Das Meinungsbild im Jahr vor der Wiedervereinigung

Peter Bulke/   Die Wiedervereinigung vor 30 Jahren kam unerwartet schnell. Wie wurde in Westdeutschland im Jahr zuvor über dieses Thema diskutiert?  Die Badische Zeitung berichtete am 20. 01. 1989, dass der rechte Flügel der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag einen Beschluss herbeiführen wollte, in dem „das Anliegen der Deutschen auf Wiedervereinigung voll und uneingeschränkt“ bekräftigt wird. Deutschland solle sich das Recht vorbehalten, aus der EU auszutreten, falls diese Mitgliedschaft einer Wiedervereinigung entgegen stehe. Führender Kopf der Initiative war Jürgen Todenhöfer. Der Bundestag lehnte einen solchen Beschluss ab. Bundeskanzler Helmut Kohl wollte auf keinen Fall die Mitgliedschaft der BRD in der EU  gefährden. – Am 23. 09. 89 schrieb die BZ: „Und während Politikern wie dem SPD-Ehrenvorsitzenden Willy Brandt schon bei dem Wort Wiedervereinigung unwohl ist, weil es zu sehr an Bismarcks Kaiserreich erinnert, geht die Bewegung um den rechten Flügel der Union längst weiter.“ Brandt habe Bedenken gegen den Begriff Wiedervereinigung, weil er bei den Nachbarstaaten leicht zu Missverständnissen führe. Er begrüßte die Position Kohls. –  Am 12. 10. 89 veröffentlichte die Illustrierte BUNTE das Ergebnis einer von ihr in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage. Danach meinten 89 % der Befragten, dass sie für die Wiedervereinigung stimmen würden. Aber nur 53 % konnten sich vorstellen, dass es tatsächlich zur Wiedervereinigung kommen werde.  – Die BUNTE brachte am 09. 11. 89 einen Kommentar Todenhöfers (CDU): „Die Strategie, die Wiedervereinigung von der Einigung Europas abhängig zu machen, ist ein Versuch, in Deutschland das Urprinzip jeder Demokratie, das Selbstbestimmungsrecht, auf den St.-Nimmerleinstag zu vertagen … Kohl und Genscher müssen dieser Verfassungspflicht gerecht werden und einen konkreten Plan zur Wiedervereinigung vorlegen. Durch Aussitzen lässt sich diese Frage nicht lösen.“

Am 29. 11. 89 berichtete die gesamte Tagespresse über die 10 Punkte Kohls für einen deutsch-deutschen Weg. Kohl war auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Tags darauf sagten allein die Überschriften (BZ am 30. 11.) viel über die Reaktion westeuropäischer Staaten: „Gemischte Gefühle in Paris“ und „Bedenken und geheime Ängste bei den Briten“.  Das Ostpreußenblatt (heute: Preußische Allgemeine) lobte Bundeskanzler Kohl. Er habe das Gesetz des Handelns an sich gerissen und letzte Zweifel im In- und Ausland beseitigt.  Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Westberlin (SPD) sagte laut BZ vom 30. 12. 89: „Ein übermächtiges Großdeutschland im Herzen Europas reißt nur die alten Wunden auf.“

Überreaktion

Peter Bulke/   Unser Ministerpräsident zeichnet sich in der Regel mehr durch sachliche Beurteilungen aus. Doch am 23. 09. berichtete die Badische Zeitung, dass er sich für „ein bundesweites Verbot von Reichsfahnen und Reichskriegsflaggen“ ausgesprochen habe. Unterstützt wird er von der SPD und sicherlich auch von seiner eigenen Fraktion. Seit Wochen wird von  Medien, zahlreichen Politikern (bis hin zum bayerischen Ministerpräsidenten Söder!) und der Bundeszentrale für Politische Bildung die angebliche Gefährdung unserer Demokratie durch den „Rechtsextremismus“ betont. In diesem Zusammenhang werden auch immer wieder die „Reichsbürger“ genannt. Jeder einigermaßen informierte und sachlich urteilende Bürger weiß, dass diese Randgruppe von völlig untergeordneter Bedeutung ist. Es wird nur viel Wind zu diesem Thema gemacht. Wichtig ist hier lediglich, dass die öffentlichen Verwaltungen konsequent gegen solche „Reichsbürger“ vorgehen, die sich weigern, Steuern oder Gebühren zu entrichten oder absichtlich Vorschriften missachten, weil sie die Rechtmäßigkeit unseres Staates verneinen.

