Was steckt hinter aggressiver Rhetorik der NATO?

Albrecht Künstle / Wieder Atomwaffen in der Ukraine? Diese von einer Zeitung aufgeworfene Frage vertiefte ich in meinem Artikel zum Weltfriedenstag am 1. Januar. Um mich nicht wiederholen zu müssen, empfehle ich, sich diesen Artikel ggf. nochmals zu Gemüte zu führen. Inzwischen verschärfte die NATO ihre Strategie unter der Führung von Bidens USA. Und die Hofberichterstatter geben diese unreflektiert weiter an uns Leser und Zuschauer. Die Badische Zeitung schrieb in einem Untertitel vom 11.01.2022:

„Was steckt hinter aggressiver Rhetorik der NATO?“ weiterlesen

Wie sollen die vielen Renten bezahlt werden?

Peter Bulke/   „Renten unter Dauerstress“, so lautete der Kommentar zum Jahreswechsel im REBLANDKURIER. Der Kommentator Rudolf Kast ist Berater für Personalmanagement und auch Hochschullehrer. Er zeigt sich nicht optimistisch, dass die neue Bundesregierung zu realistischen Einsichten mit den entsprechenden Folgerungen kommen wird. Die Renten  werden eine weitere Erhöhung des Bundeszuschusses benötigen. Bereits jetzt liegt er bei ca. 100 Milliarden € pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch 42 Milliarden. Kast spricht sich für ein freiwilliges längeres Arbeiten in Verbindung mit dem Anreiz einer höheren gesetzlichen Rente aus; denn das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Berufstätigen und Rentnern wird auch deshalb ungünstiger, weil die Menschen bei uns im Durchschnitt immer älter werden. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen weist darauf hin, dass bis 2035 entweder der Rentenbeitrag für die gesetzliche Rentenversicherung von ca. 18 % auf über 23 % steigen oder das rechnerische Rentenniveau von 48 % auf unter 39 % sinken oder der Zuschuss des Staates weiter deutlich steigen müsste.

„Wie sollen die vielen Renten bezahlt werden?“ weiterlesen

Wohin steuert Deutschland?

Peter Bulke/    Der Chefredakteur der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT, Dieter Stein, veranstaltete eine Diskussion, zu der er die oben gezeigten drei Persönlichkeiten (aus JF 51/21) eingeladen hatte. Das Wichtigste des ca. 1 Std. dauernden Gesprächs auf jf.de/tv wird im folgenden Text wiedergegeben.

Beim Thema Klimaschutz erwartet Sarrazin keine großen internen Auseinandersetzungen mit der Industrie. Denn sie will sich weitgehend dem gleichen Ziel widmen und sieht das teilweise auch als Chance, weil auch international sehr daran gearbeitet wird. Patzelt hält aber wegen der hohen Kosten Verteilungskonflikte innerhalb des Regierungslagers für möglich. Es gebe auch gegensätzliche Positionen zu Nordstream II, wobei vor allem die GRÜNEN im Unterschied zur überwiegend vernünftigen SPD die bereits fertig gestellte Leitung nicht in Betrieb gehen lassen wollen. Damit wird auch eine rein auf moralische Werte basierende Politik angesprochen, die Patzelt als wirklichkeitsfremd beurteilt. Denn normalerweise – auch innerhalb der EU – verfolgen Regierungen die Interessen ihres Landes.

„Wohin steuert Deutschland?“ weiterlesen

Was Weltbürgern nicht gefällt

Peter Bulke/   Nach dem Brand in der Kathedrale Notre-Dame in Paris hatte Staatspräsident Macron den Wiederaufbau mit einer kleinen „zeitgenössischen architektonischen Geste“ (BZ, 21. 12.) verändern wollen. Doch nach zahlreichen Protesten entschied er, den Turm in der ursprünglichen Form aufbauen zu lasssen. Das Bauwerk ist – wie auch einige andere – eng mit dem Identitätsgefühl traditionsbewusster Franzosen verbunden. – Entsprechendes gilt für die Erlöser-Kathedrale in Moskau, die 1931 auf Stalins Befehl gesprengt wurde. 1990 begann eine Stiftung Geld für den Wiederaufbau zu sammeln. Und im Jahr 2000 konnte die originalgetreu aufgebaute orthodoxe Kirche eingeweiht werden.

