Reichsgründung vor 150 Jahren

Peter Bulke //   Oben ist eins der wichtigsten Bilder deutscher Geschichte zu sehen: Die deutschen Fürsten rufen am 18. Januar 1871 den preußischen König zum deutschen Kaiser aus. Großherzog Friedrich I von Baden ruft als erster: „Hoch lebe Kaiser Wilhelm!“. (Dieser war sein Schwiegervater.) Baden verlor damit seine Souveränität. Es hatte sich auch am Krieg gegen Frankreich beteiligt. Das daran erinnernde Siegesdenkmal in Freiburg wurde  1876 in Anwesenheit des Kaisers und des Großherzogs von Baden eingeweiht. Noch 10 Jahre zuvor,  beim deutschen Krieg Preußen gegen Österreich 1866, hatte Baden noch auf der Seite Österreichs gestanden, sich aber nicht aktiv beteiligt. Deutschland erlebte anschließend einen großen wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und militärischen Aufstieg. Mit der Industrialisierung entstanden aber auch soziale Probleme. Die Einführung von Unfall-, Alters- und Invalidenversicherung ab 1882 war in Europa vorbildlich.

Entscheidender Gestalter des politischen Geschehens war Fürst Otto von Bismarck, preußischer Ministerpräsident (seit 1862) und deutscher Reichskanzler (ab 1871). An ihn erinnert in Freiburg der Bismarck-Turm. Seine Errichtung um das Jahr 1900 ist u. a. der Freiburger Burschenschaft Teutonia zu verdanken. Heute macht das Denkmal einschließlich Umfeld  einen verwahrlosten Eindruck. Es wurde durch die Stadt Freiburg total vernachlässigt. Die Freiburger  Universität hatte 1868 nur etwa 300 Studenten. Nach 1871 erfolgte ein sehr starker Anstieg, trotz Gründung der Universität Straßburg 1872, zu der auch viele Badener gingen. Die meisten Studenten gehörten damals einer Verbindung an. Über das Verbindungswesen damals bis heute berichtet Martin Dossmann in seinem vor wenigen Jahren im WJK-Verlag erschienenen Buch „Freiburgs Schönheit lacht uns wieder“.  Danach waren um 1870 die Corps die bedeutungsvollsten Verbindungen. Sie waren zwar grundsätzlich politisch neutral, in der Zeit vor 1870 ebenso wie die politische Führung in Baden mehr antipreußisch. Ein großer Teil der Abgeordneten des Reichstages und viele Regierungsmitglieder gehörten einem Corps an, auch Bismarck und der spätere Kaiser Wilhelm II.   Corps betrachteten sich als besondere Elite, was häufig in der Bevölkerung als anmaßend empfunden wurde.

Die Beendigung der Kleinstaaterei 1871 wurde zwar „von oben“ in die Tat umgesetzt, hatte aber offensichtlich eindeutig die Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit. Eine großdeutsche Einigung war damals aufgrund der Konkurrenz der zwei mächtigsten Fürstenhäuser Habsburger und Hohenzollern nicht möglich.

Thema „Rasse“: viel Ideologie – wenig Sachlichkeit

Peter Bulke/   Das in der Biologie verwendete Wort war insbesondere im vergangenen Jahr Gegenstand der Kritik. Es soll sogar aus dem Grundgesetz verschwinden. Am 30. 06. 20 brachte die Badische Zeitung (B.Z.) ein Foto mit Buntstiften und dazu den Text: „Diese Buntstifte stehen für die Vielfalt an Hautfarben. Mit Rassen haben die verschiedenen Farben nichts zu tun.“ Wenige Tage zuvor hatte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende des Landtages, Sascha Binder, geäußert, Rassen gäbe es „nur bei Tieren.“

