„Flüchtlinge“ – ein unpassender Vergleich

Peter Bulke/   Die Situation der heutigen „Flüchtlinge“ sei beklagenswerter als die der deutschen Flüchtlinge 1945. In diesem Sinne hat sich der Oberbürgermeister der Stadt Villingen-Schwenningen, Robert Kubon, SPD, geäußert. Eine solche Behauptung fordert zum Widerspruch heraus. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass für die heutigen „Flüchtlinge“ diese Bezeichnung nur zum Teil passt. Natürlich lassen sich die Begriffe Flucht und Flüchtling auch dehnen. Eine Wanderschaft heraus aus wirtschaftlich schlechten Bedingungen in ein Gebiet, in dem jemand deutlich günstigere Bedingungen erwartet, könnte man als Flucht vor der Armut bezeichnen. Aber Flüchtlinge im eigentlichen Sinn fliehen vor persönlicher Bedrohung, wobei es sogar um das eigene Leben gehen kann. Doch wenn wir z.B. an die Millionen Syrier denken, die in der östlichen Türkei untergebracht sind, von denen viele versucht haben und zum Teil auch immer noch versuchen, von dort nach Europa zu gelangen, dann passt die Bezeichnung Flüchtling natürlich nicht, ebenso nicht für die meisten Schwarzafrikaner, die nach Europa kommen wollen.

Die Hände auf dem obigen Foto sollen an die im Mittelmeer Ertrunkenen erinnern und für die Zustimmung zur Aufnahme weiterer Migranten werben, ganz im Sinne auch des Herrn Kubon aus Villingen-Schwenningen.  Die Hände wurden im März auf einer Veranstaltung der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg gezeigt, gefördert u.a. auch durch die Stadt Freiburg, Amt für Migration und Integration.

Herr Kubon hätte sich über die ertrunkenen Flüchtlinge 1945 informieren und einen Vergleich mit der derzeitigen Situation im Mittelmeer anstellen sollen.  Am 30. 01. 1945 ereignete sich die größte Katastrophe der Seefahrtgeschichte: Das Schiff „Wilhelm Gustloff“ nahm in der Danziger Bucht ca. 10.000 Personen (davon 8.800 Zivilisten) auf und wurde von einem sowjetischen U-Boot versenkt. Damals herrschte eine Außentemperatur von -20 und eine Wassertemperatur von 2 Grad. Über 9.000 Menschen kamen ums Leben. Am 09. 02. 1945 lief das Passagierschiff „Steuben“ mit 4.000 Flüchtlingen von Ostpreußen in Richtung Kiel aus. Es wurde in der folgenden Nacht ebenfalls versenkt.  Etwa 600 Menschen konnten gerettet werden.  Schließlich wurde am 16. 04. 1945 noch das norwegische Frachtschiff „Goya“ mit 7.000 Menschen an Bord versenkt. Nur 176 Menschen konnten lebend geborgen werden. (Quelle: BdV-Nachrichten, März/April 2018)

Dies ist natürlich nur ein kleines, aber wichtiges Kapitel  aus dem riesigen Thema „Deutsche Flüchtlinge 1945“.