Einem Verbot von schwarz-weiß-roten Fahnen sollte vehement widersprochen werden. Sie symbolisieren einen wichtigen Teil unserer Geschichte. Sie stehen für die Vereinigung Deutschlands, wenn auch nur im Rahmen einer kleindeutschen Lösung ohne Österreich. Aber eine größere Lösung war vor allem aufgrund des Dualismus zwischen den beiden mächtigsten Herrscherhäusern Hohenzollern und Habsburger nicht möglich. Und für eine deutsche Republik war die Zeit noch nicht reif. Der Bestseller-Autor und ehemalige ZDF-Mitarbeiter Peter Hahne betonte vor zwei Jahren auf einer Veranstaltung des Katholischen Bildungswerkes in Pfaffenweiler: Wer keine Wurzeln habe, werde Treibgut. Bei uns sei eine weitgehend bindungslose Gesellschaft entstanden, die sich der eigenen Wurzeln zuwenig bewusst sei. Infolge davon ließen sich die Bürger leichter manipulieren. Diese Aussage gilt auch in Bezug auf unsere Herkunft als Deutsche. Die Farben Schwarz-Weiß-Rot, einschließlich der kaiserlichen Marineflagge (Reichskriegsflagge), stehen für ein leistungsfähiges, starkes Deutschland auf wissenschaftlichem, wirtschaftlichem und militärischem Gebiet. Sie sind untrennbar mit Otto von Bismarck verbunden, dessen Politik entscheidend zur deutschen staatlichen Einheit geführt hat.

 

Feindbild Uniformträger

Peter Bulke/   Die Aggressivität gegenüber Polizei- und andere Ordnungskräfte hat in der letzten Zeit bekanntlich deutlich zugenommen. Der 19-köpfige Vollzugsdienst in Freiburg wird deshalb mit besonderen Schlagstöcken ausgestattet, damit sich die Bediensteten notfalls verteidigen können. Eine solche Ausstattung ist eigentlich etwas Selbstverständliches und ist in etlichen anderen Städten Baden-Württembergs längst erfolgt. Die Einrichtung des städtischen Vollzugsdienstes im Jahre 2017 hat sich aus der Sicherheitspartnerschaft ergeben, die zwischen der Stadt Freiburg und dem Land Baden- Württemberg abgeschlossen wurde. Er schreitet bei Ordnungsstörungen  ein und entlastet damit die Polizei.  Obiges Foto zeigt einen Ausschnitt aus der Badischen Zeitung vom 12. 10. 2017, als der neu gegründete Vollzugsdienst der Öffentlichkeit vorgestellt worden war.

Oberbürgermeister Martin Horn weist darauf hin, dass der Vollzugsdienst mehr als ein Dutzend gefährliche Situationen bei nächtlichen Einsätzen erlebt habe. Dass es Kritik an der erweiterten Ausrüstung aus der linken Ecke gibt, überrascht natürlich trotzdem nicht. Sie wurde gemeinsam von den Jungsozialisten, der Grünen Jugend und der Stadtratgruppe Junges Freiburg erhoben. Ähnlich war die Reaktion der GRÜNEN (u.a.) Anfang 2019 im Freiburger Stadtrat. Damals ging es darum, den Vollzugsdienst, der zunächst nur 10 Personen umfasste, um mehrere Stellen zu erhöhen. Diese personelle Aufstockung konnte mit nur 24 Ja- und 21 Nein-Stimmen beschlossen werden.  Das zeigt, wie weit die linke Ideologie in die Mitte der Gesellschaft eingedrungen ist.