Rassen sind geographische Varietäten einer Art.  Z. B. gibt es bei der Kohlmeise, deren Verbreitungsgebiet von Westeuropa bis weit nach Asien hinein reicht, etliche solcher  Varietäten. Entsprechendes hat sich natürlich über einen Zeitraum von Zehntausenden von Jahren auch bei der  Art  Mensch herausgebildet. Das Genom der menschlichen Gruppen hat sich den jeweiligen Lebensbedingungen angepasst. – Am 20. 06. 20 erschien ein B.Z.-Interview mit dem Wissenschaftler Volker Nehring vom Institut Biologie I  der Universität  Freiburg. Er meidet das Wort Rasse und spricht von Populationen in unterschiedlichen Wohngebieten: „Wenn jemand aus Nairobi nach Freiburg reist, wird er automatisch Teil der  Freiburger Population. . . . Die Biographie des Menschen ist ja längst ein großes Durcheinander.“  Damit vereinfacht er aber zu sehr. Der Unterschied zwischen der Person aus Nairobi und den meisten Freiburgern wird ausgeblendet.

Der Begriff „Population“ tritt in der Wissenschaft seit den 60-er Jahren vielfach an die Stelle der „Rasse“. Mitglieder einer Population pflanzen sich häufiger untereinander fort als mit Nichtmitgliedern. Populationen unterscheiden sich durch zahlreiche unterschiedliche Genhäufigkeiten. Das „große Durcheinander“ hat noch nicht dazu geführt, diese Unterschiede verschwinden zu lassen. So hat sich in den USA  herausgestellt, dass einige Arzneimittel zwischen Menschen europäischer und afrikanischer Abstammung unterschiedlich wirken. Sie waren meistens zu einseitig an weißen Personen getestet worden. Selbst die Psyche eines Menschen wird durch Erbanlagen mit beeinflusst.  Wer Rassenunterschiede leugnet, weil 99.9 % der Erbanlagen gleich seien, bedenkt nicht, dass (wie vor einiger Zeit in der Presse zu lesen war) Schimpansen  mit Menschen zu über 98,5 % genetisch übereinstimmen. Säugetiere – einschließlich Mensch – haben extrem viel Gemeinsames. Anderfalls wären medizinische Versuche an Ratten sinnlos.  – Obiges Foto zeigt ein Buch zum Thema, erschienen 2020 im Ares-Verlag, A8011 Graz.

 

„Umbenennungsdiskussion geht weiter“

Peter Bulke/   Mit der obigen Überschrift erschien im November ein Artikel in der Badischen Zeitung (B.Z.). Danach fordert Christoph Schwarz, Vorsitzender eines Vereins, der sich mit einem speziellen Kapitel der NS-Geschichte beschäftigt, dass die Gerhart-Hauptmann-Schule in Freiburg-Betzenhausen umbenannt wird. An dieser Schule liegt auch die kleine Gerhart-Hauptmann-Straße. Die Kritik an der Namensgebung erinnert an einen engstirnigen, einseitig urteilenden Moralprediger, der behauptet, beurteilen zu können, wann sich der Dichter G. Hauptmann während der Zeit des Nationalsozialismus nicht „richtig“ verhalten habe. Man könnte das mit einer Spurensuche mit der Lupe vergleichen.

Gerhart Hauptmann (1862 – 1946), Vertreter des sozialkritischen Naturalismus, erhielt 1912 den Nobelpreis. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen „Die Weber“ und die Komödie „Der Biberpelz“.

Getrieben vom linken Zeitgeist wurde bekanntlich vor einigen Jahren in Freiburg festgelegt, dass eine Kommission alle nach Personen benannten Straßennamen untersuchen sollte. Nach dem dann im Jahre  2016 vorgestellten Bericht der Kommission sollten schließlich 12 Namen geändert werden. Der Freiburger Gemeinderat hat nach und nach die Änderungen beschlossen. Die Gerhart-Hauptmann-Straße war nicht darunter. Für sie hatte die Kommission eine ergänzende Erklärung auf dem Straßenschild vorgeschlagen. Über den Standpunkt der Stadtverwaltung berichtete die B.Z. am 9. 11.: „Heute würde man den Namen nicht mehr nehmen. Eine Umbenennung ist aber nicht nötig.“

