Lob der Vielfalt

Peter Bulke/   Anlass für den folgenden Text ist ein Leserbrief in der Badischen Zeitung vom 9. 4. (von H.J. Gorny, Ettenheim) unter der Überschrift „Mit so einer Partei kann man keinen Staat machen“. Es geht dabei um die AfD und einen Ausspruch Gaulands: „Es gibt keine Pflicht zur Vielfalt und Buntheit“. Gorny meint dann u. a.: “ Erst die Vielfalt macht die Erde lebenswert und interessant. Durch die natürliche Kraft der Vielfalt besiedelten Pflanzen, Tiere und Menschen die unwirtlichsten Gegenden. Diese Kraft ermöglicht, dass unzählige Lebensformen nebeneinander existieren.“   Nach diesem richtigen Hinweis müsste Herr Gorny eigentlich die Vorstellung unterstützen, dass der Reichtum der Menschheit in den zahlreichen unterschiedlichen Kulturen und Völkern besteht, der möglichst  bewahrt werden sollte. Diese Vielfalt ist bekanntlich bedroht. Durch den ständigen Zustrom von Nichteuropäern vor allem aus Afrika und dem Orient  gilt das   zumindest für die europäischen Völker und für Europa als Ganzes. Gegen diese zunehmende Überfremdung hat sich Gauland mit seiner oben zitierten Aussage gewendet.

Vielleicht fühlt sich der Leserbriefschreiber durch eine Äußerung des damaligen Bundesfinanzministers Schäuble aus dem Jahr 2016 bestätigt: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe.“  Man kann es kaum glauben, dass es möglich ist, dass ein angesehener Politiker mit solchem unsinnigen „Argument“ die Einwanderungspolitik verteidigt.

„Homo-Ehe“: Was würde Luther dazu sagen?

Peter Bulke/   Luther stünde vermutlich eher auf der Seite der württembergischen als auf der Seite der badischen ev. Landeskirche; denn einer seiner Grundsätze war: „Allein die Schrift“ (= Bibel). Allerdings sollen etwa 200 württembergische Pfarrer zumindest mit dem Gedanken sympathisieren, eine wichtige Entscheidung ihrer Landeskirche zu missachten.

Zur Erinnerung: 2016 beschloss die Synode der badischen Kirche, dass gleichgeschlechtliche Paare kirchlich getraut werden können. Lehnt der zuständige Pfarrer eine solche Trauung ab, muss der Dekan einen anderen Seelsorger mit dem entsprechenden Gottesdienst beauftragen. Die damalige Synoden-Abstimmung ergab 53 Ja- und nur 12 Neinstimmen bei einer Enthaltung. Gegen Ende 2017 hat sich auch die württembergische Kirchen-Synode mit diesem Thema beschäftigt. Allerdings hat dort die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare  zur Zeit keine Chance auf eine mehrheitliche Zustimmung. Deshalb ging es um einen Kompromiss: Darf eine solche Partnerschaft in einem öffentlichen Gottesdienst wenigstens gesegnet werden, wenn der zuständige Pfarrer und mit Dreiviertelmehrheit auch der Kirchengemeinderat zustimmen?  Für einen entsprechenden Beschluss war in der Synode eine Zweidrittelmehrheit notwendig.  Diese wurde nicht ganz erreicht. Das gefällt den oben erwähnten etwa 200 Ortspfarrern überhaupt nicht.

Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass öffentliche Segnungen ein großer Schritt zur Einführung der kirchlichen Trauung gleichgeschlechtlicher Paare sein können. Vermutlich wäre Luther deshalb heute auch mit der württembergischen Kirche nicht ganz zufrieden, auch deshalb nicht, weil die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold 2017 die Schirmherrschaft für den dortigen Christopher-Street-Day übernommen hatte.

