Asoziale Nachtschwärmer

Peter Bulke/   Schon im Jahre 2012 hatte der TÜV-Süd im Auftrag der Stadt ermittelt, dass der nächtliche Lärmpegel in der Innenstadt den vorgeschriebenen Grenzwert weit übersteigt. Doch das damalige TÜV-Gutachten galt vor  Gericht als nicht ausreichend. Das in den letzten Tagen vorgestellte Gutachten der Landesanstalt für Umweltschutz (LABW) mit Messergebnissen vom Sommerhalbjahr 2017 bestätigt die damalige Feststellung. Trotz zahlreicher Beschwerden hat sich an den für die Altstadtbewohner unzumutbaren Zuständen seit Jahren nichts geändert. OB Salomon meinte einmal, dass sich das Lärmproblem sowieso nicht lösen ließe. Immerhin hatte er vor rund 10 Jahren ein Draußen-Alkohol-Trinkverbot durchgesetzt. Doch dieses wurde aufgrund einer Klage  2009 vom Verwaltungsgerichtshof  leider gekippt. Das Verbot für ein größeres Gebiet sei zu pauschal.  Die rechtliche Situation ist dadurch komplizierter geworden. Wird der neue OB Martin Horn sich dieses Problems intensiver annehmen? Immerhin müsste für ihn – ein bekennender Christ und Familienvater – die gegenseitige Rücksichtnahme der Bürger untereinander einen besonders hohen Stellenwert haben. Allerdings kann die Stärke linksorientierter Gruppierungen im Freiburger Stadtrat ein Hindernis für Verbesserungen sein. Bei allen entsprechenden Diskussionen in der Vergangenheit zeigten Vertreter linker Fraktionen immer ein übergroßes Verständnis für Nachtschwärmer. Für die OB-Kandidatin Monika Stein war das Nachtleben sogar ein wichtiger Programmpunkt ihres Wahlkampfes!  Bei den Linken war nur immer wieder von Toleranz und notwendigen Freiräumen die Rede. Dazu passt die völlig wirkungslose „Säule der Toleranz“, die seit Jahren auf dem Augustinerplatz steht und eigentlich zur Lärmminderung beitragen sollte (obiges Foto). Eine Verbesserung der Situation wird ohne eine Art Kommunalen Odnungsdienstes mit polizeiähnlichen Funktionen nicht zu erreichen sein. Der 2017 eingerichtete Gemeindevollzugsdienst hat hauptsächlich andere Aufgaben und reicht dafür nicht aus

Das Ruhebedürfnis und damit die Gesundheit insbesondere der arbeitenden Bevölkerung und der Kinder sollte  Vorrang haben gegenüber der Befriedigung einer überzogenen Vergnügungssucht.    .

Wilde Hassgesänge

Peter Bulke/   Die obige Überschrift „Wilde Hassgesänge“ würde als Name des Films „Wildes Herz“ besser passen. Der Film lief im April im Freiburger Kino Harmonie. „Klare Kante gegen Rechts“, so betitelte Alexandra Seitz ihren Artikel im Kulturteil der Badischen Zeitung, als sie über den Film berichtete. Lobend hieß es schließlich: „Wildes Herz“ ist ein Dokument konkreter Antifa-Arbeit und hat den Charakter eines angesichts der politischen Großwetterlage so notwendigen wie dringlichen Appells.“ Es geht um eine vor ca. 10 Jahren von 5 Schülern in Mecklenburg-Vorpommern .gegründete Punk-Band „Feine Sahne Fischfilet“, die ihre Aufgabe im Kampf gegen „Rechts“ sieht und bald einen hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland erreichte. Ihre Hassgesänge betrafen nicht nur sog. Rechte, sondern auch die Polizei  und Deutschland insgesamt („Deutschland ist Dreck“). Die Band ist in mehreren Verfassungsschutzberichten des Landes Mecklenburg-Vorpommern zum Thema Linksextremismus erwähnt und als gewaltbefürwortend eingestuft. Wie die „JUNGE FREIHEIT“ vom 13. April berichtete, reagierte die Band auf diese Berichte, indem sie die Verfassungsschutzmitarbeiter als „Naziunterstützerbande“ bezeichnete. Die Zeitung zeigte auch auf, wie sehr die Band von Politik und wohlwollenden Medien „verhätschelt“ und deshalb deutschlandweit bekannt wurde. Sogar Preise hat sie erhalten, z.B. den ver.di-Preis. Und was meinte der damalige Bundesjustizminister Heiko Maas zu der Band?  Zu einem Auftritt in Anklam 2016 twitterte er: „Tolles Zeichen gegen Fremdenhass und Rassismus. Danke.“