Erfreulicherweise erschien am 4. 12. ein B.Z.-Leserbrief des Vorsitzenden der Schlesischen Landsmannschaft Freiburg, Wolfgang Lorenz, der sich mit dem Dichter G. Hauptmann intensiv beschäftigt hat. Lorenz beanstandet, dass der Kritiker Schwarz den Dichter auf dessen letzte Lebensjahre (Alter über 80 Jahre) reduziere, „in denen er ohne Zweifel eine sehr ambivalente Haltung  gegenüber dem Nationalsozialismus einnahm.“  Die Freiburger Kreisgruppe der Schlesischen Landsmannschaft sei 1963 der Initiator der Namensgebung zugunsten des berühmten schlesischen Dichters für die Schule in Freiburg-Betzenhausen gewesen.

 

Linke Erregung – Badische Zeitung knickt ein

Peter Bulke/    Der kostenlosen Wochenzeitung  DER SONNTAG , die wie die Badische Zeitung(BZ) im Badischen Verlag erscheint, sind auch immer Werbebeilagen beigefügt. Kürzlich enthielt ein Teil der Auflage (Stadt Freiburg) auch eine Beilage der Freiburger AfD-Stadtratgruppe. Dies hat offensichtlich etlichen linksorientierten Lesern ihr Blut in Wallung gebracht. Ihren Unmut haben sie dem Verlag gegenüber bekundet. In der BZ hieß es darauf hin am 7. 12.: “ Wir nehmen die Werbung aller für Wahlen zugelassenen Parteien entgegen, sofern diese Werbung keine ehrverletzenden, diskriminierenden … Inhalte enthält. … Die Werbebeilage der AfD entsprach den Kriterien, die wir an die Veröffentlichung politischer Werbung richten….“

Mit dieser vernünftigen Begründung müsste eigentlich das Thema abgeschlossen sein. Doch schon einen Tag später gab es einen großen BZ-Artikel unter der Überschrift „Die Abwägung war im Ergebnis falsch … Kritik der Leser nehmen wir ernst“. Im anschließenden Text geht es vor allem um Kritik am Mitunterzeichner des AfD-Werbeblattes Dubravko Mandic. Dessen Mitwirkung am Text war aber natürlich von vornherein ersichtlich gewesen; es ging auch nicht plötzlich um neue Erkenntnisse über diesen Stadtrat. Die Kritik an der Person Mandic hat mit der Angelegenheit der Werbebeilage wenig zu tun, zumal er neben Dr. Detlef Huber nur Mitunterzeichner war. Das zeigt, dass der Druck politisch linker Kräfte dazu geführt hat, dass der Badische Verlag es nachträglich bedauert, das getan zu haben, was in einer Demokratie für eine Zeitung selbstverständlich sein sollte, insbesondere dann, wenn sie eine Monopolstellung als Regionalzeitung hat. – Der Verlag will die spezielle Werbeeinnahme nicht für sich, sondern als Spende verwenden.

Flüssiggasimport: widersprüchliche Politik

Peter Bulke/    Kürzlich berichtete die Badische Zeitung: „Unipar speckt seinen Plan für das in Wilhelmshaven geplante Terminal für den Import von Flüssiggas (LNG) ab. Es gebe zu wenig konkretes Interesse von Partnern, Einfuhrkapazitäten fest zu reservieren.“ – Der Energiekonzern RWE hat seine Entscheidung über den Terminal Brunsbüttel (an der Elbe-Mündung) vertagt. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), deren Bundesgeschäftsstelle in Radolfzell am Bodensee liegt, macht zur Zeit intensiv Werbung gegen den Bau der drei geplanten Flüssiggasterminals an der Nordseeküste und bereitet Klagen vor. Obiges Foto zeigt den Kopf des DUH-Flugblattes. In ihm heißt es u.a.: „Wirtschaftsminister Altmeier schafft immer neue Subventionen für die Investoren der Flüssiggasterminals. … In Deutschland ist Fracking aus gutem Grund verboten: Denn bei diesem Verfahren wird ein giftiger Chemie-Cocktail unter die Erde gepresst, um die Förderung von Erdgas erst möglich zu machen.“