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Die üblichen primitiven Vergleiche der „Antifaschisten“

Peter Bulke/   Man fühlt sich an die Propaganda in der ehemaligen DDR zurückversetzt, wenn man sieht und hört, was SPD-Politiker manchmal von sich geben. Gegen Ende März fand am Synagogenplatz in Ihringen eine Veranstaltung zum 75-jährigen Gedenken an eine Reichstagsrede des Sozialdemokraten Otto Wels statt, in der er 1933 vor dem Ermächtigungsgesetz gewarnt hatte. Die SPD-Landtagskandidatin von 2016 und SPD-Kreisvorsitzende, Birgit Könnecke, konnte es nicht lassen, angebliche Parallelen der AfD zum Nationalsozialismus zu ziehen: „Man muss den rollenden Schneeball (jetzt) bekämpfen; die Lawine hält keiner mehr auf.“ Die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle aus dem Kreis Emmendingen forderte ebenfalls, heute „Populismus“ und „Rechtsextremismus“  zu bekämpfen, um den Flächenbrand aufzuhalten, der Europa zu überrollen drohe. Es wurden auch Zitate früherer Nationalsozialisten und von AfD-Leuten vorgelesen, um zu zeigen, wie schwer sie voneinander zu unterscheiden sind. Es lohnt sich nicht, im Einzelnen darauf einzugehen. Denn eine solche Vergleichsmethode ist wertlos, weil Zitate immer aus dem größeren Zusammenhang gerissen werden und sich die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen inzwischen total verändert haben. Bei entsprechender Suche lassen sich gewiss auch Zitate von heutigen Sozialdemokraten finden, die denen früherer Nationalsozialisten ähneln, besonders auf dem Gebiet der Sozialpolitik.

Natürlich ist für jeden politisch interessierten Bürger diese wenig sachliche Art der Argumentation in der politischen Auseinandersetzung nichts Neues. Erinnert sei aber in diesem Zusammenhang an einen Vorgang im Stuttgarter Landtag vor ungefähr 20 Jahren. Als dort versucht wurde, eine angebliche Nähe der Ideen der REPUBLIKANER zum Nationalsozialismus aufzuzeigen, betrachtete ein REP-Abgeordneter diesen Unsinn von der humorvollen Seite. Er sagte damals ungefähr (nicht wörtlich): „Und wenn Hitler noch so gerne Schokolade gegessen haben sollte, so esse ich sie trotzdem!“: Anschließend verteilte ein Landtagsangestellter Schokolade an Abgeordnete.    ,

Schnapsideen kamen nicht zum Zuge

Peter Bulke/  Der Name „Europaplatz“ wandert in Freiburg von einer Stelle zur anderen. Nun soll nach knappem Mehrheitsbeschluss im Stadtparlament  der Platz am Siegesdenkmal so heißen. Einen besseren Vorschlag hatte Stadtrat Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert) vorgebracht: „Platz am Siegesdenkmal“. (Siehe auch unseren Text vom 4. 2.).

Seien wir froh, dass für das Denkmal selbst im vergangenen Herbst eine relativ gute Entscheidung getroffen wurde. Es steht vor der ehemaligen Karlskaserne an fast gleicher Stelle wie in der Zeit von 1876 bis 1961. Stadtrat Winkler hätte lieber eine noch bessere Anlehnung an das frühere Erscheinungsbild gesehen: das Denkmal hätte noch etwas erhöht und von einem begrünten Ring mit Zaun umrahmt werden sollen. Aber soviel historisches Verständnis war bei der Mehrheit im Stadtrat nicht zu erwarten. Es gab und gibt zahlreiche grundsätzliche Vorbehalte gegen das Denkmal.  Die SPD-Sprecherin Turka Karakurt äußerte 2017 „ein ungeheures Unwohlsein mit dem Thema“. Die Badische Zeitung – Frank Zimmermann – kommentierte im September 2017, es sei die Chance vertan worden, mit der Neugestaltung des Platzes  …  zu einem neuen, kritisch-zeitgemäßen Umgang mit deutscher Militärgeschichte zu kommen“.