Typisch für Menschen aus dem linksliberalen Milieu ist das übermäßig große Verständnis für ordnungswidriges Verhalten, ob es um Lärm als Teil der Freiburger „Kultur“ geht, die es zu schützen gelte, oder z. B. um den Umgang mit Rauschgift. Wenn aber die Störungen das tolerierbare Maß zu sehr überschreiten, sollten pädagogisch geschulte Bedienstete in einem netten Gespräch um Mäßigung bitten. (Wie wirkungslos dezente Ermahnungen sind, hat in Freiburg schon vor Jahren die „Säule der Toleranz“ gezeigt.)  Abschiebungen von Ausländern sollte es überhaupt nicht geben; denn dann wären die Nachteile für den Abzuschiebenden zu schwerwiegend. (In unserem Text vom 18. 09. geht es um eine Abschiebungsdiskussion in Bötzingen.)  Auch für Behinderungsaktionen gegen AfD-Veranstaltungen sollte man Verständnis aufbringen, weil ja der „Rechtsextremismus“ die Hauptgefahr für unsere Demokratie darstelle.

Antikriegstag in Freiburg

Peter Bulke/   Zunächst ist eine erfreuliche Feststellung zu vermelden: Die evangelische Kirche in Freiburg hat sich nicht mehr am 1. September an dieser jährlichen Gedenkveranstaltung des äußersten linken politischen Spektrums beteiligt. Das ist wichtig für das Ansehen der Kirche. 2019 war sie durch den Schuldekan Christian Stahmann (wie auch schon 2018) mit einem Referenten vertreten. Seinem damaligen Redebeitrag konnten normal denkende Bürger aber durchaus zustimmen, als er die Kündigung des INF-Vertrages durch die USA und infolge davon auch durch Russland bedauerte und sich gegen die Stationierung von US-Atomwaffen ausgesprochen hatte. In diesem Jahr übermittelte Michael Moos, Stadtrat der Linken Liste, ein angebliches Grußwort der Stadt für den OB Martin Horn. Ob der diesbezügliche Hinweis wirklich ganz korrekt war, darf zumindest bezweifelt werden. Ein Stadtrat irgendeiner politischen Gruppierung hat mit der Stadtverwaltung wenig zu tun. Jedenfalls trat Herr Moos als zusätzlicher Redner zu den drei Hauptreferentinnen auf. Diese vertraten den DGB bzw. die VVN-Bund der Antifaschisten und das Freiburger Friedensforum. Moos sprach gleich von zwei von Deutschland entfesselten Weltkriegen, eine primitive Formulierung, die der komplexen Wahrheit nicht gerecht wird. – Treffpunkt war wie üblich das mit einem Blumengebinde versehene Denkmal für die Opfer der NS-Zeit am Rotteckring (Foto).

Die Badische Zeitung nannte am 2. 9. schon in der Überschrift ganz richtig einen gemeinsamen Inhalt der Redebeiträge: „Beim Gedenken zum Antikriegstag am 1. Sept. wandten sich gestern alle gegen den wachsenden Rechtsextremismus.“ Die Behandlung dieses Themas gehört zwar grundsätzlich zu den Lieblingsbeschäftigungen linker Gruppierungen, aber weil sich kürzlich vor dem Reichstagsgebäude etliche Demonstranten mit schwarz-weiß-roten Fahnen geschickt in Szene gesetzt haben, hat die immer wieder zu vernehmende unsinnige Behauptung, dass unsere Demokratie durch den Rechtsextremismus gefährdet sei, noch mehr um sich gegriffen. Wirklich schädlich für unseren Staat ist aber, dass die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der zahlreiche Lehrer angehören, die Aktion „Schulfrei für die Bundeswehr“ mitbetreibt; denn damit arbeitet sie gegen  eine staatliche Einrichtung. In Freiburg warb sie mit einem großen Transparent. Vertreten waren noch etliche weitere Gruppierungen. Natürlich wollte auch die in Freiburg sehr aktive MLPD mit dabei sein. Ihre Forderungen waren  vor allem ein Verbot „faschistischer Organisationen“ und ein „Recht auf Flucht“. Letztere Formulierung bedeutet nichts anderes als ein Recht auf Migration.