Es ist unstrittig, dass Deutschland auf absehbare Zeit auf Erdgasimporte angewiesen sein wird. Durch den (zur Zeit gestoppten) Bau der zweiten Leitung durch die Ostsee ließe sich der Gasbedarf leicht sicherstellen, und zwar ohne vorherige Verflüssigung, Schiffstransport und Wiederumwandlung zu Gas, ganz abgesehen von dem Chemie-Einsatz  am Ort der Gasförderung. Russlands Anteil am deutschen Gasverbrauch liegt bei ca. 32 %. Es war immer ein zuverlässiger Lieferant. Das Argument einer zu großen Abhängigkeit von Russland ist nicht ganz einsichtig. Und die zweite Gasleitung wäre auch ein Schritt zu einer engeren gesamteuropäischen Zusammenarbeit.

Im November wurde eine verrückte, aber ernstgemeinte Idee nicht nur von Politikern der GRÜNEN, sondern auch vom CDU-Politiker Norbert Röttgen, einem Bewerber um den Parteivorsitz, vorgebracht: Der zu fast 90 % fertig gestellte Bau der zweiten Erdgasleitung durch die Ostsee sollte ganz aufgegeben werden, und zwar wegen der Vorgänge um Nawalny, so als ob die Gasleitung ursprünglich Russland zuliebe gebaut werden sollte. Dabei ist der Fall Nawalny eine innerrussische Angelegenheit. Doch viele deutsche Politiker mischen sich lieber wegen irgendwelcher Demokratiedefizite in  Angelegenheiten anderer Staaten ein, anstatt Mängel (z. B. im Umgang mit der AfD) bei uns abzustellen.

Zum Nürnberger Prozess vor 75 Jahren

Peter Bulke/   „Am Ende siegt das Recht …“, so lautete am 20.11. die Überschrift eines ganzseitigen Artikels der Badischen Zeitung. Tags darauf wurde kurz berichtet, dass es zum 75. Jahrestag des Kriegsverbrecherprozesses einen Festakt mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier  gegeben hat. Er meinte, dass es ohne den Prozess heute keinen Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gäbe. Nur Lob hat der damalige Prozess aber doch nicht verdient. Es war schon problematisch, dass die Siegermächte sowohl die Ankläger als auch die Richter stellten. Verbrechen der Siegermächte wurden natürlich nicht behandelt. Selbst die Erschießung Tausender polnischer Offiziere durch Sowjets in Katyn wurden den Deutschen angelastet. Diese rechtlich problematische Seite des Prozesses hatte Vorgeschichte im Versailler Diktat. Dort war auch die Alleinschuld Deutschlands am Weltkrieg festgelegt worden. Anklage und Verurteilung Kaiser Wilhelms II. war damals nur daran gescheitert, dass die neutrale Niederlande ihn nicht ausgeliefert hatte.

Die damalige Osnabrücker Rundschau schrieb am 30. 07. 1946 (etwa zum Ende des Prozesses): „Oberrichter Jackson bezeichnete das Verbrechen der Vorbereitung und Führung von Angriffskriegen als den Schwerpunkt … Auf der Zusammenkunft am 5. November 1937 habe Hitler seine Kriegspläne ganz klar und zynisch entwickelt. … Das Verbrechen erläuterte Jackson mit Beispielen aus der Aufrüstung. Die Luftwaffe sei neu geschaffen worden. … 1933 gab es keine Luftwaffe, sagte er.“  Auf den 5. 11. 1937 bezieht sich das viel diskutierte und umstrittene „Hoßbachprotokoll“. Ausgerechnet das galt als „Schlüsseldokument“.  Es war kein echtes Protokoll, sondern wurde einige Tage später vom Wehrmachtsadjutanten Hitlers, Friedrich Hoßbach, aus dem Gedächtnis erstellt. Hoßbach – gestorben 1980 – hat später darauf hingewiesen, dass auf jener Besprechung keine Kriegspläne aufgestellt worden seien. Aber es wurden die Möglichkeit eines Krieges und die notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen für den Ernstfall angesprochen. Hitler war besonders auf die Themen Österreich, Sudetenland und Böhmen/Mähren eingegangen.

