Wolfsgebiet Südschwarzwald?

Peter Bulke/    Unter Naturfreunden genießt der Wolf seit seiner Rückkehr nach Deutschland große Sympathie. Er steht für Wildnis, die bei uns so sehr fehlt. Nach Informationen der Zeitschrift  NATIONALPARK, Nr. 1/2020, sind in Deutschland ca. 100 Wolfsrudel bekannt. Sie leben schwerpunktmäßig in Brandenburg, der sächsischen Lausitz und im östlichen Niedersachsen. Nach einer 2019 bekannt gegebenen Studie besiedeln  Wölfe in Deutschland bevorzugt Truppenübungsplätze. Im Jahre 2019 sollen bundesweit etwa 2.000 Nutztiere von Wölfen gerissen worden sein . Hierfür werden Entschädigungen gezahlt.

Nachdem vor  zwei Jahren bei  Bad Wildbad (Kreis Calw) ein Wolf etliche Schafe einer Herde getötet hatte, erklärte Umweltminister Untersteller ein Gebiet mit einem Durchmesser von 60 km zum Wolfsgebiet. Hier hat der Landwirt Anspruch auf die Materialkosten für Schutzzäune und auch für spezielle Schutzhunde. Im April 2020 wurden in Münstertal zwei Ziegen durch einen Wolf getötet. Wie im Nordschwarzwald handelte es sich  um ein bekanntes männliches Einzeltier. Soll nun auch hier ein Wolfsgebiet festgelegt werden? Hierüber wird zur Zeit gestritten. Vor allem bei Landwirten stößt der Wunsch auf Widerspruch.

Ihnen sollte man – nicht nur aus landwirtschaftlicher Sicht – aus folgenden Gründen zustimmen: 1) Das typische Landschaftsbild des Südschwarzwaldes ist der Wechsel von Wald und Weide. Große zusammenhängende Waldflächen fehlen weitgehend. Das Grünland gehört zum Lebensraum etlicher wildlebender Säugetierarten. Das Problem wären die Schutzzäune: unter Strom stehender Maschendraht. Er würde vor allem Rehe, Gemsen (in Hochlagen) und Füchse (Mäusejäger) aussperren. Übliche Einzäunungen bilden keine großen Hindernisse. Viele E-Zäune mit einem oder zwei Drähten werden auch immer wieder versetzt (Umtriebsweide). Der Schutzzaun passt in Gebiete mit großen Schafherden wie in der Lüneburger Heide, wo die Herde nachts auf eine kleine eingezäunte Fläche konzentriert wird.  2) Die Mutterkuhhaltung hat sich stärker verbreitet. Dadurch sind auch Kühe mit ihren Kälbern auf den Weideflächen. (Nicht nur Schafe und Ziegen müssen geschützt werden.) 3) Nicht wenige Nebenerwerbslandwirte würden die Grünlandnutzung aufgeben. 4) Für den Schutz einheimischer Tierarten gibt es wichtigere Aufgaben als den Schutz einiger Wolfsexemplare. Das im Koalitionsvertrag 2016 vereinbarte   Biotopverbundsystem sollte vorankommen. Das würde z. B. auch der Wildkatze nützen.

Vor 75 Jahren: Befreiung?

Peter Bulke/  Die Badische Zeitung – Kommentator Frank Zimmermann – erinnert an die Kapitulation vor 75 Jahren. Eine Befreiung sei der Tag für alle, auch „für Täter und Mitläufer“ gewesen; denn es gab „für niemanden mehr etwas zu gewinnen.“  Vielleicht meinte er lediglich, dass keine direkten militärischen Kriegshandlungen mehr drohten.  Aber das Morden und Sterben war nach Kriegsschluss noch nicht vorbei!  Deshalb und aus  politischer Sicht passt es ganz und gar nicht, von einer  Befreiung unseres Volkes zu sprechen. Fast alle  Ostdeutschen und viele  Auslandsdeutsche  verloren ihre Heimat. Die Mitteldeutschen mussten nach 12 Jahren NS-Diktatur eine 45-jährige kommunistische Diktatur unter sowjetischer Oberaufsicht erleben. (Zu den Vertreibungsverbrechen siehe  Text vom 25. o3. „Flucht und  Vertreibung“.)