Was hätte das für Folgen haben können? Die Kunstkommission wünschte, die Viktoria-Figur zu drehen, um den Betrachter zu irritieren. Die Kommissionsvorsitzende Angeli Jahnsen meinte: „Das würde genügen, um zu zeigen, dass bei der Neuaufstellung nachgedacht wurde“. Nach JPG-Stadtrat Sergio Schmidt sollte es dazu eine Erläuterungstafel geben mit dem Text: „Der Freiburger Gemeinderat entschied sich dazu, dem Siegesdenkmal seine Wirkung … zu nehmen, denn in dieser Stadt gibt es keinen Raum für mörderischen Nationalstolz“. Ein anderer Vorschlag der Kunstkommission war, mit Hilfe einer Audio-Installation die einzelnen Soldatenfiguren Antikriegstexte sprechen zu lassen. Oder es sollte eine der vier Bronzetafeln entfernt und durch eine „korrigierte Fassung“ ersetzt werden: „Den kommenden Geschlechtern nicht zum Beispiel“. Das Freiburger Friedensforum forderte ein Antikriegsdenkmal. Im Vergleich dazu ist die vom Freiburger Stadtrat beschlossene Ergänzungstafel harmlos.

Verlust des Heimatgefühls

Peter Bulke/  Der Rote Otto auf obigem Foto weist auf Landwasser hin. Über diesen Freiburger Stadtteil wird seit einigen Wochen diskutiert, ausgelöst durch Brandstiftungen in der Wirthstraße und in der Albert-Schweitzer-Schule. Die Badische Zeitung lud zu einer Podiumsdiskussion „BZ-Hautnah“ ein. Aus den Stellungnahmen war zu entnehmen, dass die Bürger in Landwasser ihren Stadtteil liebgewonnen und dort lange Zeit gerne gewohnt haben. Aber inzwischen hat sich ein Gefühl der Unsicherheit und des Unwohlseins bis zur Resignation verbreitet. Man glaubt an eine höhere Kriminalität, obwohl die Vertreter der Polizei darstellen konnten, dass die Kriminalitätsrate in Landwasser geringer ist als im Freiburger Durchschnitt. Die aber vermehrt zu beobachtenden Erscheinungen von Verwahrlosung bilden in der Regel allerdings keine Kriminalitätsfälle. Beklagt werden nächtlicher Lärm und der schlimme Anblick, den der vermüllte Schulhof am Samstagmorgen bietet. OB Salomon versprach, das Thema Streetworker prüfen zu lassen. Die in Landwasser wohnende Stadträtin Gerlinde Schrempp (Liste Freiburg-Lebenswert) sagte, dass das Zentrum nachts ein schwieriger Ort geworden sei, und beim Gang durch die Wirthstraße entstehe ein Gefühl der Unsicherheit. Vom „Haus der Begegnung“ wird allerdings in einem Flugblatt unter dem Titel „Was ist los in Landwasser?“ darauf hingewiesen, dass z.B. schon 1999 in der Presse zu lesen war: „Gefordert wird: mehr Sicherheit“. Als Vertreter der Jugend war ein 16-jähriger Schüler mit orientalischen Wurzeln auf das Podium geladen worden. Er sprach nicht gerade schmeichelhaft über einen Teil seiner Altersgenossen. Ihr Umgangston sei aggressiv und „asozial“. Frau Schrempp bemängelte unzureichende Integrationsbemühungen vieler neu zugezogener Bewohner. Man höre kaum noch Deutsch. Aus dem Publikum wurde vermerkt, dass einige Eltern deshalb ihre Kinder auf die christliche Schule schicken. Die Wirthstraße mit ihrem besonders hohen Anteil an Nichtdeutschen wird vielfach das „Ghetto“ genannt. Das Zusammenleben klappe nicht mehr, meinte kürzlich der Vorsitzende des Bürgervereins, Dieter Dormeier.

In Landwasser zeigt sich ein Problem, das nicht auf diesen Stadtteil beschränkt ist: die Zuwanderung vieler Menschen aus fremden Kulturkreisen. Das muss bei vielen Einheimischen dazu führen, dass sie sich in ihrer ehemals vertrauten Umgebung nicht mehr heimisch fühlen. Für Landwasser kommt hinzu, dass das Zentrum sehr an Attraktivität verloren hat. Eine Wiederbelebung durch entsprechende Baumaßnahmen ist geplant. Das Thema Überfremdung bleibt dann aber weiterhin aktuell.

