/Lob für die Bürger – nicht für den Gemeinderat

Lob für die Bürger – nicht für den Gemeinderat

hindenburgstrasse-2Von der wuchtigen Welle, die uns ins Gesicht schlug, waren wir schon überrascht“, äußerte der Historiker Prof. Ernst Martin gegenüber der Zeitung „Der Sonntag“. Die Überraschung bezog sich auf Reaktionen von Bürgern und insbesondere auf das Umfrageergebnis der Badischen Zeitung zur geplanten Änderung von 12
 Straßennamen in Freiburg. Es hatten sich nämlich 51 % der Befragten gegen und 33 % für die Änderungen ausgesprochen. Prof. Martin war Leiter der von der Stadt Freiburg berufenen Kommission, die alle personenbezogenen Straßennamen der Stadt im Verlauf von drei Jahren überprüft hat. Wie nicht anders zu erwarten war, ging es dabei um Verfehlungen im Zusammenhang mit Nationalismus, Militarismus, Antisemitismus usw. – Begriffe, die die politische Linke zur Diffamierung politischer Gegner so gern benutzt.
(Von Peter Bulke)

Das Problem eines solchen Überprüfungsverfahrens ist, dass die zu bewertenden Persönlichkeiten unter völlig anderen historischen Bedingungen im Vergleich zu heute gelebt haben. Mit dem Auswechseln von Straßennamen wird auch ein Teil der städtischen Geschichte entsorgt; denn mit etlichen Straßennamen werden auch Freiburger Wissenschaftler geehrt. Schließlich ist zu bedenken, dass es – wie der evangelische Stadtdekan Engelhardt bemerkt hat – keine moralisch perfekten Menschen gibt. Doch die Freiburger Stadtführung (Oberbürgermeister Salomon, Sozialbürgermeister von Kirchbach) ist dem intoleranten Zeitgeist verfallen. Persönlichkeiten, die sich nicht politisch korrekt in ihrem Sinne verhalten haben, sollen nicht mehr mit Straßennamen geehrt werden. Dieser Auffassung hat sich am 15. 11. auch die Mehrheit des Freiburger Gemeinderats grundsätzlich angeschlossen, auch wenn später noch über die einzelnen Straßennamen extra abgestimmt werden soll. Besonders eifrig hatte sich schon einige Tage vorher die Sammelfraktion JPG (Junges Freiburg, Die Partei, Grün-Alternative) gezeigt. Sie würde am liebsten zusätzlich zu den 12 beschlossenen weitere 15 Straßennamen auswechseln.
Paul von Hindenburg ist wohl die bekannteste der Persönlichkeiten, deren Namen auf Straßenschildern verschwinden sollen. Seine tiefe Liebe zu Deutschland und sein Pflichtbewusstsein machen ihn geradezu zu einem Vorbild. Zusammen mit Generalmajor Ludendorff und der 8. Armee war er Sieger in der Schlacht bei Tannenberg. Die deutsche Bevölkerung wählte ihn zweimal zum Staatsoberhaupt. In der turbulenten, schwierigen Zeit anfangs der dreißiger Jahre sah er schließlich keinen Ausweg mehr, als dem Führer der größten Partei im Rahmen einer Koalitionsregierung (mit lediglich 2 NSDAP-Ministern) das Regierungsamt zu übertragen.