Während in der DDR von vornherein der 8. Mai als Tag der Befreiung galt, gab es in der BRD 1985 eine lebhafte Diskussion zum Thema „Befreiung“, ausgelöst durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker. In einer Rede vor dem Deutschen Bundestag sagte er: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Damals gab es etliche Unionspolitiker mit abweichender Beurteilung. Zu ihnen gehörte Alfred Dregger, damals Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die meisten Medien reagierten damals aber schon nicht mehr anders als heute. Als der CSU-Abgeordnete Lorenz Niegel geäußert hatte: – „Der 8. Mai war und  ist im Erleben unseres Volkes einer der traurigsten Tage, ein Tag der Demütigung…“ – nannte dies der Südkurier (Konstanz) eine „schlichte Entgleisung“. Die Rede des Bundespräsidenten wurde als „Sternstunde der Nachkriegsgeschichte“ gelobt.  10 Jahre später, 1995, meinte auch Bundeskanzler Helmut Kohl, für ihn sei das Kriegsende ein Tag der Befreiung gewesen.  Wenige Tage danach sprach auch die deutsche Bischofskonferenz von „Befreiung“.

Prof. Schlee, früherer REP-Abgeordneter im Europaparlament, zitierte 1989 in einem FAZ-Leserbrief aus „Sunday Correspondent“:  „Wir sind 1939 nicht in den Krieg eingetreten, um Deutschland vor Hitler oder die Juden vor Auschwitz oder den Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht  weniger edlen Grund in den Krieg eingetreten, dass wir eine deutsche Vorherrschaft in Europa nicht akzeptieren können.“

 

Erziehungsdefizit

Peter Bulke/   „So sauber war`s in Jahrzehnten nie“. Diesen Ausspruch des Leiters der Freiburger Abfallwirtschaft-Stadtreinigung  (ASF), Michael Broglin, konnte man am 20. 04. in der Badischen Zeitung  (BZ) lesen. Die Äußerung bezog sich auf die relative Sauberkeit der Freiburger Straßen  infolge der Corona-Bestimmungen, die zu deutlich weniger Publikum auf Straßen und Plätzen führen. Jedoch zugleich wurde etwas  Gegensätzliches  festgestellt. Es gibt deutlich häufiger große Abfallhaufen und Sperrmüllgegenstände, die illegal im Freien entsorgt wurden, offensichtlich weil sich die Täter während der Corona-Krise vor Beobachtungen sicherer als sonst fühlen können. Hier zeigt sich wieder einmal, dass ein kleiner Teil der  Mitbürger als asoziales Gesindel  zu bezeichnen ist.

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Corona-Virus: Haben die Kirchen zu leichtfertig zugestimmt?

Peter Bulke/    Auch Gottesdienste wurden zunächst bis zum 19. 04. verboten, selbst wenn der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von Person zu Person eingehalten werden könnte. Man wollte keine Sonderregelung für religiöse Gruppen schaffen. Die hätte nicht gut in unsere stark sekulär geprägte Gesellschaft gepasst, in der der christliche Glaube überwiegend nur als Privatangelegenheit angesehen wird. Es wäre aber wünschenswert, dass sich unsere verantwortlichen Politiker stärker den christlichen Wurzeln Deutschlands und Europas verpflichtet fühlten. Das hätte bedeutet, dass wenigstens für die Tage von Karfreitag bis Ostern mit den Kirchen eine besondere Lösung vereinbart worden wäre; denn es geht dabei um die zwei höchsten christlichen Feiertage. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Gottesdienstbesucher auf etliche Veranstaltungen hätten verteilen können.  Z. B. hätte die evangelische Kirche in Bad Krozingen (Foto) zusätzlich zu den Vormittagsgottesdiensten zu folgenden weiteren Veranstaltungen eingeladen: am Abend des Gründonnerstag zu einer Alternative zum Gottesdienst am Karfreitag, am Karfreitag Nachmittag  das Gedenken an die Todesstunde Jesu, am Sonntag Feier der Osternacht und um 8 Uhr Auferstehungsfeier auf dem Friedhof. Die eifrigen Gottesdienstbesucher hätten aufgefordert werden können, ihre Teilnahme auf zwei Termine zu beschränken.  Schließlich wären viele kränkliche und ängstliche Personen sowieso nicht erschienen.