Freiburg: Russische Kulturtage über kommunistischen Terror

Peter Bulke/  Zum zweiten Mal fanden ab Herbst 2017 russische Kulturtage statt. Sie standen diesmal unter dem Thema „100 Jahre russische Revolution“. Dazu gehörten Ausstellungen und Vorträge zu verschiedensten Themen, auch zu Kunst und Literatur. Entscheidend verantwortlich für die Durchführung war das 2017 eingerichtete Zwetajewa-Zentrum. Die Leiterin Dr. Elisabeth Cheaure`, Professorin für slawische Philologie an der Universität Freiburg, pflegt den wissenschaftlichen Austausch mit Russland.

Die Ausstellung zum Gulag in der Universitätsbibliothek lief bis zum 16. Februar. Im Faltblatt dazu heißt es: „Gulag – ursprünglich eine Abkürzung für die 1930 in der Sowjetunion geschaffene Sonderbehörde für die Arbeitslagerverwaltung – bezeichnet heute den ganzen Mechanismus staatlicher Verbrechen an Millionen unschuldiger Menschen. Der Gulag ist eine der grausamen Konsequenzen der Oktoberrevolution und zugleich eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. … Der traurige Höhepunkt  … lag in den Zeiten des Großen Terrors 1937-38. Allein in dieser Zeit wurden mehr als 700.000 Menschen hingerichtet, die meisten ohne vorangegangenes Strafverfahren. Zusammen mit den deportierten Bauern, diskriminierten Völkergruppen und nach 1945 als Verräter inhaftierten Soldaten wird die Gesamtzahl der Opfer auf mindestens 12 Millionen geschätzt.“

Ergänzen sollte man noch die Millionen Opfer des Hungers außerhalb von Arbeitslagern in den Jahren 1921-23 und 1930-33, eine Folge der Maßnahmen gegen den Bauernstand, der dazu noch für Nahrungsmittelknappheiten in den Städten verantwortlich gemacht wurde. Einsatzkommandos durchstöberten Gehöfte, um Nahrungsmittel zu beschlagnahmen, in vielen Fällen sogar das Saatgut für die kommende Aussaat! Ein Russlanddeutscher in Bad Krozingen, geboren 1937 als jüngstes Kind seiner Eltern im Wolga-Gebiet, berichtete vor wenigen Jahren, dass bei seiner Geburt seine meisten Geschwister schon an Hunger gestorben waren.

Keine „neue Ungerechtigkeit“

Peter Bulke/   Der Beschluss der Tafel in Essen, deutsche Staatsbüger bevorzugt zu berücksichtigen, hat Diskussionen bis in unsere Gegend ausgelöst. Von der Freiburger Tafel war zu vernehmen, dass sie nicht dem Essener Beispiel folgen werde. Auch im Landkreis ist bisher keine positive Reaktion festzustellen. Die Badische Zeitung titelte: „Eine neue Ungerechtigkeit“ und „Nächstenliebe nicht für alle“. Ausgelöst wurde das Problem durch den stark erhöhten Anteil an „Flüchtlingen“, die grundsätzlich auch zu den Kaufberechtigten bei den Tafeln gehören. Aber das Warenangebot lässt sich nicht entsprechend steigern. Wie sollten sich die Verantwortlichen verhalten, wenn zwischen Angebot und Nachfrage ein großes Mißverhältnis besteht? Die folgende Überlegung zeigt, dass die Entscheidung in Essen nachahmenswert ist.