Neue Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Freiburg

Peter Bulke/   Ab 2019 soll es in Baden-Württemberg nur noch je eine LEA je Regierungsbezirk geben: Freiburg, Karlsruhe (zusammen mit dem ehemaligen Patrick-Henry-Village in Heidelberg), Sigmaringen und Ellwangen. In Freiburg werden dafür die bisherigen Polizeiausbildungsgebäude an der Lörracher Straße zur Verfügung stehen. Im April wurde das erste von vier Gebäuden, das für LEA-Zwecke saniert wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt (siehe obiges Foto). Es enthält 42 Zimmer (mit je etwas über 20 qm) für jeweils drei Personen. Die Art der Unterbringung wird sich damit erheblich verbessern. Die Zelthallen sollen abgebaut werden. Später werden auch Kantine, Aufenthaltsraum und andere Gemeinschaftseinrichtungen zur Verfügung stehen. Natürlich wird auch an die besondere Unterbrigung von Familien gedacht. Zur LEA Freiburg wird vorerst auch noch die Unterbringungseinrichtung in den ehemaligen französischen Kasernen in Donaueschingen gehören. Ab diesem Monat Mai wird das frisch sanierte Gebäude in Freiburg bezogen, hauptsächlich von männlichen Schwarzafrikanern. Eine Außenstelle des BAMF befindet sich in Freiburg im Gewerbegebiet Haid in der Bötzinger Straße. Hier erfolgen Registrierung, Asylantragstellung und Anhörung für den gesamten Regierungsbezirk. Die Aufentshaltsdauer in der LEA ist im Normalfall auf 6 Monate begrenzt. Für gewisse Fälle gibt es aber Ausnahmeregelungen.

Für die Anschlussunterbringung sind die Kreise als untere Aufnahmebehörden zuständig. Die entstehenden Kosten muss das Land erstatten. Das Verfahren läuft aber nicht immer zur Zufriedenheit der Kreise ab. Mindestens erhalten sie aber eine Pauschale von 13.260 € je Ankömmling. Der Kreis Breisgau-Hochschwarzwald hat insgesamt 2.000 Aufnahmeplätze, die auf Gemarkungen etlicher Gemeinden verteilt sind. Diese 2.000 Plätze sollen aus Kostengründen auf 1.000 verringert werden; denn sie sind aufgrund des großen Anstrums 2015 errichtet worden. Die Aufenthaltsdauer soll hier in der Regel nach 24 Monaten bzw. bis zum Ende des Asylverfahrens enden.

Anschließend werden die Betroffenen an die Gemeinden weitergeleitet. Für diese ist die Unterbringung meistens ein echtes Problem. Sie bekommen zwar von den Kreisen einen Pauschalbetrag; aber genügend private Vermieter zu finden, ist nicht einfach. Deshalb sind etliche Gemeinden gezwungen, Wohnungen zu bauen. In besonderen Fällen können die Betroffenen in den Kreisunterkünften verbleiben. Die Kosten dafür müssen dann die Gemeinden übernehmen. Eine praktische Lösung hat die Stadt Emmendingen mit dem Kreis vereinbart, indem sie nicht mehr benötigte Gebäude des Kreises für zwei Jahre gemietet hat.

Fälschungen bei der Bundestagswahl 2017?