Sprachlicher Unfug und Gender-Ideologie

Peter Bulke/   Ministerpräsident Kretschmann wolle sich den Mund nicht von „Sprachpolizisten“ verbieten lassen, berichtete kürzlich die Badische Zeitung. Es falle ihm nicht leicht, bei Personengruppen immer extra auch die weibliche Form zu nennen. „Mit der Verwechslung von Genus und Sexus kann ich gar nichts anfangen, beuge mich aber zu einem gewissen Grad diesem Trend“, sagte er. Eine Verwechslung liegt tatsächlich vor: Genus ist  das Geschlecht des Hauptwortes, z. B. „die Person“; Sexus ist das Geschlecht der Person. Beides hat miteinander nichts zu tun. Natürlich wäre  es besser, Kretschmann würde diesen Trend überhaupt nicht mitmachen. Aber man muss berücksichtigen, mit welchem Fanatismus nicht nur viele seiner Parteifreunde nicht nur diesen, sondern im Schriftverkehr einen schlimmeren sprachlichen Unfug vorantreiben: Sternchen, Unterstrich u.a.  Und viele Gemeindeverwaltungen, Verbände usw. meinen, sich dem Trend anschließen zu müssen.  Die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ weist darauf hin, dass solche Schreibweisen mit den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung nicht vereinbar sind. Auch sei unklar, wie die Zeichen auszusprechen sind.

Als großen Erfolg konnten die Gender-Ideologen die Forderung des Bundesverfassungsgerichts von 2017 verbuchen, nach der im Geburtsregister neben männlich und weiblich ein dritter Eintrag möglich      sein sollte. Beim Freiburger Standesamt kann man sich deshalb seit 2019 als  „divers“ eintragen lassen. Das Gleiche ist für  Studenten der Universität Freiburg möglich. Von medizinischer Seite ist mal berichtet worden, dass durchschnittlich bei 4.000 bis 5.000 Geburten ein Fall auftritt, bei dem die Geschlechtsbestimmnung aufgrund eines Fehlers bei der Entwicklung nicht eindeutig möglich ist. Doch den linksliberalen Kräften geht es nicht um diese 0,02 % der Bevölkerung. 2016 hatte der damalige Kultusminister Andreas Schoch (SPD) die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ als besonderen Punkt in den Schulbildungsplan aufnehmen wollen. Aufgrund zahlreicher Proteste hieß es dann abgeschwächt: „Akzeptanz und Toleranz von Vielfalt“. Im Mai 2019 befürwortete der Freiburger SPD-Stadtrat Walter Krögner eine Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechterrolle bereits in Kitas!  Damit soll den Kindern die abartige Vorstellung eingeflößt werden, dass das Geschlecht nicht eindeutig durch die Natur vorgegeben sei.  – Besser ist es jedoch, Kinder vor psychischen Störungen zu schützen, anstatt Zweifel an der eigenen Identität zu schüren. Obiges Bild stammt von der Aktion  „Kinder in Gefahr“  (www.aktion-kig.org/).