Stellen wir uns einen „Flüchtling“ vor, dem es gelungen ist, nach Deutschland zu gelangen. Zwar hatte sein Asylgesuch keinen Erfolg, aber er genießt einen Abschiebeschutz. Er hat eine Unterkunft bekommen und erhält seine Sozialhilfe, die zwar nicht üppig ist, aber zum Lebensunterhalt ausreicht. Er hofft, auf Dauer in Deutschland bleiben zu können, hier Arbeit zu finden und sich eine Wohnung mieten zu können. Wenn diese Person „normal“ empfindet, würde sie etwa folgendermaßen denken: „Ich muss Deutschland dankbar sein, das mich ohne Gegenleistung aufgenommen hat und ich hier in Frieden leben kann. Zwar nutze ich auch gerne die günstigen Angebote der Tafel, aber wenn dort aufgrund der Warenknappheit die Deutschen vorrangig zugreifen dürften, empfände ich das eigentlich als fast selbstverständliche Reaktion. Es wäre ja geradezu unverschämt, zu verlangen, auch noch bei der Tafel den in Armut lebenden Deutschen gleichgestellt zu werden. Gelegentlich habe ich Hemmungen, den Einheimischen einen Teil des knappen Warenangebots vor der Nase wegzukaufen. Wenn alle gleichberechtigt sind und wir Flüchtlinge in Überzahl die Tafel belagern, werden uns vermehrt Neid und Missgunst begegnen.

Auf den könnten wir gut verzichten!

Peter Bulke/  „Deniz Yücel ist frei – das ist eine wunderbare Nachricht.“ So beginnt der Chefredakteur der Badischen Zeitung, Thomas Fricker, am 17. 02. auf Seite 1 einen Kommentar. Dieser steht gleich neben der Hauptüberschrift des Tages: „Journalist Yücel ist frei“ (siehe obiges Foto). Dazu sind in der gleichen Ausgabe noch zwei große Fotos von dem Betroffenen zu sehen. Natürlich ist es zu begrüßen, wenn ein offensichtlich widerrechtlich Eingesperrter aus der Haft entlassen wird. Aber es ist doch auffällig, welche ungewöhnlich große Begeisterung die Freilassung des Türken (mit deutschem Pass) in zahlreichen Medien – nicht nur in unserer BZ – ausgelöst hat.

Verdient hat Yücel solche Willkommensgrüße allerdings nicht. Zwar ist er mit dem hohen deutschen Theodor-Wolff-Sonderpreis für Journalisten ausgezeichnet worden, aber als Thilo Sarrazin einen Schlaganfall bekommen hatte, meinte Yücel in der „Tageszeitung“ (taz): „Der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten.“ Die taz musste dafür 20.000 € an Sarrazin als Entschädigung zahlen.

2011 schrieb Yücel in der taz: „Endlich! Super! Wunderbar! Was im vergangenen Jahr noch als Gerücht die Runde machte, ist nun wissenschaftlich erwiesen: Deutschland schafft sich ab. Nur noch 16,5 % der 81 Mill. Deutschen, so hat das Statistische Bundesamt ermittelt, sind unter 18 Jahre alt; nirgends in Europa ist der Anteil der Minderjährigen derart niedrig. … Der baldige Abgang der Deutschen….ist Völkersterben von seiner schönsten Seite.“  Auch für eine andere linksradikale Zeitung – Jungle World – hat Yücel zeitweise gearbeitet, bevor er zur „Welt“ kam.

Die dunkelste Stunde

Peter Bulke/  „Wer zuletzt lacht, lacht am besten“. So lässt sich der auf französisch wiedergegebene Ausspruch auf dem obigen Foto übersetzen. Nachdem vor einigen Monaten in Freiburg der Film Dunkirk (Dünkirchen) gezeigt worden ist, folgte ab Januar 2018 im Friedrichsbau der Film „Die dunkelste Stunde“. Hier ist das Drama der (fast) eingeschlossenen 370.000 britischen und französischen Soldaten im Jahre 1940 nur der Hintergrund. Hauptsächlich befasst sich der Film mit der Person Winston Churchill, der damals eine weitreichende Entscheidung getroffen hat: keine Friedensverhandlungen mit Deutschland. Er wagte die Rückholung der Soldaten nach England. Es war, wie die Badische Zeitung schreibt, die größte Rettungsaktion der Weltgeschichte. Wie war das möglich? Gelegentlich ist spekuliert worden, dass Hitler England nicht zu sehr demütigen wollte, weil er auf einen Verständigungsfrieden hoffte. Jedenfalls ließen falsche miltärische Überlegungen auf deutscher Seite die Rettungsaktion zu einem Erfolg werden. Hitler wollte die Panzertruppen für die Schlacht um Frankreich schonen, obwohl Guderians Panzercorps nur 18 km vom Dünkirchener Hafen entfernt war. Und der Oberbefehlshaber der Luftwaffe Göring irrte, als er großspurig behauptete, dass der Kessel aus der Luft zerschlagen werden könnte. So konnte unsere Wehrmacht zwar das riesige, zurückgelassene Kriegsmaterial erbeuten, aber nur 40.000 Franzosen gefangen nehmen.

