsaß nach fast 200 Jahren wieder unter deutsche Herrschaft zurückgekommen.1880 wurde ein Bebauungsplan für eine große Stadterweiterung beschlossen. So entstand die „Neustadt“. Dazu heißt es in der Ausstellung: „Die geplanten Neubauten sollten Macht, Ansehen, Ordnung und Kultur des neuen politischen Systems widerspiegeln.“ Straßburg sollte sich als Hauptstadt des Reichslandes Elsaß-Lothringen durch besonders repräsentative Gebäude auszeichnen. Das ist auf eindrucksvolle Art gelungen und auch heute ein Besuch wert. Auffallend sind besonders die zahlreichen Bauten der Reichsuniversität. Auf ihnen sind die Namen und figürlichen Darstellungen zahlreicher deutscher Wissenschaftler verewigt. Das obige Foto gewährt einen Blick in die Aula des Universitätshauptgebäudes. Sehenswert ist auch die großartige, 76 m hohe, zweitürmige Pauluskirche, die 1892/97 im damals typischen neugotischen Stil als evangelische Garnisonskirche errichtet wurde. Der Wohnungsbau in der Neustadt galt nicht nur den Privilegierten. „Hygienische Bestrebungen und der Wunsch nach Komfort hält selbst in den einfachsten Wohnungen Einzug“, heißt es in der Ausstellung. Errichtet wurden auch ein modernes Krankenhaus und städtische Bäder. Die Neustadt war qualitativ hochwertig, abwechslungsreich gestaltet und mit vielen Grünflächen versehen.

Die Altstadt wurde aber in der deutschen Zeit nicht unbeachtet gelassen. 1871 galt Straßburg als „schmutzigste Stadt des Kaiserreiches“. Die hygienischen Verhältnisse wurden entscheidend verbessert. Industrie und Handel erlebten einen großen Aufschwung.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden viele Deutsche des Landes verwiesen und durch französische Zuzügler ersetzt.

info@pi-freiburg.de

Schädlich für das Ansehen der Polizei

Peter Bulke / Das immer wieder vom Zeitgeist hervorgehobene Ideal der Selbstverwirklichung treibt gelegentlich seltsame Blüten. Unser CDU-Innenminister Thomas Strobl will „mit der Zeit gehen“. Weil Tattoos inzwischen weit verbreitet sind, – in Freiburg und im Umland gibt es etliche Anbieter (Foto) – sollen auch Polizisten sichtbare Tätowierungen tragen dürfen. Polizisten haben aufgrund ihrer Aufgaben eine gewisse Vorbildfunktion. Dazu gehört nicht nur ein korrektes Verhalten sondern auch ein korrektes Erscheinungsbild. Wenn einige von ihnen mit sichtbaren Tattoos herumlaufen, wird ihr Ansehen bei einem nicht geringen Anteil der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt. Gerade das sollte unbedingt vermieden werden. Nach den Vorstellungen des Stuttgarter Innenministeriums müssen die Tätowierungen „dezent“ sein. Doch dieser Begriff ist sehr dehnbar. Ob etwas noch als dezent einzustufen ist oder nicht, werden die Bürger unseres Landes – einschließlich der Polizisten – natürlicherweise recht unterschiedlich empfinden. Damit werden sich vermutlich die bereits überlasteten Verwaltungsgerichte gelegentlich auch noch mit einem solchen eigentlich überflüssigen Thema beschäftigen müssen.

Übrigens: Tattoopartikel (Farbpigmente, Schwermetalle) können sich in Lymphknoten anreichern. Das ergab eine neue Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung.,

info@pi-freiburg.de

Bomben auf Freiburg

Peter Bulke / Am 27. November 1944 wurden in weniger als 25 Minuten völlig unerwartet Teile Freiburgs, besonders die Altstadt, in eine Trümmerwüste verwandelt. Es gab ungefähr 3.000 Tote und 10.000 Verletzte. Das war das Ergebnis eines Angriffs von etwa 300 britischen Bombern, vor allem vom Typ Lancaster, eines schweren, viermotorigen Flugzeugs, das bis ca. 6 Tonnen Bombenlast tragen konnte und seit 1941 in die Serienproduktion gegangen war. Unerwartet war der Angriff deshalb, weil Freiburg als Lazarettstadt – gekennzeichnet durch ein riesiges rotes Kreuz – und als industriearme Stadt als sicher galt. Weshalb das Freiburger Münster zwar beschädigt, aber nicht direkt von einer Bombe getroffen wurde, gilt als ein Wunder.

