Die neue Völkerwanderung

Peter Bulke/   Der angesehene promovierte Historiker und Wirtschaftsberater Asfa-Wossen Asserate, Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers, ist häufiger Gast in Freiburg, so auch im vergangenen Monat beim Walter-Eucken-Institut. Einige Monate zuvor hatte er in Freiburg sein Buch „Die neue Völkerwanderung“ vorgestellt. Asserate weist darauf hin, dass sich viele junge Menschen in Afrika – auch bei Berücksichtigung der großen  innerafrikanischen Unterschiede – geradezu nach Veränderungen sehnen. In vielen Staaten habe sich seit der Unabhängigkeit die Situation auf zahlreichen Gebieten,  wie Infrastruktur, sozialem Frieden, Rechtssicherheit, Bildungswesen, verschlechtert, obwohl in diesen 50 Jahren riesige Geldsummen nach Afrika gepumpt worden sind. Doch diese unterstützten häufig korrupte Gewaltherrscher. Ein großer Teil des Geldes sei in Form teurer Immobilien (z.B. an der Reviera) oder auf Schweizer Konten nach Europa zurückgeflossen. Als neues großes Übel sieht Asserate das Landgrabbing ausländischer Investoren, mit denen afrikanische Potentaten zusammenarbeiten. Sehr aktiv seien auch chinesische Firmen. Ihnen gehe es in erster Linie um die Ausbeutung Afrikas und um den Absatz billiger Produkte. Chinesische Handys seien inzwischen sehr weit verbreitet – nicht selten mit Funktionsstörungen. Ungünstige Auswirkungen habe auch die internationale Freihandelspolitik. Als eins von mehreren Beispielen aus dem Agrarbereich nannte der Referent den Export italienischen Tomatenmarks nach Ghana. Viele einheimische Kleinbauern verloren dadurch ihre wirtschaftliche Existenz.

Ein häufiger Ausspruch Asserates ist: Wer Europa retten will, muss Afrika helfen. Was müsste getan werden? Deutschland sei Vorbild für das Duale System. Ein solches werde in Afrika dringend benötigt, um Arbeitsplätze zu schaffen. Ohne ein solches Programm werde auch das überschüssige akademische Proletariat ständig zunehmen. Wichtig seien weiterhin Kleinkredite für landwirtschaftliche Vorhaben und Investitionen deutscher mittelständischer Firmen. Positiv beurteilt Asserate den von Entwicklungsminister Müller (CSU) vorgesehenen Marshallplan für Afrika.

Anzumerken ist: Die Größe der Aufgabe lässt bedeutsame Erfolge nur sehr langfristig erwarten. Vor allem wird sich das rasante Bevölkerungswachstum als äußerst hinderlich erweisen. Deshalb bleibt die Forderung nach strikten Grenzkontrollen und nach einem Verzicht auf die derzeitige Zuwanderungspolitik für jeden verantwortungsbewussten Deutschen und Europäer unverzichtbar.