Wie die protestantische Zeitschrift Idea-Spektrum berichtet, kritisierte der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Volker Münz aus Uhlingen bei Göppingen, das Verbot von Gottesdiensten. Es sei aus seelsorgerlichen Gründen nicht hinnehmbar. Gottesdienste  müssten unter Einhaltung von Sicherheitsregeln insbesondere an hohen Feiertagen sowie für  Trauerfeiern wieder zugelassen werden.  Der frühere ZDF-Mitarbeiter Peter Hahne  wirft den Kirchenleitungen vor, bereitwillig klein beigegeben zu  haben. Immerhin haben die beiden Bischöfe der badischen und der württembergischen Kirche zusammen mit DGB und Ver.di verhindern können, dass Karfreitag und Ostersonntag Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte  geöffnet werden durften, wie es die Landesregierung vorhatte.

Flucht und Vertreibung vor 75 Jahren

Peter Bulke/   Schicksalsjahr 1945 – es gibt viele damalige Ereignisse, die Anlass für eine Rückbesinnung bieten. Die Badische Zeitung begann  am 25. 03. mit einer doppelseitigen Serie.  – In Freiburg hatte noch rechtzeitig vor der Corona-Krise die Schlesische Landsmannschaft zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung eingeladen, auf der ein Mitglied über das Thema Flucht und Vertreibung berichtete. Er verfügt über einen ungewöhnlich großen Schatz an Tagebuchaufzeichnungen und anderen Niederschriften seiner Vorfahren und anderen Verwandten. Dieser Veranstaltung soll noch eine zweite eines anderen Mitglieds folgen. – Obiges Foto zeigt den Freiburger Gedenkstein an die verlorene Heimat zahlreicher Freiburger Bürger.

Hier soll es aber nicht um persönliche Erlebnisse gehen, sondern es soll das riesige Ausmaß der damaligen Vorgänge aufgezeigt werden. Die Vertreibungsgebiete umfassten neben Ostdeutschland (östlich von Oder und Neiße) auch Staaten mit deutschen Minderheiten östlich und südöstlich davon. In diesem Gesamtgebiet lebten gegen Kriegsende mindestens 18 Mill. Deutsche, einschließlich ca. 1,5 Mill. in der UdSSR. Es kam zum größten Vertreibungsverbrechen  der Geschichte. Wenigstens 2,8 Mill. Zivilisten fanden dabei den Tod; denn die Vorgänge liefen zum Teil mit äußerster Brutalität ab. Gefallene Soldaten und Opfer des Bombenkrieges sind hier unberücksichtigt.

Nur ein Teil der ostdeutschen Bevölkerung floh vor dem Einmarsch der Roten Armee. Es gab Gemeinden, für die die Räumung zu spät oder überhaupt nicht angeordnet worden war. Auch konnten Menschen aus Städten nicht immer rechtzeitig fliehen, weil die Transportmöglichkeiten, vor allem der Bahn, begrenzt waren. Auch fiel es manchem Landbewohner schwer, den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb zu verlassen. Die  zahlreichen Verbrechen der Roten Armee wurden durch die politische Hasspropaganda  in Verbindung mit Straffreiheit für Plünderungen und Vergewaltigungen  gefördert.

Etwa 800.000 Deutsche wurden als Arbeitskräfte in Arbeitslager der UdSSR verschleppt. Darunter waren 300.000 Russlanddeutsche, die während des Krieges nach Deutschland gekommen waren und nun repatriiert wurden. Wahrscheinlich sind etwa 40 % der Zwangsarbeiter umgekommen. Eine besondere Gruppe bildeten 40.000 Deutsche aus dem Banat (Rumänien). Sie wurden erst 1951 in die UdSSR deportiert.

