Zuhören statt Hetze!

Peter Bulke/   Auf dem Platz am Ende der Rathausgasse am Rotteckring in Freiburg mit dem an diese Stelle versetzten Mahnmal für die Opfer der NS-Zeit trafen sich am 01. 09. über 100 Menschen (Foto). Dazu hatte das Freiburger Friedensforum unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ aufgerufen. Beteiligt waren außer den üblichen linksradikalen Gruppen auch der DGB-Stadtverband und die evangelische Kirche in Freiburg. Der Redner Bernd Wagner vom DGB beschränkte sich in seiner Rede nicht auf das eigentliche Thema – Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland, Beendigung der Auslandseinsätze der Bundeswehr, Reduzierung des Rüstungsetats – sondern kam erwartungsgemäß bald auf die Flüchtlingspolitik und die AfD zu sprechen. So fordert das Friedensforum die Öffnung der EU-Außengrenzen für Flüchtlinge und die legale Migration nach Europa.

Wertvoller war die Rede des Schuldekans der Freiburger ev. Kirche, Christian Stahmann. Er vermied eine einseitige Kritik, sondern appellierte an die Bereitschaft zu ernsthafter Diskussion mit dem politischen Gegner und an den Versuch, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen. Kriegerische Auseinandersetzungen hätten nicht mit Waffen sondern mit Worten begonnen. Dabei wurde die Wahrheit in der Regel verzerrt. Mit dem Überhandnehmen einseitiger Informationen im Internet habe dieses Problem eine große Bedeutung auch innerhalb unserer Gesellschaft gewonnen. Man sollte sich nicht darauf beschränken, nur solche Nachrichten und Kommentare zu konsumieren, die die eigene Ansicht stärken, sondern auch Argumente des politischen Gegners zur Kenntnis nehmen. Nur so sei gegenseitiges Verstehen und ein normaler demokratischer Umgang miteinander möglich.

Diese Ansicht des Schuldekans kann man nur unterstützen. Doch wie sahen die Reaktionen in den letzten Tagen über die Vorgänge in Chemnitz aus? Mit den Schlagworten „Kampf gegen Rechts“ und „Herz statt Hetze“ und den wenig brauchbaren Begriffen wie Rassismus und Populismus werden Versuche des gegenseitigen Verstehens von vornherein verhindert. Aber ohne Zuhören wird die politische Auseinandersetzung vergiftet. Hierzu einige Zitate, die die Bildzeitung am 05. 09. erfreulicherweise veröffentlicht hat, und zwar unter der Überschrift „Beim Chemnitz-Konzert 27 Minuten Hass auf Veranstaltung gegen Hass.“ Dabei geht es um Worte nur einer der aufgetretenen „Musik“-Gruppen:  „Ich schleich mich ein bei den Sarrazins 6 Uhr, alles pennt noch, Selbstmord und Attentat“ – „Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse“  –  „Nirgendwo Deutschlandfahnen – ist das schön!“  Aufgetreten war auch die extremistische Gruppe „Feine Sahne Fischfilet“ (Näheres über diese Gruppe in unserem Text vom 09. 05. „Wilde Hassgesänge“).