Heute, 74 Jahre nach dem Ende des Prozesses, werden etliche Vorgänge vor Kriegsbeginn immer noch sehr unterschiedlich interpretiert. Der Titel des 2003 erschienenen Buches (über 500 Seiten) von Gerd Schultze-Rohnhoff (zuletzt Generalmajor der Bundeswehr) „Der Krieg, der viele Väter hatte“ dürfte eine zutreffende Aussage sein.

Im Kapitel „Das Verbrechen der Verfolgung und Ausrottung“ des Nürnberger Prozesses wurde der Massenmord an Juden behandelt. Hier ist die Faktenlage – wenigstens im Grundsätzlichen – eindeutig und unentschultbar.

Auch nach 100 Jahren noch keine Wiedervereinigung

Peter Bulke/    Der 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands gab in diesem Jahr Anlass für eine Erinnerung in Dankbarkeit. Doch außerhalb Deutschlands wird einem Teil unseres Volkes eine Wiedervereinigung schon seit genau 100 Jahren verwehrt.

Zur Vorgeschichte: Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien bildeten zu Beginn des ersten Weltkrieges den Dreibund. Aber Italien nahm bald Geheimverhandlungen mit den Kriegsgegnern Großbritannien, Frankreich und Russland auf und erhielt die Zusicherung, Südtirol und das Trentino zu bekommen, wenn es sich aktiv am Krieg gegen seine bisherigen Verbündeten beteiligt. 1915 wurde der Londoner Geheimvertrag unterzeichnet. Italien erklärte Österreich-Ungarn und Deutschland den Krieg und griff die damalige österreichische Südgrenze an. Die meisten österreichischen Soldaten waren zu dieser Zeit in Osteuropa eingesetzt. Bekannt geworden sind insbesondere die Isonzo-Schlachten in den Alpen. Isonzo ist ein Fluss im heutigen Nordost-Italien, der aus den Alpen in die Adria fließt. In 11 Isonzo-Schlachten versuchten die Italiener vergeblich, die Verteidigungsstellungen der Österreicher zu durchbrechen. In der 12. Schlacht 1917 stießen die Österreicher nach Westen vor. Doch das nutzte nichts, weil der Weltkrieg an anderer Stelle entschieden wurde. 1919 wurde der nicht nur für Südtirol verhängnisvolle Friedensvertrag von Saint Germain unterzeichnet. 1920 trat er in Kraft. Er beinhaltete u. a. die Angliederung Südtirols an Italien, obwohl das mit dem 14-Punkteprogramm des USA-Präsidenten Wilson unvereinbar war, nach dem Grenzen nach erkennbaren Linien der Nationalitäten gezogen werden sollten.

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BILD: „Angst vor einer Rassismus-Debatte“