In Ostdeutschland richteten die eingedrungenen Polen zahlreiche Sammellager ein, wo es vielfach zu sadistischen Quälereien kam. Am bekanntesten ist das Lager Lamsdorf in Oberschlesien. Hier starben 6.000 Menschen.  Es gibt Berichte, dass sowjetisches Militär gegen Brutalitäten der Polen und Tschechen eingeschritten ist.  Für den Vorgang der Vertreibung ist der polnische Befehl für die Stadt Bad Salzbrunn in Schlesien vermutlich typisch:   „1) Am 14. Juli 1945 ab 6 bis 9 Uhr wird eine Umsiedlung der deutschen Bevölkerung stattfinden.   2) Die deutsche Bevölkerung wird in das Gebiet westlich des Flusses Neiße umgesiedelt. (Hinweis: Entfernung 80 Km Luftlinie).   3) Jeder Deutsche darf höchstens 20 Kg Reisegepäck mitnehmen.   4) Kein Transport (Wagen, Ochsen, Pferde, Kühe usw.) wird erlaubt.   5) Das ganze lebendige und tote Inventar in unbeschädigtem Zustande bleibt Eigentum der Polnischen Regierung.  …   11) Alle Wohnungen in der Stadt müssen offen bleiben, die Wohnungs- und Hausschlüssel müssen nach außen gesteckt werden.“

Gefährlicher Einfluss russischer Medien?

Peter Bulke/   In der Freiburger Universität gab es vor kurzem eine Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung. Die Osteuropa-Historikerin und Politologin Susanne Spahn berichtete darüber, wie russische Medien versuchen, die Meinung der deutschen Bevölkerung zu beeinflussen. Sie erwähnte vor allem den Sender RUSSIA TODAY (RT), dessen Budget größer sei als das der Deutschen Welle. Geplant sei auch ein deutschsprachiger RT-Sender. Der RT-Ausspruch „Telling the untold“ und die angebliche Unabhängigkeit des Senders seien ein Etikettenschwindel.  RT sei eindeutig durch den Staat beeinflusst. Er diene weniger der Information als der Beeinflussung.

Auch in den sozialen Netzwerken werde in diesem Sinne gearbeitet. Meldungen werden selektiv ausgewählt. Sie richteten sich gegen die westlichen Mainstream-Medien. Zur Bundestagswahl 2017 war Bundeskanzlerin Merkel Zielscheibe der Kritik wegen des Wirtschaftsboykotts gegen Russland. Deutschland wurde als Marionette der USA bezeichnet. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass von den deutschen Parteien Die Linke am häufigsten positiv dargestellt wird; denn von dort sind am häufigsten Kritik an der NATO  und der amerikanischen Militärpräsenz  in Europa zu vernehmen. An zweiter Stelle sei die AfD zu erwähnen. RT habe z. B. ausführlich über einen Russland-Kongress der AfD am 15. 07. 2017 berichtet, auf dem die Sanktionen  abgelehnt wurden.  Zur Bundestagswahl 2018 habe es ein ausführliches Interview mit dem AfD-Politiker Meuthen gegeben.  Jürgen Elsässer mit seiner Zeitschrift COMPACT („Patriot Putin“) sei ein besonders guter Verbündeter Russlands.

In der anschließenden Diskussion bemängelte die Slawistin Frau Prof. Cheaure`die einseitig russlandfeindliche Darstellung des Vortrags. Sie ist Leiterin des Freiburger Zwetajewa-Zentrums, das sich der Pflege der deutsch-russischen Kulturbeziehungen widmet.  – Wie sollten wir die Einflussversuche russischer Medien beurteilen? Wenn wir das wichtige Thema Migration betrachten, müssten wir durchaus einen größeren Einfluss wünschen. Denn unsere westlichen Medien vermitteln fast den Eindruck, als sei die Migration ein Menschenrecht. Probleme in diesem Zusammenhang werden bagatellisiert. Wichtig ist vor allem auch das Ziel wirklich europäisch denkender Deutscher, zu einem guten deutsch-russischen Verhältnis zu kommen. Auch in diesem Sinne können sich russische Medien nur positiv auswirken.  Vielfach entsteht der Eindruck, das viele westliche Kräfte am liebsten den alten Ost-West-Konflikt wieder aufleben lassen  möchten. Dabei dient die Besetzung der Krim als willkommenes Argument, anstatt dieses Thema sachlich zu beurteilen.