Steuergelder für Demokratiefeinde

Peter Bulke/   Der Begriff „Kultur“ lässt sich sehr weit fassen. Für Monika Stein, Freiburger Stadträtin, galt z. B. im Jahre 2018 bei ihrem  Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten das Nachtleben als wichtiger Teil der Kultur. Sie erhielt als Vertreterin des stark links orientierten Bevölkerungsteils in Freiburg mit 24 % immerhin einen beachtlichen Stimmenanteil. Freiburg zählt auch zu den Städten, in denen die Distanzierung demokratischer Kräfte von Linksextremisten nicht immer so eng gesehen wird. Man denke nur an die Demonstration am 1. Mai 2019. Die SPD-Vertreter zogen von der Klarastraße zum Stühlinger Kirchplatz unmittelbar hinter der Gruppe der  MLPD mit ihrem riesigen MLPD-Transparent.

Die JUNGE FREIHEIT (J.F.) berichtet in ihrer Ausgabe vom 31. 07. 2020 über den Freiburger „Kulturtreff in Selbstverwaltung“ (KTS). Erwähnt wird, dass der KTS im Jahre 1998 mit Hilfe der Stadt das damals leerstehende Gebäude übernommen hat. Es befindet sich auf einem Gelände der Bahn an der Eisenbahnlinie nach FR-St. Georgen. –  J.F.: „Der Vertrag zwischen der Bahn, der Stadt Freiburg und dem Förderverein Subkultur wurde schließlich 2008 unbefristet erneuert. Trotz Erwähnung im Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg und  einer 2017 erfolgten Hausdurchsuchung mit Waffenfunden wird das Zentrum mit über 200.000 € jährlich von der Stadt gefördert.“ – 2017 war es um die als linksextremistisch eingestufte Internetplattform „linksunten.indymedia“ gegangen, die im KTS ihren Sitz hatte und vom KTS vehement verteidigt wurde.

Wenn man das obige Foto mit dem KTS Freiburg sieht, erübrigt sich jeder Kommentar zum Thema demokratische Gesinnung.

Meuthen bei der AfD Breisgau-Hochschwarzwald

Peter Bulke/   Die Corona-Bestimmungen machen es nicht leicht, Versammlungen durchzuführen. Der Kreisverband Breisgau-Hochschwarzwald der AfD  (Vorsitzende: Frau Böswald)  hatte trotzdem im Juli zu einer Veranstaltung im Kurhaus in Bad Krozingen eingeladen. Die persönliche, schriftliche Einladung galt als Eintrittskarte. Eine öffentliche Bekanntmachung für weitere Interessenten musste natürlich unterbleiben. Begrüßt werden konnten u. a. auch zwei Pressevertreter. Redner war der Bundessprecher der Partei, Prof. Jörg Meuthen. Er ist einer der 11 AfD-Abgeordneten im EU-Parlament. Die Europapolitik stand deshalb im Vordergrund. Innerparteiliche Streitpunkte, wie der Fall Kalbitz, waren nicht Thema des Abends. Nach dem Vortrag wurden ausführlich von Versammlungsbesuchern gestellte Fragen behandelt.

Meuthen wandte sich gegen die übliche Gleichsetzung der EU mit Europa. Kritik an der EU-Politik wird in den Medien meistens als Europafeindlichkeit gedeutet. Gemeinsamer  Markt, gemeinsame Sicherheitspolitik und gemeinsame Grenzschutzregelungen seien notwendig. Die Migration werde weiterhin das Hauptproblem bleiben, zumal Frans Timmermans stellvertretender Präsident der EU-Kommission ist. Er ist entschlossener Befürworter der Migration nach Europa. Natürlich verurteilte Meuthen die jüngst vorgeschlagene gemeinsame Schuldenhaftung innerhalb der EU. Das widerspreche ausdrücklich dem Vertrag von Mastricht. Eine gemeinsame Schuldenpolitik werde schließlich zu einer EU-Steuer führen. Die EU strebe nach einem zwischenstaatlichen Finanzausgleich in der Weise, wie er in Deutschland zwischen den Bundesländern geregelt ist. Dem stellte der Redner das antizentralistische Subsidiaritätsprinzip entgegen, wonach die Einzelstaaten ihre inneren Angelegenheiten möglichst selbst regeln. Die nationalen Parlamente dürften nicht entmachtet werden. Auch das häufig kritisierte Einstimmigkeitsprinzip in der EU sollte verteidigt werden.