Peter Bulke/  Im Computerzeitalter lassen sich aus riesigen Datenmengen Erkenntnisse gewinnen, zu denen man früher niemals vorgedrungen wäre, weil der Arbeitsaufwand das nicht zugelassen hätte. Obwohl es am 28. 04. in der Badischen Zeitung zu lesen war, ist ein dort mitgeteilter Zusammenhang so bemerkenswert, dass darauf hier noch einmal eingegangen werden soll. Aus den Ergebnissen der Bundestagswahl 2017 konnte im Unterschied zu 2013 folgendes festgestellt werden: In etlichen Wahlbezirken Westdeutschlands  – nicht im Gebiet der ehemaligen DDR – gibt es eine statistisch gesicherte positive Korrelation zwischen dem Stimmenanteil für die AfD und dem Anteil ungültiger Stimmen. Dies teilte der Politologe Prof. Uwe Wagschal von der Universität Freiburg in einem BZ-Interview mit. Der erwähnte statistische Zusammenhang „kommt gehäuft in spezifischen Milieus vor. Diese sind vorwiegend städtisch, universitär und mit einem hohen Dienstleistungsanteil. Zudem gibt es einen hohen Akademikeranteil in diesen eher linksliberal-grünen Milieus“, so Prof. Wagschal. Betroffen sind auch Wahlbezirke in Freiburg und Emmendingen.

Sicherlich gibt es dafür nicht nur eine Erklärung; aber jede dürfte das oben angegebene Ergebnis beeinflusst haben. Es kann sein, dass es bei einem überdurchschnittlichen Anteil an AfD-Stimmen auch überdurchschnittlich viele politisch Unzufriedene gibt, die überhaupt keine Partei wählen wollen, aber bewusst einen ungültigen Stimmzettel – z.B., mit einem Kommentar versehen – abgeben. Bedenklich ist es natürlich, dass es  vermutlich bei  der Auszählung nicht immer ganz korrekt zugegangen ist, indem Wahlzettel nachträglich ungültig gemacht worden sind. Hier zeigt sich, dass es durchaus sinnvoll ist, dass nicht direkt beteiligte Personen bei der Auszählung in den Wahllokalen anwesend sind, um die Arbeit dort möglichst gut zu beobachten. Prof. Wagschal erwähnte auch, dass in zahlreichen Wahlbezirken die Erststimme seltener ungültig war als die Zweitstimme. Im Falle einer Fälschung war es natürlich im Sinne des Fälschers zweckdienlich, sich an die Zweitstimme zu machen, weil die Erststimme für mittlere und kleine Parteien keinen Einfluss auf den Umfang der parlamentarischen Vertretung hat.   ,

Lob der Vielfalt

Peter Bulke/   Anlass für den folgenden Text ist ein Leserbrief in der Badischen Zeitung vom 9. 4. (von H.J. Gorny, Ettenheim) unter der Überschrift „Mit so einer Partei kann man keinen Staat machen“. Es geht dabei um die AfD und einen Ausspruch Gaulands: „Es gibt keine Pflicht zur Vielfalt und Buntheit“. Gorny meint dann u. a.: “ Erst die Vielfalt macht die Erde lebenswert und interessant. Durch die natürliche Kraft der Vielfalt besiedelten Pflanzen, Tiere und Menschen die unwirtlichsten Gegenden. Diese Kraft ermöglicht, dass unzählige Lebensformen nebeneinander existieren.“   Nach diesem richtigen Hinweis müsste Herr Gorny eigentlich die Vorstellung unterstützen, dass der Reichtum der Menschheit in den zahlreichen unterschiedlichen Kulturen und Völkern besteht, der möglichst  bewahrt werden sollte. Diese Vielfalt ist bekanntlich bedroht. Durch den ständigen Zustrom von Nichteuropäern vor allem aus Afrika und dem Orient  gilt das   zumindest für die europäischen Völker und für Europa als Ganzes. Gegen diese zunehmende Überfremdung hat sich Gauland mit seiner oben zitierten Aussage gewendet.

Vielleicht fühlt sich der Leserbriefschreiber durch eine Äußerung des damaligen Bundesfinanzministers Schäuble aus dem Jahr 2016 bestätigt: „Die Abschottung ist doch das, was uns kaputt machen würde, was uns in Inzucht degenerieren ließe.“  Man kann es kaum glauben, dass es möglich ist, dass ein angesehener Politiker mit solchem unsinnigen „Argument“ die Einwanderungspolitik verteidigt.

„Homo-Ehe“: Was würde Luther dazu sagen?

Peter Bulke/   Luther stünde vermutlich eher auf der Seite der württembergischen als auf der Seite der badischen ev. Landeskirche; denn einer seiner Grundsätze war: „Allein die Schrift“ (= Bibel). Allerdings sollen etwa 200 württembergische Pfarrer zumindest mit dem Gedanken sympathisieren, eine wichtige Entscheidung ihrer Landeskirche zu missachten.