Die Freiburgerin Carola Schark beschäftigt sich seit Jahren mit jenem Ereignis. Ihr Verdienst ist es vor allem, dass sie zahlreichen Einzelschicksalen nachgegangen ist. Sie möchte dazu beitragen, dass die Erinnerung an die große menschliche Tragödie nicht verschwindet. Am diesjährigen Gedenktag erschien von ihr in der Badischen Zeitung ein ganzseitiger Beitrag, der sich mit den Folgen des Angriffs für die Freiburger Schulen befasst. Zu beanstanden ist allerdings der Beginn ihres Textes in einem INFO-Kasten auf ihrer Zeitungsseite, wo es heißt: „Am 27. November 1944 wurde die Stadt Freiburg gegen 20 Uhr von der Royal Air Force bombardiert – als Reaktion auf die Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes.“  Diese Formulierung ist sehr irreführend. Sie kann zu einem Schwarz-Weiß-Denken in Bezug auf die moralische Integrität der Kriegsgegner verleiten und damit die massenhafte Tötung durch Bombenterror verharmlosen. Die Flächenbombardierungen sind in Groß-Britannien bereits vor dem Krieg überlegt worden (Lindemann-Plan). Konsequent umgesetzt wurden sie ab 1942. Schätzungsweise 600.000 Menschen sind in Deutschland im Bombenkrieg ums Leben gekommen. Für die Briten waren die Einsätze teilweise durchaus verlustreich. Insgesamt fanden 55.500 Mann des fliegenden Personals bei den Einsätzen den Tod. 8.200 Maschinen gingen verloren.

Das obige Foto zeigt einen Teil des flachen Erinnerungsmahnmals (mit zahlreichen Namenstafeln) auf dem Freiburger Hauptfriedhof.

info@pi-freiburg.de

Woher kamen die Stimmen?

Von Peter Bulke |   In Freiburg wurden zur Bundestagswahl in einigen Wahllokalen genauere Erhebungen gemacht. Erfasst wurden 1690 Wähler. Das Amtsblatt der Stadt berichtete über die Ergebnisse, die den folgenden Ausführungen zugrunde liegen. Hier ist immer der jeweilige Zweitstimmenanteil angegeben, der der jeweiligen Partei aus der genannten Wählergruppe zugeflossen ist. Die Zahlen in den Klammern zeigen den Anteil der genannten Wählergruppe an der Gesamtheit der Wähler. Aufgeführt sind hier nur die Parteien mit den höchsten und den niedrigsten %-Werten. Die anderen Parteien liegen natürlich dazwischen.

1) Frauen/Männer (51/49 %): Grüne 57/43 %………FDP 38/62, AfD 32/68 % _________ 2) Katholiken (36 %): CDU 50 %……..Linke 24 %_________ 3) Protestanten (30 %): Grüne 34, AfD 33 %……..CDU 28 % ________ 4) Mit starker Kirchenbindung (12 %): CDU 20, AfD 19 %…….. Linke 7 % ________ 5) Religionslose (29 %): Linke 43 %……..CDU 17 % ________ 6) Vollzeitberufstätige (46 %): AfD 67 % …….. Linke 39 % ________ 7) Arbeiter (17 %): AfD 37 % …….. Grüne 13 % ________ 8) Beamte (15 %): SPD 19, CDU 18 % …….. AfD und Linke je 10 % ________ 9) Rentner/Pensionäre (14 %): CDU 26 %…….. AfD und Linke je 7 % ________ 10) Schüler/Lehrlinge/Studenten (18 %): Linke 25, Grüne 21 %…….. AfD 8 % _________ 11) Mit Migrationshintergrund (8 %): AfD 33 % …….. Grüne 5 % ________12)  Aus dem Ausland (6 %): AfD 19 % …….. Grüne und Linke je 3 %.________  Bei den hier nicht besonders aufgeführten Altersklassen ist festzuhalten, dass die AfD bei den Jungwählern (bis 24 Jahre) und bei den alten Wählern ab 70 Jahren deutlich unterrepräsentiert ist. Dies zeigen schon die oben genannten Anteile bei den in Ausbildung bzw. im Ruhestand befindlichen Wählern.

info@pi-freiburg.de

 

 

Gefährlicher Putin?

Von Peter Bulke |   Zeitlich passend zu den derzeitigen russischen Kulturtagen in Freiburg hatte eine Freiburger Studentenverbindung einen Russland-Kenner zu einem Vortrag in ihr Verbindungshaus eingeladen. Er war Boris Reitschuster, der bis 2016 insgesamt fast 16 Jahre lang in Moskau gelebt und als Journalist für FOCUS gearbeitet hat. 2012 hatte er wegen einer putinkritischen Schrift Russland vorübergehend verlassen müssen.