Meuthen stellte sich als Vertreter einer liberalen Wirtschaftspolitik dar. Er kritisiert die in Deutschland besonders hohe Steuer- und Abgabenquote und befürwortet eine Senkung besonders für Unternehmen, aber auch bei der Einkommensteuer. Das bedeutet natürlich auch eine stärkere Eigenverantwortung des einzelnen Unternehmens und des Bürgers.

 

„Das russische Freiburg“

Peter Bulke/   „. . . ich bis zum Grab nach Dir verlange, mein Herz auf Dich, mein Deutschland, schwört.“ So schwärmte die russische Dichterin Marina Zwetajewa als junge Frau im Kriegsjahr 1914 von Deutschland. Sie kam bereits als Kind mit ihrer Mutter, die sich hier Heilung von der Tuberkulose erhoffte, nach Horben und wohnte später in Freiburg, Wallstr. 10, wo eine Gedenktafel an sie erinnert. 1941 nahm sie sich in der Sowjetunion das Leben. Sie ist wohl unter den Freiburger Bürgern am ehesten als eine russische Prominente bekannt, die in Freiburg gelebt hat, zumal 2016 das „Zwetajewa-Zentrum für russische Kultur“ in der Stadtstr. 5 eingerichtet wurde.  In diesem Jahr ist im Rombach-Verlag das Buch „Das russische Freiburg“ der Slawistin Elisabeth Cheaure` erschienen. Es ist eine großartige, ausführliche Quelle über zahlreiche prominente Russen, die zeitweise in Freiburg gelebt haben.

Zu ihnen gehört auch Maxim Gorkij. In dem Buch ist zu entnehmen, dass er in der Anfangszeit der kommunistischen Revolution ins Exil geschickt wurde, und zwar aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Lenin. Auch er litt an Tuberkulose so wie mehrere bekannte Russen, die anfangs des 20. Jahrhunderts nach Südbaden kamen und Heilung erhofften. 1923 zog Gorkij nach Günterstal und wohnte dort ab September im Haus Dorfstr. 5, das aber inzwischen vergrößert worden ist. Maxim Gorkij wird in dem Buch als bekannter Literat beschrieben, der sich für die Schwachen einsetzte und auch ein Anhänger Stalins war.  1930 hat er gegenüber Stalin im Zusammenhang mit den beginnenden Schauprozessen höchste Strafen befürwortet. In einem Buch von Walter Lange (2010) „Warum mussten wir in der Sowjetunion hungern?“ wird die Zustimmung Gorkijs zum ukrainischen Hungerholocaust erwähnt – der Vernichtung  des Bauernstandes mit Millionen von Toten.

Damit kommen wir zu einem unseligen Kapitel Freiburger Stadtgeschichte, das der Gemeinderat im Juli mit der Zustimmung zur Umbenennung der letzten zwei von 12 Straßennamen abgeschlossen hat. Die nach Maxim Gorkij benannte Straße in Rieselfeld wurde nicht beanstandet!  Die Umbenennungen zeigen: Das Verfahren wurde von einer einseitig ausgerichteten linksideologischen Sichtweise beherrscht, nicht vom Gesichtspunkt der Menschenrechte.