Zur Erinnerung: 2016 beschloss die Synode der badischen Kirche, dass gleichgeschlechtliche Paare kirchlich getraut werden können. Lehnt der zuständige Pfarrer eine solche Trauung ab, muss der Dekan einen anderen Seelsorger mit dem entsprechenden Gottesdienst beauftragen. Die damalige Synoden-Abstimmung ergab 53 Ja- und nur 12 Neinstimmen bei einer Enthaltung. Gegen Ende 2017 hat sich auch die württembergische Kirchen-Synode mit diesem Thema beschäftigt. Allerdings hat dort die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare  zur Zeit keine Chance auf eine mehrheitliche Zustimmung. Deshalb ging es um einen Kompromiss: Darf eine solche Partnerschaft in einem öffentlichen Gottesdienst wenigstens gesegnet werden, wenn der zuständige Pfarrer und mit Dreiviertelmehrheit auch der Kirchengemeinderat zustimmen?  Für einen entsprechenden Beschluss war in der Synode eine Zweidrittelmehrheit notwendig.  Diese wurde nicht ganz erreicht. Das gefällt den oben erwähnten etwa 200 Ortspfarrern überhaupt nicht.

Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass öffentliche Segnungen ein großer Schritt zur Einführung der kirchlichen Trauung gleichgeschlechtlicher Paare sein können. Vermutlich wäre Luther deshalb heute auch mit der württembergischen Kirche nicht ganz zufrieden, auch deshalb nicht, weil die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold 2017 die Schirmherrschaft für den dortigen Christopher-Street-Day übernommen hatte.

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Die üblichen primitiven Vergleiche der „Antifaschisten“

Peter Bulke/   Man fühlt sich an die Propaganda in der ehemaligen DDR zurückversetzt, wenn man sieht und hört, was SPD-Politiker manchmal von sich geben. Gegen Ende März fand am Synagogenplatz in Ihringen eine Veranstaltung zum 75-jährigen Gedenken an eine Reichstagsrede des Sozialdemokraten Otto Wels statt, in der er 1933 vor dem Ermächtigungsgesetz gewarnt hatte. Die SPD-Landtagskandidatin von 2016 und SPD-Kreisvorsitzende, Birgit Könnecke, konnte es nicht lassen, angebliche Parallelen der AfD zum Nationalsozialismus zu ziehen: „Man muss den rollenden Schneeball (jetzt) bekämpfen; die Lawine hält keiner mehr auf.“ Die Landtagsabgeordnete Sabine Wölfle aus dem Kreis Emmendingen forderte ebenfalls, heute „Populismus“ und „Rechtsextremismus“  zu bekämpfen, um den Flächenbrand aufzuhalten, der Europa zu überrollen drohe. Es wurden auch Zitate früherer Nationalsozialisten und von AfD-Leuten vorgelesen, um zu zeigen, wie schwer sie voneinander zu unterscheiden sind. Es lohnt sich nicht, im Einzelnen darauf einzugehen. Denn eine solche Vergleichsmethode ist wertlos, weil Zitate immer aus dem größeren Zusammenhang gerissen werden und sich die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen inzwischen total verändert haben. Bei entsprechender Suche lassen sich gewiss auch Zitate von heutigen Sozialdemokraten finden, die denen früherer Nationalsozialisten ähneln, besonders auf dem Gebiet der Sozialpolitik.

Natürlich ist für jeden politisch interessierten Bürger diese wenig sachliche Art der Argumentation in der politischen Auseinandersetzung nichts Neues. Erinnert sei aber in diesem Zusammenhang an einen Vorgang im Stuttgarter Landtag vor ungefähr 20 Jahren. Als dort versucht wurde, eine angebliche Nähe der Ideen der REPUBLIKANER zum Nationalsozialismus aufzuzeigen, betrachtete ein REP-Abgeordneter diesen Unsinn von der humorvollen Seite. Er sagte damals ungefähr (nicht wörtlich): „Und wenn Hitler noch so gerne Schokolade gegessen haben sollte, so esse ich sie trotzdem!“: Anschließend verteilte ein Landtagsangestellter Schokolade an Abgeordnete.    ,

Schnapsideen kamen nicht zum Zuge

Peter Bulke/  Der Name „Europaplatz“ wandert in Freiburg von einer Stelle zur anderen. Nun soll nach knappem Mehrheitsbeschluss im Stadtparlament  der Platz am Siegesdenkmal so heißen. Einen besseren Vorschlag hatte Stadtrat Wolf-Dieter Winkler (Freiburg Lebenswert) vorgebracht: „Platz am Siegesdenkmal“. (Siehe auch unseren Text vom 4. 2.).