Beim wieder aufgebauten Berliner Schloss ist zu wünschen, dass es ein wenig dazu beiträgt, das Bewusstsein für unsere historischen Wurzeln zu fördern. Dieses größte barocke Schloss nördlich der Alpen wurde ab 1699 gebaut – unter dem brandenburgischen Kurfürsten, der 1701 in Königsberg als Friedrich I zum ersten König in Preußen gekrönt wurde. Später, im 19. Jahrhundert, kam auf Initiative von Friedrich-Wilhelm IV vor allem die Kuppel hinzu. Im zweiten Weltkrieg durch Bomben stark beschädigt wurde das Schloss 1950 auf Befehl Ulbrichts gesprengt. Der Wiederaufbau kostete 700 Mill. €. Das völlig neu gestaltete Innere beherbergt das Humboldt-Forum mit weltweiten Sammlungen. Dessen Verantwortliche und andere Weltbürger, Negativpatrioten, Vergangenheitsbewältiger und sonstige politische Linkskräfte stören sich an dem Kreuz auf der Kuppelspitze und an dem Spruchband an der Kuppel, dessen Text aus dem Neuen Testment mit folgenden Worten endet: Dasin dem Namen Jesu sich sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind – aus christlicher Sicht etwas Selbstverständliches. Aber weltweit sind Christen in der Minderheit, und das Forum will ein weltoffener, demokratischer Debattenort werden. Das Spruchband soll deshalb durch eine Lichtinstallation mit anderem Text überstrahlt werden. Und auf der großen Dachterrasse sind neben der Kuppel zwei Tafeln geplant, auf denen es u. a. heißt: Alle Institutionen im Humboldt-Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Allgemeingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums. Man sollte es kaum glauben, dass der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblin sich schon 2020 im ähnlichen Sinne geäußert hat. Muslime können sich amüsieren. Die richtige Antwort kam vom katholischen Berliner Erzbischof Heiner Koch: Der der Spruchbandtext betone, dass die Menschen sich nur vor Gott verbeugen und keiner irdischen Macht diese Ehre erweisen sollen – welche Freiheit spricht aus diesen Worten! Unabhängig von dieser Aussage ist es absurd, ein aus künstlerischen und historischen Gründen wieder hergestelltes Bauwerk aus ideologischen Gründen verändern zu wollen. Auch den zahlreichen privaten Förderern, die ca. 100 Mill. € zusammengebracht haben, ging es um eine korrekte Wiederherstellung der äußeren Erscheinung des Schlosses.

Obiges Foto aus IDEA, Nr. 51/52 2021                              p.bulke@web.de

„Fremde Welten“?

Peter Bulke/    Zu der Veranstaltung zu Ehren der in Afghanistan eingesetzten Soldaten und ebenso bei der Verabschiedungsfeier für die Bundeskanzlerin Merkel und dann auch für die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer wurde  der  Große Zapfenstreich aufgeführt. Dieser war Thema des Leitartikels von Dietmar Ostermann in der Badischen Zeitung vom 15. 10. Gleich die Überschrift Fremde Welten soll herausstellen, dass militärische Rituale wie der Zapfenstreich nicht in die Gefühlswelt einer postmilitärischen Gesellschaft passen. Er wecke bei manch zivilem Betrachter – offensichtlich auch bei ihm selbst – vor allem Assoziationen zur düstersten Zeit deutscher Geschichte. . . . Fackelmärsche eignen sich in diesem Land nicht als Sympathieträger. Ostermann erwähnt auch, dass das Bundesverteidigungsministerium „enttäuscht“ sei „über unsinnige, aber erwartbare NS-Vergleiche.“  Solche wurden ja nicht nur von der Badischen Zeitung vorgebracht. Wie unsinnig solche Vergleiche tatsächlich sind, zeigt allein schon der Zeitraum von über 60 Jahren, in dem die Bundeswehr besteht, während die NS-Zeit lediglich 12 Jahre dauerte und der Zapfenstreich auch damals nicht erfunden, sondern aus Traditionsgründen übernommen worden war.