Worüber sich Linke erregen können

Peter Bulke/   Die Stuttgarter Krawallnacht vom 20. zum 21. Juni sorgte nachträglich noch einmal für Aufregung. „Die Wellen schlagen hoch. Es geht um den Begriff Stammbaumforschung“, hieß es in der Stuttgarter Zeitung vom 13. Juli. Für einen normal denkenden Bürger dürfte es egal sein, ob der Begriff tatsächlich vom Stuttgarter Polizeichef vor dem dortigen Gemeinderat geäußert wurde oder nicht. (Wie sich inzwischen herausgestellt hat, haben sich das nur einige Stadträte eingebildet.) Für die Polizei geht es neben der Identifizierung der Täter auch darum, durch Anfragen bei Standesämtern die „Lebens- und Familienverhältnisse der bereits bekannten Tatverdächtigen“ festzustellen. Evtl. gegebene Migrationshintergründe von Personen mit deutschem Pass sollen aufgehellt werden. Das ist „Ausdruck professioneller Polizeiarbeit“, wie Armin Schuster, südbadischer CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Bundesinnenausschusses in einem Interview der Badischen Zeitung hervorhob. Doch aufgeregt sind nicht nur linke Gruppierungen im Stuttgarter Gemeinderat, sondern auch höchste Parteispitzen wie die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken und der Bundesvorsitzende der GRÜNEN, Robert Habeck.

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Abschied vom christlichen Abendland?

Peter Bulke/   Eine Studie der Universität Freiburg ergibt, dass sich in den  nächsten 40 Jahren die Zahl der Mitglieder beider großen Kirchen in Deutschland fast halbieren wird, von 43 auf 23 Mill. Hauptgrund sind die zahlreichen Austritte. Diese lagen im Jahr 2019 bei 0,54 Mill. (ca. 1,8 %). Etwa je zur Hälfte waren die katholische und die evangelische Kirche betroffen. Auffällig ist, dass es 2019 ein Viertel mehr Austritte gab als im Jahr zuvor. Die von der Badischen Zeitung veröffentlichten Zahlen für die Stadt Freiburg zeigen etwa das gleiche Bild. Der tatsächliche Mitgliederrückgang beträgt in Deutschland aufgrund des Sterbeüberschusses sogar 0,8 Mill. In Baden-Württemberg zeigt sich allein in den letzten 10 Jahren beim Anteil der Kirchenmitglieder an der Bevölkerung ein Rückgang von 69 % im Jahr 2009 auf 60 % (in Bayern von 76 auf 65 %).  Nicht in der  Statistik  berücksichtigt sind die Freikirchen. Doch sie fallen bei den gerundeten Zahlen nicht ins Gewicht.

Es war zu erwarten, dass es infolge der in der Öffentlichkeit diskutierten Missbrauchsfälle  zu zusätzlichen Austritten aus der katholischen Kirche kommen würde. Aber auch die evangelische Kirche leidet an ähnlichen Austrittszahlen. – Mit der Badischen Landeskirche ist ein Teil der Mitglieder nicht zufrieden. Kritikpunkte sind: die Sprachregelung im Sinne der Genderideologie, die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare, die Mitfinanzierung eines Seenotrettungsschiffes. Aber diese Fehlentscheidungen haben zwar zu Austritten und teilweise zu Übertritten zu Freikirchen geführt, aber sie sind nicht entscheidend für die negative Entwicklung. Entscheidend dürfte die zunehmende Individualisierung in unserer Gesellschaft sein. Früher galt – besonders in ländlichen Gebieten – die kirchliche Zugehörigkeit als selbstverständlich. Der Dekan für den ev. Kirchenbezirk Breisgau-Hochschwarzwald, Rainer Heimburger, Sitz in Bad Krozingen (Foto!), weist in einem Kommentar im Rebland-Kurier darauf  hin, dass die Kirchen schon lange nicht mehr die einzigen Anbieter auf dem „spirituellen Markt“ seien. Dadurch ergebe sich eine Art Konkurrenzsituation zu vielen anderen Ideen und Einflüssen. Die Kirchen seien jetzt herausgefordert, mehr auf die Menschen zuzugehen. Während der Pandemie hätten etliche Gemeinden eine erfreuliche Kreativität entwickelt, um Menschen in ihren Sorgen und Nöten zu begleiten (Nachbarschaftshilfe, Musik vor Pflegeheimen, Gottesdienste im Netz). Solche und andere Aktivitäten müssten weiterentwickelt werden.