Seien wir froh, dass für das Denkmal selbst im vergangenen Herbst eine relativ gute Entscheidung getroffen wurde. Es steht vor der ehemaligen Karlskaserne an fast gleicher Stelle wie in der Zeit von 1876 bis 1961. Stadtrat Winkler hätte lieber eine noch bessere Anlehnung an das frühere Erscheinungsbild gesehen: das Denkmal hätte noch etwas erhöht und von einem begrünten Ring mit Zaun umrahmt werden sollen. Aber soviel historisches Verständnis war bei der Mehrheit im Stadtrat nicht zu erwarten. Es gab und gibt zahlreiche grundsätzliche Vorbehalte gegen das Denkmal.  Die SPD-Sprecherin Turka Karakurt äußerte 2017 „ein ungeheures Unwohlsein mit dem Thema“. Die Badische Zeitung – Frank Zimmermann – kommentierte im September 2017, es sei die Chance vertan worden, mit der Neugestaltung des Platzes  …  zu einem neuen, kritisch-zeitgemäßen Umgang mit deutscher Militärgeschichte zu kommen“.

Was hätte das für Folgen haben können? Die Kunstkommission wünschte, die Viktoria-Figur zu drehen, um den Betrachter zu irritieren. Die Kommissionsvorsitzende Angeli Jahnsen meinte: „Das würde genügen, um zu zeigen, dass bei der Neuaufstellung nachgedacht wurde“. Nach JPG-Stadtrat Sergio Schmidt sollte es dazu eine Erläuterungstafel geben mit dem Text: „Der Freiburger Gemeinderat entschied sich dazu, dem Siegesdenkmal seine Wirkung … zu nehmen, denn in dieser Stadt gibt es keinen Raum für mörderischen Nationalstolz“. Ein anderer Vorschlag der Kunstkommission war, mit Hilfe einer Audio-Installation die einzelnen Soldatenfiguren Antikriegstexte sprechen zu lassen. Oder es sollte eine der vier Bronzetafeln entfernt und durch eine „korrigierte Fassung“ ersetzt werden: „Den kommenden Geschlechtern nicht zum Beispiel“. Das Freiburger Friedensforum forderte ein Antikriegsdenkmal. Im Vergleich dazu ist die vom Freiburger Stadtrat beschlossene Ergänzungstafel harmlos.

Verlust des Heimatgefühls

Peter Bulke/  Der Rote Otto auf obigem Foto weist auf Landwasser hin. Über diesen Freiburger Stadtteil wird seit einigen Wochen diskutiert, ausgelöst durch Brandstiftungen in der Wirthstraße und in der Albert-Schweitzer-Schule. Die Badische Zeitung lud zu einer Podiumsdiskussion „BZ-Hautnah“ ein. Aus den Stellungnahmen war zu entnehmen, dass die Bürger in Landwasser ihren Stadtteil liebgewonnen und dort lange Zeit gerne gewohnt haben. Aber inzwischen hat sich ein Gefühl der Unsicherheit und des Unwohlseins bis zur Resignation verbreitet. Man glaubt an eine höhere Kriminalität, obwohl die Vertreter der Polizei darstellen konnten, dass die Kriminalitätsrate in Landwasser geringer ist als im Freiburger Durchschnitt. Die aber vermehrt zu beobachtenden Erscheinungen von Verwahrlosung bilden in der Regel allerdings keine Kriminalitätsfälle. Beklagt werden nächtlicher Lärm und der schlimme Anblick, den der vermüllte Schulhof am Samstagmorgen bietet. OB Salomon versprach, das Thema Streetworker prüfen zu lassen. Die in Landwasser wohnende Stadträtin Gerlinde Schrempp (Liste Freiburg-Lebenswert) sagte, dass das Zentrum nachts ein schwieriger Ort geworden sei, und beim Gang durch die Wirthstraße entstehe ein Gefühl der Unsicherheit. Vom „Haus der Begegnung“ wird allerdings in einem Flugblatt unter dem Titel „Was ist los in Landwasser?“ darauf hingewiesen, dass z.B. schon 1999 in der Presse zu lesen war: „Gefordert wird: mehr Sicherheit“. Als Vertreter der Jugend war ein 16-jähriger Schüler mit orientalischen Wurzeln auf das Podium geladen worden. Er sprach nicht gerade schmeichelhaft über einen Teil seiner Altersgenossen. Ihr Umgangston sei aggressiv und „asozial“. Frau Schrempp bemängelte unzureichende Integrationsbemühungen vieler neu zugezogener Bewohner. Man höre kaum noch Deutsch. Aus dem Publikum wurde vermerkt, dass einige Eltern deshalb ihre Kinder auf die christliche Schule schicken. Die Wirthstraße mit ihrem besonders hohen Anteil an Nichtdeutschen wird vielfach das „Ghetto“ genannt. Das Zusammenleben klappe nicht mehr, meinte kürzlich der Vorsitzende des Bürgervereins, Dieter Dormeier.