Zum Zapfenstreich: Die Bezeichnung geht auf eine Prozedur im 16. Jahrhundert zurück. Wenn Landknechte abends beim Trinken und Würfeln in Schenken oder Zelten zusammensaßen, kam zu bestimmter Zeit eine Art Militärpolizist; er schlug mit seinem Stock auf den Zapfen des Fasses und beendete damit das gesellige Zusammensein. Ihn begleiteten ein Pfeifer und ein Trommler. An die verwendeten Instrumente erinnert der Zapfenstreich gleich zu Beginn. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon I 1813/15 lernte der preußische König Friedrich-Wilhelm III im Lager der  verbündeten Russen den Brauch kennen, nach dem üblichen Abendlied ein  Gebet folgen zu lassen. Als Gebet setzte sich dann bei den Preußen bald die Melodie des russischen Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe“ durch. Sie wurde fester Bestandteil des Zapfenstreichs. – Sie war übrigens letztens in Freiburg auf der Kaiser-Joseph-Straße zu hören, wo ein sechsköpfiger Männerchor aus Minsk russische Lieder sang, um etwas Geld gespendet zu bekommen. – Dem Zapfenstreich wurde später noch das Deutschland-Lied hinzugefügt. Der Große Zapfenstreich wird natürlich auch immer durch einige Militärmärsche eingerahmt.  Wenn er zu Ehren einer zu verabschiedenden Persönlichkeit aufgeführt wird, werden zusätzlich von dieser Person gewünschte Musikstücke gespielt. Bundeskanzler Kohl zeigte sich 1998 bei seiner Verabschiedung recht traditionsbewusst. Er wünschte sich: 1) „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“  2) „Nun danket alle Gott“, gesungen 1757 nach der Schlacht bei Leuthen (bei Breslau), in der Preußen im Krieg um Schlesien über Österreich gesiegt hatte  3) Die als eine Art Europahymne verwendete  „Ode an die Freude“ (von L. van Beethoven). Bundeskanzler Schröder zeigte bei seiner Auswahl kein militärisches oder sonstiges Traditionsbewußtsein.  Die Pfarrertochter Bundeskanzlerin Merkel verdient wenigstens Lob für den Choral „Großer Gott, wir loben Dich“. – Die heute zu sehr vernachlässigte Traditionspflege ist wichtig. Sie verbindet die Generationen. Der vielfach beschworene Verfassungspatriotismus ist zu  wenig. Ihm fehlt die emotionale Bindung an das eigene Volk. –  p.bulke@web.de

Bald ein türkischer Ministerpräsident?

Peter Bulke/    Der bisherige Präsident des Deutschen Bundestages, Wolfgang Schäuble (CDU), hat vor Jahren in einem Interview gemeint, dass auch mal eine Person mit türkischen Wurzeln Bundeskanzler werden könnte (Welt Kompakt, 20.11.2008). Im „Stern“ äußerte er auch: Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe. Für uns sind Muslime in Deutschland eine Bereicherung unserer Offenheit und unserer Vielfalt. Wie aus etlichen Medien zu erfahren war, strebt ein Teil der GRÜNEN an, dass Cem Özdemir möglichst große Chancen bekommt, Nachfolger unseres Ministerpräsidenten Kretschmann zu werden. Das würde insofern „gut passen“, als das zweithöchste Amt des Landes, die Landtagspräsidentschaft, bereits von einer  Muslimin mit türkischen Wurzeln besetzt ist. Die Kurdin und Alevitin Muhterem Aras, geboren in Anatolien, erzielte bei der diesjährigen Landtagswahl im Stuttgarter Wahlkreis I das beste Ergebnis aller Direktkandidaten im Land!  Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang Danyal Bayaz, der seit Mai Finanzminister ist und neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt! Auch er wird genannt, wenn es um die Nachfolge Kretschmanns geht. Die Chancen Özdemirs auf dieses Amt werden dadurch erhöht, dass er jetzt Bundeslandwirtschaftsminister geworden ist.