Reitschuster berichtet von einer starken Sowjet-Nostalgie in Russland. Das Land bewege sich mit Sieben-Meilen-Stiefeln zurück zu Stalin. In der Jelzin-Zeit hat bekanntlich die Masse der Bevölkerung wirtschaftliche Not erlebt. Zugleich gab es in dieser Zeit aber auch große Gewinner: superreiche Oligarchen. Deshalb, so der Referent, bestehe im Volk vielfach das Gefühl, dass Demokratie mit Betrug verbunden sei. Jelzins Nachfolger Putin habe nicht dafür gesorgt, dass den Oligarchen der „gestohlene“ Reichtum wieder abgenommen wurde, sondern habe im Gegenteil gleich nach Amtsantritt eine Amnestie zugunsten dieser Personen erlassen. Er habe dann eigene Günstlinge zu weiteren Oligarchen werden lassen, und riesige Besitztümer der Reichsten befänden sich jetzt im Ausland.

Großen Einfluss hat der Geheimdienst KGB. Diese Beurteilung konnte Reitschuster anhand von Beispielen aus der Justiz untermauern. Gerichte seien nicht unabhängig. Sogar die Kirche sei mit dem KGB verbunden. In den Medien würden Ängste vor der NATO geschürt. Außenpolitisch versuche Russland, den Westen zu destabilisieren. Es werde auch für eine europäische Staatenunion von Wladiwostok bis Lissabon geworben.

 

Reitschuster wünscht sich eine Politik der Stärke gegenüber Russland. Das Thema seines Vortrags lautete übrigens: „Putins verdeckter Krieg – warum er für Deutschland und Europa gefährlich ist“. Eine solche Formulierung ist natürlich an Einseitigkeit nicht zu überbieten. Man fühlt sich in die Zeit des Kalten Krieges versetzt. Auf den Diskussionsbeitrag, dass die Idee der Europäischen Staatenunion unter Einschluss Russlands durchaus überlegenswert sei, antwortete der Referent, dass ihm die Demokratie wichtiger sei. Doch was soll eine solche Antwort? Mag der KGB in Russland großen Einfluss haben; das wird doch unsere Demokratie nicht beeinflussen! Enge Verbindungen zu Russland sind für uns nicht nur wegen sicherer Gaslieferungen wünschenswert. Die Spaltung unseres Kontinents sollte endlich beendet und nicht noch vertieft werden. Es gibt auch einen Wandel durch Annäherung; und die Demokratie hat dabei die größte Kraft sich durchzusetzen.

Nachtrag zum Bundestagswahlkampf

(Peter Bulke)  Eine beispielhafte Idee, dem Informationsbedürfnis der Bürger entgegenzukommen, hatte die Badische Zeitung mit ihrer Veranstaltung am 09.09. auf ihrem Verlagsgelände. Hier konnte man sich bei allen 6 wichtigen Parteien informieren. Jede von ihnen war mit einem Informationsstand vertreten. Hinzu kamen weitere, nicht parteigebundene Angebote, z.B. der Landesanstalt für Politische Bildung, die in Freiburg über eine Geschäftsstelle verfügt. Horden „antifaschistischer“ Fanatiker hatten aufgrund der Polizeikontrolle am Eingang keine Chance einzudringen, so dass die ganztätige Veranstaltung ohne größere Störungen vor sich ging.

Das Wichtigste war natürlich der Auftritt der Parteigrößen, die sich jeweils für eine Stunde den Fragen zweier Interviewpartner zu stellen hatten. Für die AfD trat die Spitzenkandidatin Alice Weidel auf. Sie wurde von den BZ-Redakteuren Thomas Fricker (Chefredakteur) und Thomas Steiner befragt. Sie zeigte hier, dass sie einen tiefen Einblick in das Finanz- und Wirtschaftsgeschehen hat. Sie argumentierte sachlich und emotionslos. Sie relativierte die Behauptung, dass Deutschland im Hinblick auf die hohen Exportüberschüsse beim Handel innerhalb der EU besonders profitiere. Diese Problematik (Stichwort: Target 2) hatte vor einiger Zeit auch der Wirtschaftsfachmann Prof. Gerken in einem BZ-Gastkommentar behandelt und soll hier nicht weiter vertieft werden. Auch beim Thema „Flüchtlinge“ argumentierte Frau Weidel rein sachlich. Sie berief sich auf das Urteil des ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht Udo di Fabio, dass die Flüchtlingspoltik der letzten Zeit widerrechtlich sei. Ihre Gesprächspartner wiesen darauf hin, dass allerdings andere Juristen die Vorgehensweise Merkels als zumindest „legitim“ beurteilen. Weniger überzeugend war Frau Weidel beim Thema Erneuerbare Energien/Kfz-Abgase. Den Einfluss des Feinstaubs und der Stickoxide auf die menschliche Gesundheit versuchte sie herunterzuspielen, zumal die Wirkung der Stickoxide noch nicht ausreichend erforscht sei.

Damit Interviews dieser Art lebthaft und spannend wirken, gehören dazu nun einmal kritische und auch provokante Fragen. Spätere Beschwerden von Weidel-Anhängern (siehe BZ vom 16.09.) waren deshalb unpassend.      (info@pi-freiburg.de)