Straßennamen: intoleranter Zeitgeist

Peter Bulke/    Anfang März hat der Freiburger Gemeinderat mit seiner linken Mehrheit drei weitere (von insgesamt 12) Änderungen von Straßennamen beschlossen. Am ehesten Verständnis kann man für die Umbenennung des Ludwig-Aschoff-Platzes in Heinrich-Rosenberg-Platz aufbringen. Auch CDU und Freie Wähler waren damit einverstanden. Der neue Name erinnert an einen früheren Schüler des an diesem Platz gelegenen Friedrich-Gymnasiums. Er musste im Rahmen der Judenverfolgung mit 18 Jahren  sterben.

Ein Blick zurück: Der Historiker Prof. Ernst Martin war Leiter der von der Stadt Freiburg berufenen Kommission, die alle personenbezogenen  Straßennamen der Stadt im Verlauf von drei Jahren überprüft hat. Natürlich ging es dabei um nationalistische, militaristische oder antisemitische Einstellungen. Im November 2016 konnte man in der Zeitung „Der Sonntag“ folgende Äußerung des Historikers lesen: „Von der wuchtigen Welle, die uns ins Gesicht schlug, waren wir schon überrascht.“ Das bezog sich auf Reaktionen von Bürgern und Umfrageergebnisse zur  geplanten Änderung von 12 Straßennamen. Die klare Mehrheit der Befragten hatte sich nämlich gegen die Änderungen ausgesprochen. Das Problem eines solchen Überprüfungsverfahrens ist, dass die zu bewertenden Persönlichkeiten unter völlig anderen historischen Bedingungen im Vergleich zu heute gelebt haben. Mit dem Auswechseln von Straßennamen wird auch ein Teil der städtischen Geschichte entsorgt; denn mit etlichen Straßennamen werden Freiburger Wissenschaftler geehrt. Schließlich ist zu bedenken, dass es – wie der evangelische Stadtdekan Engelhardt bemerkt hat – keine moralisch  perfekten Menschen gibt.  Doch die  Freiburger Stadtführung ist dem intoleranten Zeitgeist verfallen.

Die bekannteste Persönlichkeit, deren Name auf Straßenschildern verschwinden soll, ist Paul von Hindenburg. Seine tiefe Liebe zu Deutschland und sein Pflichtbewusstsein machen ihn gerade in der heutigen Zeit zu einem Vorbild. Zu erwähnen ist der Sieg unter seiner Führung in der Schlacht bei Tannenberg in Ostpreußen  1914.  Von Hindenburg ist das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das jemals direkt von der Bevölkerung gewählt wurde, und zwar zweimal: 1925 und 1932. In der turbulenten Zeit anfangs der 30-er Jahre sah er schließlich keinen Ausweg  mehr, als den Führer der größten Partei im Rahmen einer Koalitionsregierung  (mit lediglich zwei NSDAP-Ministern) das Reichskanzleramt zu übertragen.  – Die Hysterie der Vergangenheitsbewältigung hat auch eine andere südbadische Stadt erfasst:  Konstanz. Die Ehrenbürgerwürde von drei Persönlichkeiten, darunter die von Paul von Hindenburg, wurde aberkannt. Nach ihnen benannte Straßen sollen neue Namen bekommen.

Tiefer Ernst – keine Fastnachtssatire!

Peter Bulke//   Am 18. 02. meldete die Badische Zeitung unter Berufung auf den Südkurier, Konstanz: „Konstanzer Narren haben bei ihrem Besuch der baden-württembergischen Landesvertretung in Berlin Fasnachtslieder gesungen, die ihnen nun politischen Ärger einbringen. … Das Problem ist  der Komponist Willi Hermann (1907 bis 1977). Er hatte die Lieder zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg verfasst, doch im Dritten Reich war er hauptamtlicher Mitarbeiter der NSDAP. Rainer Hespeler, Präsident der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee, will nun den 121 Mitgliedszünften vorschlagen, künftig keine Lieder von Willi Hermann mehr zu singen.“

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Mangelhafte Pflege der deutschen Sprache