Peter Bulke/   Antirassistische Überreaktionen treiben immer wieder mal seltsame Blüten. Hier geht es um eine Entscheidung des Kirchenvorstandes der evangelischen Kirchengemeinde in Ulm. Danach sollen in diesem Jahr im berühmten Ulmer Münster die Krippenfiguren der Heiligen Drei Könige nicht wie üblich für die Öffentlichkeit aufgestellt werden. Die Figur des Melchior als Schwarzafrikaner spreche „rassistisch geprägte Stereotype“ an. Sie sei aufgrund der Körperfülle, der dicken Lippen, des Federschmucks am Kopf und des Goldstreifens am Bein „problematisch“. In der BILD-Zeitung hieß es: „Auftrittsverbot aus Angst vor einer Rassismus-Debatte“. In der christlichen Wochenzeitschrift Idea-Spektrum bezeichnete ein Kommentator die Begründung der Ulmer Kirchengemeinde für ihre Entscheidung als „Quatsch“. Der württembergische Landesbischof July zeigte dagegen Verständnis für die Entscheidung; allerdings meinte er auch, dass es unsinnig sei, „Dinge im Nachhinein unserer gegenwärtigen Überzeugung anzupassen“ (Idea-Spektrum Nr. 43/2020).

Im Matthäus-Evangelium des Neuen Testaments ist von drei Weisen (Sternkundigen) die Rede. Sie kommen als Heiden, um Jesus, den König der Juden, anzubeten. Später wurden sie zu Königen umgedeutet und vielfach entsprechend dargestellt. Viele Maler kennzeichneten die Könige als jeweilige Angehörige  der weißen, gelben bzw. schwarzen Rasse, als Vertreter der damals bekannten drei Erdteile. Die Figuren im Ulmer Münster sind erst um 1920 geschaffen worden. Einige Äußerlichkeiten wurden besonders deutlich herausgestellt: Körperfülle und Goldschmuck sollen Reichtum symbolisieren, etwas dickere Lippen gehören natürlicherweise zu Schwarzafrikanern.

Das obige Foto zeigt total andere Heilige Drei Könige. Diese gotische Bildhauerkunst befindet sich in der Turmvorhalle des Freiburger Münsters. Links steht der bartlose Jüngste, rechts der Älteste. Unterschiedliche Herkünfte der Könige von verschiedenen Erdteilen wurden nicht herausgearbeitet.  Erst im Rahmen einer Renovierung im Jahre 1889 wurde der Jüngste (Kaspar) geschwärzt.

Das Meinungsbild im Jahr vor der Wiedervereinigung

Peter Bulke/   Die Wiedervereinigung vor 30 Jahren kam unerwartet schnell. Wie wurde in Westdeutschland im Jahr zuvor über dieses Thema diskutiert?  Die Badische Zeitung berichtete am 20. 01. 1989, dass der rechte Flügel der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag einen Beschluss herbeiführen wollte, in dem „das Anliegen der Deutschen auf Wiedervereinigung voll und uneingeschränkt“ bekräftigt wird. Deutschland solle sich das Recht vorbehalten, aus der EU auszutreten, falls diese Mitgliedschaft einer Wiedervereinigung entgegen stehe. Führender Kopf der Initiative war Jürgen Todenhöfer. Der Bundestag lehnte einen solchen Beschluss ab. Bundeskanzler Helmut Kohl wollte auf keinen Fall die Mitgliedschaft der BRD in der EU  gefährden. – Am 23. 09. 89 schrieb die BZ: „Und während Politikern wie dem SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt schon bei dem Wort Wiedervereinigung unwohl ist, weil es zu sehr an Bismarcks Kaiserreich erinnert, geht die Bewegung um den rechten Flügel der Union längst weiter.“ Brandt habe Bedenken gegen den Begriff Wiedervereinigung, weil er bei den Nachbarstaaten leicht zu Missverständnissen führe. Er begrüßte die Position Kohls. –  Am 12. 10. 89 veröffentlichte die Illustrierte BUNTE das Ergebnis einer von ihr in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage. Danach meinten 89 % der Befragten, dass sie für die Wiedervereinigung stimmen würden. Aber nur 53 % konnten sich vorstellen, dass es tatsächlich zur Wiedervereinigung kommen werde.  – Die BUNTE brachte am 09. 11. 89 einen Kommentar Todenhöfers (CDU): „Die Strategie, die Wiedervereinigung von der Einigung Europas abhängig zu machen, ist ein Versuch, in Deutschland das Urprinzip jeder Demokratie, das Selbstbestimmungsrecht, auf den St.-Nimmerleinstag zu vertagen … Kohl und Genscher müssen dieser Verfassungspflicht gerecht werden und einen konkreten Plan zur Wiedervereinigung vorlegen. Durch Aussitzen lässt sich diese Frage nicht lösen.“