Röttgen, Bewerber um den CDU-Vorsitz meinte in einem BZ-Interview: Ich bin mal gespannt darauf, wie mein alter Freund Cem Özdemir mit den Bauern klarkommt. Der neue Bundesagrarminister wird sicher den meisten ländlichen Bürgern als sehr gewöhnungsbedürftig erscheinen. Auch durch besonderes Interesse an der Landwirtschaft ist er bisher nicht aufgefallen. Sein Direktmandat für den Landtag hat er natürlich nicht in einem ländlich geprägten Wahlkreis, sondern in Stuttgart gewonnen. Özdemir ist schon seit langem bei den GRÜNEN aktiv. 1998 sagte er auf einem Parteitag in Bonn-Bad Godesberg: Der deutsche Nachwuchs heißt jetzt Mustafa, Giovanni und Ali. Deutlicher drückte er sich in der Türkei aus. Focus brachte am 14.09.1998 (unter Bezugnahme auf die Zeitung Hürriyet vom 08.09.1998)  folgenden Ausspruch Özdemirs: Was unsere Urväter vor den Toren Wiens nicht geschafft haben, werden wir mit unserem Verstand schaffen. 

Es geht hier nicht um allgemeine Kritik an Türken. Eine deutsch-türkische Freundschaft ist zu begrüßen. Sie hat auch gewisse historische Tradition. Denken wir an den 1. Weltkrieg: Britische und französische Truppen landeten 1915 auf der türkischen Halbinsel Gallipoli an den Dardanellen. Sie wurden von den Türken mit deutscher Unterstützung vertrieben. Im 2. Weltkrieg blieb die Türkei außer in den letzten Monaten neutral. – Die zunehmende Islamisierung unseres Landes ist aber ein Problem. Obige Karikatur stammt aus der Berliner Morgenpost vom 05.07.2001.

Unzufriedenheit und Anspruchsdenken werden geschürt !

Peter  Bulke/    Linke Demonstranten waren auch in diesem Herbst in Freiburg unterwegs. Und es ging dabei auch wieder einmal um die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA). Das Treffen begann am westlichen Eingang der Einrichtung an der Müllheimer Straße, wo auch die oben zu sehenden Plakate aufgestellt wurden. Auf ihnen werden die Hausordnung und andere Bestimmungen für die LEA  beanstandet. Wie sinnvoll diese aber sind, zeigte kurze Zeit später eine Meldung im Reblandkurier am 03. 11., die hier gekürzt wiedergegeben wird: Für zwei Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung … endete eine Zimmerkontrolle zum Zwecke der Sicherheit und Hygiene mit … Untersuchungshaft, denn die beiden Männer sollen mehrere Wertgegenstände gestohlen haben. Im Auftrag des Regierungspräsidiums wurden in der LEA am 30. September Zimmerkontrollen durchgeführt. Dabei konnten mehrere gestohlene Wertgegenstände wie Fahrräder, Laptops, Tablets, Handys sowie ein hochwertiges Kamerastativ sichergestellt werden. …