In Landwasser zeigt sich ein Problem, das nicht auf diesen Stadtteil beschränkt ist: die Zuwanderung vieler Menschen aus fremden Kulturkreisen. Das muss bei vielen Einheimischen dazu führen, dass sie sich in ihrer ehemals vertrauten Umgebung nicht mehr heimisch fühlen. Für Landwasser kommt hinzu, dass das Zentrum sehr an Attraktivität verloren hat. Eine Wiederbelebung durch entsprechende Baumaßnahmen ist geplant. Das Thema Überfremdung bleibt dann aber weiterhin aktuell.

Freiburg: Russische Kulturtage über kommunistischen Terror

Peter Bulke/  Zum zweiten Mal fanden ab Herbst 2017 russische Kulturtage statt. Sie standen diesmal unter dem Thema „100 Jahre russische Revolution“. Dazu gehörten Ausstellungen und Vorträge zu verschiedensten Themen, auch zu Kunst und Literatur. Entscheidend verantwortlich für die Durchführung war das 2017 eingerichtete Zwetajewa-Zentrum. Die Leiterin Dr. Elisabeth Cheaure`, Professorin für slawische Philologie an der Universität Freiburg, pflegt den wissenschaftlichen Austausch mit Russland.

Die Ausstellung zum Gulag in der Universitätsbibliothek lief bis zum 16. Februar. Im Faltblatt dazu heißt es: „Gulag – ursprünglich eine Abkürzung für die 1930 in der Sowjetunion geschaffene Sonderbehörde für die Arbeitslagerverwaltung – bezeichnet heute den ganzen Mechanismus staatlicher Verbrechen an Millionen unschuldiger Menschen. Der Gulag ist eine der grausamen Konsequenzen der Oktoberrevolution und zugleich eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. … Der traurige Höhepunkt  … lag in den Zeiten des Großen Terrors 1937-38. Allein in dieser Zeit wurden mehr als 700.000 Menschen hingerichtet, die meisten ohne vorangegangenes Strafverfahren. Zusammen mit den deportierten Bauern, diskriminierten Völkergruppen und nach 1945 als Verräter inhaftierten Soldaten wird die Gesamtzahl der Opfer auf mindestens 12 Millionen geschätzt.“

Ergänzen sollte man noch die Millionen Opfer des Hungers außerhalb von Arbeitslagern in den Jahren 1921-23 und 1930-33, eine Folge der Maßnahmen gegen den Bauernstand, der dazu noch für Nahrungsmittelknappheiten in den Städten verantwortlich gemacht wurde. Einsatzkommandos durchstöberten Gehöfte, um Nahrungsmittel zu beschlagnahmen, in vielen Fällen sogar das Saatgut für die kommende Aussaat! Ein Russlanddeutscher in Bad Krozingen, geboren 1937 als jüngstes Kind seiner Eltern im Wolga-Gebiet, berichtete vor wenigen Jahren, dass bei seiner Geburt seine meisten Geschwister schon an Hunger gestorben waren.