Herabwürdigung eines soldatischen Vorbilds

Peter Bulke/  „Was im Militär als konservativ angesehen wird, ist aus der Sicht der Zivilgesellschaft rechtsradikal“, meint der Freiburger Militärhistoriker Wolfram Wette aus Waldkirch. Er rechnet sich offensichtlich auch zu dieser Art Zivilgesellschaft. In der ersten Ausgabe unserer Regionalzeitung „Der Sonntag“ hat er sich ein Lieblingsthema vorgenommen: Traditionspflege in der Bundeswehr. Nach einem Lob auf die Verteidigungsministerin von der Leyen ging er auf den Kasernennamen im niedersächsischen Rotenburg ein. Die dortige Kaserne trägt den Namen Helmut Lent. Frau von der Leyen sei zum berechtigten Schluss gekommen, „dass der frühere Jagdflieger Helmut Lent keineswegs würdig ist, in der Traditionslinie der Bundeswehr zu stehen.“  Er sei Nazi gewesen und habe zum Endsieg aufgerufen.

Einige Angaben zu Helmut Lent: 1937 meldete er sich als 19-jähriger freiwillig zur Luftwaffe. Bereits am 02. 09. 1939 – dem zweiten Tag des Feldzuges gegen Polen – errang er mit einer zweimotorigen Maschine Me 110 seinen ersten Luftsieg. Bei  der sog. Schlacht um England wurde er der erfolgreichste Nachtjäger. Im August 1941 erhielt er das Ritterkreuz, dem später  weitere Auszeichnungen folgten. Wichtig war sein Einsatz gegen die britischen – zum Teil viermotorigen – Bomber über Deutschland. Bis zum Herbst 1944 hatte er 102 Luftsiege zu verzeichnen. Er war dazu vorgesehen, die gesamte deutsche Nachtjagd zu leiten. Doch kurz zuvor starb er infolge eines Flugzeugunglücks.

Der frühere Bundespräsident Theodor Heuß sagte vor 60 Jahren zum FDP-Politiker Erich Mende, er solle beim Staatsempfang sein Ritterkreuz tragen. „Da müssen Sie Vorbild sein. Soldatische Tapferkeit wird nicht durch das System geschmälert, unter dem es erbracht wird.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.