Für die Demonstrationen gegen die LEA werden auch immer wieder LEA-Bewohner angeworben. Auf diese Weise werden Unzufriedenheit und Anspruchsdenken der Migranten geschürt.  Das ist auch im Zusammenhang mit unrealistischen Erwartungen zu sehen, mit denen die Migranten nach Deutschland kommen. Das zeigt auch der Film „Borga“, der bis zum November im Kino Friedrichsbau lief. Dort geht es um die Migrationsgeschichte eines Ghanaers, dem es gelingt, sich bis nach Mannheim durchzuschlagen, wo bereits ein Onkel von ihm lebt. Die Badische Zeitung (BZ) hat am 30. 10. über diesen Film unter der Überschrift Mannheim kann sehr kalt sein berichtet. – Die Freiburger Stadträtin Sylvie Nantcha, die erste schwarzafrikanische Stadträtin in Deutschland, beschäftigt sich seit Jahren mit unrealistischen Erwartungen des größten Teils der aus Westafrika kommenden Migranten. Sie arbeitet am Projekt „Lost Dreams“, das auch vom Auswärtigen Amt unterstützt wird (oder wurde). In einem BZ-Interview im Jahre 2019 meinte sie: … die meisten, mit denen ich spreche, wollen ihre Heimat verlassen, weil sie von einem Leben in Europa träumen. Sie wollen in Europa arbeiten und Geld verdienen. Frau Nantcha möchte dazu beitragen, dass die Menschen in Afrika mehr darüber erfahren, wie gefährlich eine „Flucht“ ist.

Allerdings will die künftige Bundesregierung die Möglichkeiten für die „Flüchtlinge“, nach kurzer Zeit eine Arbeit aufzunehmen, dauerhaft in Deutschland zu bleiben, Familienmitglieder nachkommen zu lassen und auch eingebürgert zu werden, deutlich erleichtern. Das zeigen die Beschlüsse der künftigen Koalitionsregierung. Es wird vermutlich weniger Asylbewerber (gut für die Statistik!), aber sicher noch mehr Einwanderer geben.

 

„Der Schutzheilige der Schlepper geht von Bord“

Peter Bulke/    Die obige etwas polemische Formulierung stammt von der AfD-Politikerin Beatrix von Storch im Zusammenhang mit dem Wechsel an der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm war seit 2014 EKD-Ratsvorsitzender und trat am 10. November nicht mehr zur Wahl an. Von Storch erwähnt dessen „verheerende Bilanz: 2 Mill. Kirchenmitglieder weniger“. Natürlich ist dieser Mitgliederverlust schlimm für ein Volk mit christlichen Wurzeln. Aber: in den 7 Jahren zuvor – 2007 bis 2014 – gab es ebenfalls einen Verlust von 2 Mill. Man macht es sich zu einfach, hauptsächlich den bisherigen Ratsvorsitzenden für den Rückgang  verantwortlich zu machen, auch wenn etliche Austritte wegen einseitiger politischer Äußerungen von Kirchenvertretern bekannt sind. Eine Statistik über Austrittsgründe gibt es aber nicht.

Bedford-Strohm bot innerhalb und außerhalb der Kirche reichlich Anlass für Kritik. Er hätte bei seinen vielen Auftritten besser mehr Gewicht auf die eigentliche christliche Botschaft legen sollen, anstatt sich zu sehr auf politische Fragen zu verlegen. Denn aufgrund seiner Position wurden seine Stellungnahmen von den Medien weit verbreitet. Man sollte dabei aber berücksichtigen, dass die EKD nur ein loser Zusammenschluss von 20 weitgehend selbständigen Landeskirchen ist, die sich nicht pauschal in die linke Ecke stellen lassen. Die wichtigsten Kritikpunkte waren: Bedford-Strohm setzte sich dafür ein, dass die Kirche zusammen mit anderen Organisationen ein Schiff erwarb, um Flüchtlinge im Mittelmeer zu retten. Im Februar 2020 wurde das Schiff  „SeaWatch4“ getauft und dann eingesetzt. Ein weiterer Anlass für Kritik war, dass es seit einiger Zeit in der EKD heißt: Die schriftliche Kommunikation der EKD ist geschlechtergerecht zu gestalten. Dazu gehöre auch der Genderstern, um die Vielfalt der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen. Aus christlicher Sicht problematisch war die Haltung im Rahmen des interreligiösen Dialogs. Bedford-Strohm zeigte sich einverstanden mit dem Beschluss der Kölner Stadtverwaltung, freitags 5 min. lang einen Muezzin rufen zu lassen, wenn eine muslimische Gemeinde das wünscht. In dem islamischen Gebetsruf heißt es u. a.: Es gibt keinen Gott außer Allah. Schließlich ist Bedford-Strohms einseitige Kritik an der AfD zu beanstanden. Er lehnte es ab, mit Vertretern dieser Partei überhaupt zu sprechen, obwohl es die „Christen in der AfD“ gibt, zu denen übrigens auch Personen in Südbaden gehören.