Peter Bulke/   Bereits vor einigen Jahrzehnten sagte mir einmal ein Student der damaligen Hochschule für Erziehung in Gießen, Rechtschreibung sei nicht wichtig; wichtig sei nur, dass man sich in der modernen Industriegesellschaft verständigen kann. Diese Einstellung gegenüber unserer Sprache scheint sich in Deutschland zwischenzeitlich stark verbreitet zu haben. Die Folgen sind dramatisch: In einem Leserbrief in der Badischen Zeitung vom 01. Februar 2020 heißt es: „Die Studenten der Hochschule für Verwaltung in Kehl schreiben ihre Klausuren handschriftlich. Die Rechtschreibung liegt dabei zu meinem Ärger arg im argen.“

Anlass zu diesem Leserbrief war eine Äußerung unseres Ministerpräsidenten Kretschmann. Am 25. 01. wurde er in der BZ zitiert: „…die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben.“ Er wies dabei auf automatische Hinweise auf Rechtschreibefehler hin. Im gleichen Zeitungsartikel wurde berichtet, dass der Verband  der Grundschullehrer diese Ansicht teile. Widerspruch kam aber von der Vorsitzenden des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing. Die Schule sei „zu lasch“ im Umgang mit der Rechtschreibung.

Dass die Rechtschreibefähigkeit in den vergangenen Jahrzehnten schlechter geworden ist, wird jeder bestätigen, der einen gewissen Einblick hat. Das wurde auch 2017 durch eine Studie an Schülern festgestellt. Das schlechte Ergebnis ließ sich nicht allein mit dem gestiegenen Anteil an Migrantenkindern entschuldigen. Im Oktober 2017 sprach laut BZ die Rektorin der Grundschule in Pfaffenweiler von einer enormen Heterogenität auch unter den deutschen Schülern und ergänzte: „In den Familien wird nicht mehr so viel gelesen.“ Lesen und Rechtschreibung stehen bekanntlich in sehr engem Zusammenhang. Kultusministerin Susanne Eisenmann  zog 2017 eine richtige Konsequenz. Sie sprach damals darüber auch im Gymnasium Staufen und begründete dort ihren Plan, den Fremdsprachenunterricht (in der Rheinschiene Französisch) im 1. und 2. Grundschuljahr wieder abzuschaffen. Er war im Schuljahr 2003/04 eingeführt worden. Bei zahlreichen Lehrern unserer Region und aus der Pädagogischen Hochschule Freiburg erntete Frau Eisenmann Widerspruch. Ihr Vorhaben wurde als Rückschritt bezeichnet. Kritik kam auch von zahlreichen Globalisierungsfreunden unter den Politikern und einigen Bürgermeistern aus Gemeinden nahe der Grenze zu Frankreich. Für Frau Eisenmann war es aber wichtig, dass etwas mehr Zeit für Lesen, Schreiben und Rechnen gewonnen wurde.  Erfreulich ist es auch, dass das gelegentlich praktizierte „Schreiben nach Gehör“ nicht mehr angewendet werden sollte.

Nach einer neuen Umfrage des INSA-Instituts in Erfurt sind 61 % der Deutschen der Ansicht, dass die deutsche Sprache  zunehmend verkomme. Ein Bewunderer der deutschen Sprache, der russische Regisseur Alexander Sokorov (Faust-Inszenierung in Berlin 2011) sagte am 12. 01. 2012 bei einem Interview mit 3sat: „Ich habe das Gefühl, dass die Deutschen sich davor fürchten, über ihre nationale Kultur zu reden. … Was ist das für  einVolk, dass seiner eigenen Kultur den Rücken kehrt?“

Kein Schloss für die Bürger!

Peter Bulke/    In der kleinen Stadt Heitersheim befindet sich das prächtige Malteserschloss. Über seine künftige Verwendung war ein innerörtlicher Streit entbrannt, der am 2. Februar 2020 in einer Volksabstimmung entschieden wurde. Eigentümer des Schlosses ist der Orden der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul in Freiburg. Dieser will das Schloss an Privatinvestoren einschließlich chinesischer Partner verkaufen. Die Investoren wollen dort eine internationale, englischsprachige Schule einrichten. Der 2018 neu gewählte Gemeinderat der Stadt hatte sich mit knapper Mehrheit gegen den Plan ausgesprochen und  eine Volksabstimmung beschlossen.

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