Aus für die National-Zeitung – ein Blick zurück

Peter Bulke/   Die in der bisherigen Geschichte der BRD bekannteste „rechte“ Wochenzeitung ist zu Beginn dieses Jahres eingestellt worden. Jahrzehnte lang war sie bei fast jedem Zeitschriftenhändler erhältlich, wenn auch die meisten Exemplare abonniert  waren. Ihren Höhepunkt mit einer Auflage von über 140.000 hat sie schon lange hinter sich. Untrennbar war sie mit Dr. Gerhard Frey verbunden. Dieser erwarb 1959 als 26-Jähriger alle Gesellschaftsanteile  der Deutschen Soldatenzeitung und gestaltete diese 1963 zur National-Zeitung um.

Als 1964 die NPD  gegründet wurde, schrieb Frey ironisch: „Die beste DRP, die es je gab“.  Den Kern der neuen NPD bildete nämlich die Deutsche Reichspartei, die bei der Bundestagswahl 1961 nur 0,8 % der Stimmen bekommen hatte.  In der Wochenzeitung „Die Zeit“ hieß es am 19. 07. 1968 nach etlichen Wahlerfolgen  der NPD  (vor allem in Baden-Württemberg mit 9,8 %):  „1964 hatte Frey für die NPD nur ein hämisches Lächeln übrig … Damals wiegte er sich noch in der kühnen Hoffnung, eines Tages selber der Trommler aller heimatlosen Rechten zu werden. Von Thadden kam ihm zuvor. Das wurmte ihn schon damals.“  Der NPD-Vorsitzende Adolf von Thadden hatte eine Zusammenarbeit mit der National-Zeitung immer abgelehnt.

1971 gründete Frey die Deutsche Volksunion (DVU).  Sie wurde aber erst 1987 zur  Partei. Bis 2009 war Frey ihr Vorsitzender. Mit der NPD ging es nach der missglückten Bundestagswahl 1969 mit 4,3 % deutlich bergab. Zu Kontakten zwischen der NPD und Frey kam es, nachdem von Thadden 1971 die NPD   verlassen hatte und der südbadische Rechtsanwalt Martin Mußgnug (MdL) Parteivorsitzender geworden war. Am 17. 06. 1975 gab es in Bonn eine große gemeinsame Demonstration von DVU und NPD.  Auch aus dem Freiburger Raum fuhr damals ein Bus dorthin.  In Freiburg war an Säulen plakatiert worden: „Gemeinsam für Deutschlands Zukunft“.

1987 versuchte Frey, mit seiner DVU im kleinsten Bundesland (Bremen) mit großem Aufwand erfolgreich zu sein. Die DVU erhielt aber nur 3,4 % der Stimmen. Aber vier Jahre später erzielte die DVU dort 6,2 % (REP 1,5 %). Die National-Zeitung triumpfierte: „DVU  – Bremen war erst der Anfang!“ 6,3 % wurden es 1992 in Schleswig-Holstein. Die Konkurrenz zu den Republikanern (REP) führte dazu, dass bei zwei Bürgerschaftswahlen in Hamburg jede dieser beiden Parteien einmal  knapp an der 5-%-Klausel scheiterte: 1993: DVU 2,8 %; REP 4,8 % – 1997: DVU 4,98 %; REP 1,9 %. Die „Junge Freiheit“ schrieb zur DVU-Werbung: „Mittels inzwischen dreier persönlich adressierter Schreiben an sämtliche 1,2 Mill. Hamburger Wähler und einer flächendeckenden Plakatierung auf Mietflächen empfiehlt sich die DVU als Protestpartei Nr. 1 – ohne Personen, aber mit Millionen Kapital im Rücken.“ Die DVU ist auch mal als eine aus München „ferngesteuerte Geisterpartei“ bezeichnet worden.  Von dort kam die Wahlwerbung vom Millionär Frey. Es fehlte weitgehend das übliche Parteileben in den Untergliederungen.   Deshalb gab es bei der Bundestagswahl 1998 nur Landeslisten, aber keinen einzigen Direktkandidaten. Den größten Erfolg  erzielte die DVU 1998 bei der  Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Sie hatte 3 Mill. DM eingesetzt, angeblich mehr als CDU und SPD zusammen. Sie erhielt 12,9 %, bei den Wählern bis zum Alter von 24 Jahren sogar 33 %!  Doch mehrere Abgeordnete verließen bald die Fraktion. Vier Jahre später trat die DVU dort garnicht an. Brandenburg war das einzige Land, in dem die 5-%-Grenze zweimal überschritten wurde.  Bei der Landtagswahl 1998 in Bayern empfahl die National-Zeitung  (nicht zum ersten Mal) die CSU.

Im Jahr 2013 starb Dr. Gerhard Frey im Alter von 80 Jahren. (Siehe obiges Foto).