Die Zeitschrift IDEA (Nr. 44/2021) hatte vier infrage kommende Personen für den Posten des nächsten EKD-Ratsvorsitzes vorgestellt. Bei konservativen Lesern hinterließ dabei sicherlich Annette Kurschus, Vorsitzende der evangelischen Kirche in Westfalen, den besten Eindruck. Sie gilt als nachdenklich und sucht bei Auseinandersetzungen vor allem das persönliche Gespräch. Am 10. 11. wurde sie zur Nachfolgerin von Bedford-Strohm gewählt. Der Württembergische Bischof July meint, dass er von ihr weniger Politik und mehr Geistliches erwarte.

Kirchen prägen das Bild der meisten Dörfer und vieler Städte. Obiges Foto zeigt die evangelische Kirche in Bad Krozingen.

Komische Werbung für unser Land

Peter Bulke/   Den Text auf obigem Bild haben wohl viele Bürger mit Kopfschütteln als unverständlich oder unsinnig empfunden. Das ist jedenfalls zu wünschen. Das Plakat war bis zum 7. 11. am Hbf in Freiburg zu sehen, und zwar vom Bahnsteig 1 aus, wo die ICE-Züge halten. Es zeigt eine Werbekampagne, die die Landesregierung landesweit durchgeführt hat und nach Presseberichten 21  Mill. € gekostet hat. Ministerpräsident Kretschmann, der infolge seiner sachlichen und ausgewogenen Art über die Grenzen seiner Parteianhängerschaft hinaus ein hohes Ansehen genießt, verteidigte diese Werbung gegenüber Kritikern u. a. mit dem Hinweis auf einen angeblichen humorvollen Aspekt der Kampagne und erinnerte dabei an den früheren Spruch „Wir können alles außer Hochdeutsch“.  Zweck der Werbeaktion ist es, bei Auswärtigen – Ausländern und Deutschen – Sympathien für das Land Baden-Württemberg zu wecken. Vielleicht könnten dadurch Personen mit guten beruflichen Fähigkeiten eher geneigt sein, sich in unserem Land niederzulassen. Aber: Zweifel sind angebracht, meinte dazu die Kommentatorin Bettina Schulte am 5. 11. im Kulturteil der Badischen Zeitung.

Neben den albern wirkenden Wortveränderungen im oberen Teil des Plakats wollten seine Schöpfer, dass die Werbung auch modern und fortschrittlich wirkt. Deshalb musste etwas Englisches dazu. Anglizismen sind bei intellektuellen Weltbürgern ausgesprochen beliebt. Weil solche Personen auch weitgehend die Massenmedien beherrschen, hat sich das „Denglisch“ seuchenartig verbreitet: To-do-Liste, Pop-up-Konzert, Pop-up-Radweg, Start-up-Unternehmen, Boost-Impfung usw. Und das Bundesfamilienministerium spricht in einer Broschüre vom Gender Pay Gap.