Am 29. 11. 89 berichtete die gesamte Tagespresse über die 10 Punkte Kohls für einen deutsch-deutschen Weg. Kohl war auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Tags darauf sagten allein die Überschriften (BZ am 30. 11.) viel über die Reaktion westeuropäischer Staaten: „Gemischte Gefühle in Paris“ und „Bedenken und geheime Ängste bei den Briten“.  Das Ostpreußenblatt (heute: Preußische Allgemeine) lobte Bundeskanzler Kohl. Er habe das Gesetz des Handelns an sich gerissen und letzte Zweifel im In- und Ausland beseitigt.  Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Westberlin (SPD) sagte laut BZ vom 30. 12. 89: „Ein übermächtiges Großdeutschland im Herzen Europas reißt nur die alten Wunden auf.“

Überreaktion

Peter Bulke/   Unser Ministerpräsident zeichnet sich in der Regel mehr durch sachliche Beurteilungen aus. Doch am 23. 09. berichtete die Badische Zeitung, dass er sich für „ein bundesweites Verbot von Reichsfahnen und Reichskriegsflaggen“ ausgesprochen habe. Unterstützt wird er von der SPD und sicherlich auch von seiner eigenen Fraktion. Seit Wochen wird von  Medien, zahlreichen Politikern (bis hin zum bayerischen Ministerpräsidenten Söder!) und der Bundeszentrale für Politische Bildung die angebliche Gefährdung unserer Demokratie durch den „Rechtsextremismus“ betont. In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder die „Reichsbürger“ genannt. Jeder einigermaßen informierte und sachlich urteilende Bürger weiß, dass diese Randgruppe von völlig untergeordneter Bedeutung ist. Es wird nur viel Wind zu diesem Thema gemacht. Wichtig ist hier lediglich, dass die öffentlichen Verwaltungen konsequent gegen solche „Reichsbürger“ vorgehen, die sich weigern, Steuern oder Gebühren zu entrichten oder absichtlich Vorschriften missachten, weil sie die Rechtmäßigkeit unseres Staates verneinen.

Einem Verbot von schwarz-weiß-roten Fahnen sollte vehement widersprochen werden. Sie symbolisieren einen wichtigen Teil unserer Geschichte. Sie stehen für die Vereinigung Deutschlands, wenn auch nur im Rahmen einer kleindeutschen Lösung ohne Österreich. Aber eine größere Lösung war vor allem aufgrund des Dualismus zwischen den beiden mächtigsten Herrscherhäusern Hohenzollern und Habsburger nicht möglich. Und für eine deutsche Republik war die Zeit noch nicht reif. Der Bestseller-Autor und ehemalige ZDF-Mitarbeiter Peter Hahne betonte vor zwei Jahren auf einer Veranstaltung des Katholischen Bildungswerkes in Pfaffenweiler: Wer keine Wurzeln habe, werde Treibgut. Bei uns sei eine weitgehend bindungslose Gesellschaft entstanden, die sich der eigenen Wurzeln zuwenig bewusst sei. Infolge davon ließen sich die Bürger leichter manipulieren. Diese Aussage gilt auch in Bezug auf unsere Herkunft als Deutsche. Die Farben Schwarz-Weiß-Rot, einschließlich der kaiserlichen Marineflagge (Reichskriegsflagge), stehen für ein leistungsfähiges, starkes Deutschland auf wissenschaftlichem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiet. Sie sind untrennbar mit Otto von Bismarck verbunden, dessen Politik entscheidend zur deutschen staatlichen Einheit geführt hat.