/Diskussion um Spätaussiedler

Diskussion um Spätaussiedler

Nach der Landtagswahl beschäftigte plötzlich etliche Medien und Politiker das Thema Spätaussiedler. Im Freiburger Stadtteil Landwasser mit dem höchsten Anteil an Spätaussiedlern innerhalb Freiburgs (vor allem aus der ehemaligen UdSSR und Rumänien) haben weit überdurchschnittlich viele Bürger nicht so gewählt, wie es die Kommentatoren gerne gesehen hätten. Für ein noch viel größeres Aufsehen hat ein Wahlergebnis außerhalb unseres Gebietes, nämlich in Pforzheim, gesorgt; und zuvor hatte es in Lahr eine Demonstration Russlanddeutscher gegen die Flüchtlingspolitik gegeben.

(Von Peter Bulke)

Der Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Hartmut Koschyk (CSU), meinte dazu, die Russlanddeutschen ließen sich weder von Moskau noch von Rechtsextremen instrumentalisieren; aber bei einem Teil gebe es noch einen Nachholbedarf bei der politischen Integration.

Unser Kommentar:

Die Mehrzahl der Russlanddeutschen ist eher unpolitisch. Als vorbildlich ist der im Durchschnitt deutlich bessere familiäre Zusammenhalt anzuführen. Bei Wahlen wurde bisher vorrangig der CDU die Stimme gegeben, sicher auch aus einem Gefühl der Dankbarkeit heraus. Diese traditionelle Bevorzugung der CDU ist jetzt offensichtlich abgeschwächt. Als vorbildlich ist auch festzuhalten, dass der Patriotismus im Allgemeinen als etwas Selbstverständliches gilt. Deshalb kann man davon ausgehen, dass die massive Propaganda für eine multikulturelle Gesellschaft auf wenig Zustimmung stößt.

Vorbehalte gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik werden sicher auch durch ein Gefühl verstärkt, auf das die in Kasachstan geborene Sängerin Helena Kolb hinweist, die schon auf etlichen internationalen Bühnen und im Fernsehen aufgetreten ist: „So viel Zuwendung wie die Flüchtlinge haben wir bei unserer Ankunft in Deutschland nicht erfahren…Unsere historische Heimat Deutschland verleugnet sich selbst und ihre eigenen Leute.“ Vielleicht erinnern sich einige Leser an die Zeit vor 20 Jahren. Die SPD machte Stimmung gegen die Spätaussiedler. Dem damaligen SPD-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten des Saarlandes Lafontaine passte es nicht, dass Deutsche wegen ihrer Abstammung bevorzugt einwandern durften. Eine Zeitungskarikatur zeigte 1996 Lafontaine mit dem Ausspruch: „Jeder Asylbewerber aus Schwarzafrika ist mir lieber als ein Russlanddeutscher.“