Die Werbe-Kampagne beschränkt sich nicht auf die Plakatierung. Über THELÄND.de gelangt man außer zu einem kurzen Werbefilm auch zu einem FÄNSHOP, wo FÄN-Artikel aufgeführt sind, z. B. eine Tragetasche mit der großen Aufschrift THE TÄSCH.

„Amerikanischer Druck und türkisches Interesse“

Peter Bulke/    Bei der obigen Überschrift geht es um das Anwerbeabkommen zwischen Westdeutschland und der Türkei vom 30. 10. 1961. Der dazugehörige Artikel erschien in der FAZ am 26. 10. 2011. Er gibt die wichtigen Gesichtspunkte zum Abkommen wieder und liefert die notwendigen Ergänzungen zur diesjährigen einseitigen Darstellung unseres Bundespräsidenten Steinmeier, der meinte, türkische Arbeitskräfte seien angeworben worden, weil wir sie brauchten.

Der FAZ-Text wird hier auszugsweise  zitiert: Das Anwerbeabkommen  . . .  kam von deutscher Seite aus eher widerwillig zustande. . . .  Von Ankara nämlich ging die Initiative aus, ein Abkommen zur Entsendung von Arbeitskräften zu schließen, wie es Italien und Spanien mit Deutschland bereits getan hatten. Ziel der Türkei war es, ihr Handelsbilanzdefizit gegenüber Deutschland durch die Rücküberweisungen der Gastarbeiter auszugleichen. Auch wollte die türkische Regierung Druck vom eigenen Arbeitsmarkt nehmen und den Zustrom der Landbevölkerung in die Großstädte bremsen. . . .  1961 lehnte Arbeitsminister Theodor Blank (CDU) das Ansinnen der Türkei zunächst ab. Die kulturelle  Distanz zu dem islamisch geprägten Land erschien ihm zu groß. Doch die Amerikaner sahen in der Türkei, die NATO-Mitglied geworden war, einen wichtigen strategischen Partner. . . . Auch hatte sich die türkische Republik 1959 um die Mitgliedschaft in der EWG beworben. Auf  deutscher Seite überwogen schließlich außenpolitische Erwägungen. Das Außenministerium nahm dem  widerwilligen Arbeitsminister die Verhandlungsführung ab. Blanks Bedenken wurde insofern Rechnung getragen, als ausschließlich ledige Arbeiter . . . jeweils nur für zwei Jahre kommen sollten. . . . Für die Arbeitgeber war es allerdings unwirtschaftlich, Angelernte nach zwei Jahren durch Ungelernte zu ersetzen. Die Rotation wurde 1964 abgeschafft. Auch wiesen sie (die Arbeitgeber) darauf hin, dass es für den einzelnen Arbeiter eine stabilisierende Wirkung habe, Frau und Kinder um sich zu haben. . . . Lebten bis zu dem Abkommen etwa 6.800 türkische Staatsangehörige in Deutschland, waren es zum Zeitpunkt des Anwerbestopps (1973), den die Regierung Brandt infolge der 1. Ölkrise verhängte, etwa 800.000. Das Ziel jedoch, damit die Einwanderung türkischer Staatsbürger nach Deutschland zu beenden, erreicht der Anwerbestopp nicht. . . . Alle, die nach dem Anwerbestopp einwanderten, nutzten dafür die Regelung des Familiennachzugs. . . . Das anfängliche Kalkül, dass die Gastarbeiter nur in ihren produktiven Jahren in Deutschland sein und so für ein positives Saldo in den Sozialkassen sorgen würden, ging nicht auf. Es verkehrte sich bei den Kosten für Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie für unterstützende Infrastruktur für die Kinder vermutlich in sein Gegenteil. Den betrieblichen Nutzen billiger Arbeitskräfte hatten einzelne Firmen, die Folgekosten trägt die Allgemeinheit.

Obiges Foto zeigt eine Karikatur des berühmten Zeichners Haitzinger, die am 21. 03. 2017  in der Badischen Zeitung erschien.