Die Badische Zeitung (Gabriele Schoder) meinte bei der Besprechung des Films, dass Churchill „Europa beherzt davor bewahrte, komplett in den nationalsozialistischen Abgrund zu stürzen. Dafür hat gerade Deutschland zu danken.“ Nach dieser Ansicht war es also besser, den Krieg fortzusetzen, anstatt den Frieden zu suchen. Churchill konnte später tatsächlich zuletzt als Sieger lachen; aber seine Entscheidung hat maßgeblich mit zur Jahrhundertkatastrophe des Zweiten Weltkriegs beigetragen!  Manchmal ist auch immer noch die naive Vorstellung zu hören, dass der Krieg vorrangig zur Befreiung vom Nationalsozialismus geführt worden sei.      info@pi-freiburg.de

Siegesdenkmal: FDP-Stadtrat für Schmieraktion?

Peter Bulke/  Es ist sinnvoll und eigentlich fast selbstverständlich, Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs, Plätze und manchmal auch Straßen gegebenenfalls nach dort vorhandenen bedeutsamen Objekten zu benennen. Dazu gehören nicht nur Hinweise auf öffentliche Einrichtungen wie die Haltestelle „Rathaus im Stühlinger“ oder die Friedhofstraße. Auch andere auffällige oder historisch interessante Bauwerke oder auch nur historische Erinnerungen laden dazu ein, als Namensgeber zu dienen. So gibt es in Freiburg z. B. den Platz der Alten Synagoge, den Augustinerplatz (zur Erinnerung an ein ehemaliges Augustinerkloster) oder die Haltestelle Am Bertholdsbrunnen.

Nachdem das Siegesdenkmal seinen neuen Standort wieder an historischer Stelle gefunden hat und das Umfeld durch straßenbauliche Maßnahmen verändert wird, geht es um die Frage, welchen Namen  der neu gestaltete Platz bekommen soll. Für einen normal denkenden Menschen ist es schon merkwürdig, dass es dazu überhaupt große Diskussionen gibt, da sich ein Name wie selbstverständlich anbietet: „Platz des Siegesdenkmals“ o. ä. Folgende Gesichtspunkte sprechen dafür: Es handelt sich um ein Denkmal, das den staatlichen Schutz genießt, da es kulturell und historisch von Bedeutung ist. Außerdem ist es ein weithin sichtbarer optischer Schwerpunkt auf der Kaiser-Joseph-Straße. Die Diskussion über den Namen des neu gestalteten Platzes wurde vor allem von Personen und Gruppierungen angestoßen, denen die Wiederaufstellung des Denkmals an der jetzigen Stelle sehr missfällt. Das sind naturgemäß links und pazifistisch orientierte Kräfte. Am 03. 02. versammelten sich etliche von ihnen, um für den Namen Friedensplatz oder Jean-Jaures-Platz (nach einem französischen, pazifistischen Philosophen) zu demonstrieren (siehe Foto), wobei mehrere Redner auftraten. Auch FDP-Stadtrat von Gayling gehörte dazu. Er bedauerte den zentralen Standort des „martialischen“ Denkmals. Er hätte es lieber irgendwo am Stadtrand gesehen. Aber „jetzt haben wir den Salat“, meinte er. Er wünscht deshalb besondere, auch spielerische Aktionen am Denkmal und erinnerte dabei an die frühere Reichstagsverhüllung durch ein Künstlerpaar. Unverantwortlich war in diesem Zusammenhang allerdings sein Hinweis auf das Pferdchen-Standbild an der Günterstal/Schauinslandstraße, das bekanntlich vor einiger Zeit mehrmals von Unbekannten übermalt wurde. Das klang fast wie ein Vorschlag zum Nachahmen!       info@pi-freiburg.de

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