Abschied vom christlichen Abendland?

Peter Bulke/ Noch nie sind in Freiburg innerhalb eines Jahres so viele Menschen aus der Kirche ausgetreten wie 2021 … mehr als doppelt so viele wie noch 2016, schrieb die Badische Zeitung (BZ) am 29. 01. 2022. Sowohl die katholische, als auch die evangelische Kirche leidet unter einer Austrittswelle. Die Freiburger Zahlen zeigen einen Landes- und sogar einen bundesweiten Trend. 2021 traten mit zusammen 42.000 Mitgliedern soviele Personen aus der badischen und der württembergischen evangelischen Kirche aus wie noch nie zuvor innerhalb eines Jahres (BZ, 10. 03. 2022). Nach Mitteilung von IDEA 11/2022 hatten im Jahre 2000 in Deutschland die katholische und die evangelische Kirche noch je ca. 27 Millionen Mitglieder. Diesen insgesamt 53 bis 54 Mill. standen 29 Mill. Nichtmitglieder gegenüber. Bis zum Jahr 2021 sank die Zahl der Katholiken um 5 auf 22 Mill. und die der Protestanten sogar um 7 auf jetzt 20 Millionen. Die übrige Bevölkerung liegt bei 41 Millionen. Natürlich gibt es unter diesen auch Christen, insbesondere in den Freikirchen, deren Mitglieder sich häufig durch besondere Glaubensstärke und Zusammenhalt auszeichnen. Aber zahlenmäßig beeinflussen diese Gemeinschaften nicht die obigen Millionenangaben. Im jetzigen Jahr 2022 wird die Zahl der Mitglieder der beiden großen Kirchen die 50-%-Grenze in der Gesamtbevölkerung unterschreiten. Forscher der Universität Freiburg schätzen, dass im Jahr 2060 nur noch 23 Mill. Einwohner Deutschlands einer der beiden großen Kirchen angehören werden.

Es ist zu vermuten, dass wegen der Corona-Pandemie Taufen aufgeschoben wurden. Etliche Kirchengemeinden werden deshalb in diesem Jahr für die Teilnahme an besonderen Tauffesten werben. Aber das kann die beschriebene Entwicklung nicht entscheidend beeinflussen. Diese ist nicht allein auf die Austritte zurückzuführen, sondern darauf, dass sich unser Volk auf einer Absterbespirale befindet und die vielen nichteuropäischen Migranten zwar die Bevölkerungszahl hochhalten, aber in der Mehrzahl bekanntlich Muslime sind, die sich dazu noch bei uns auch ohne Zuwanderung vermehren.

Bei der Bundesregierung ist die Entwicklung schon weiter fortgeschritten. Von den 17 Regierungsmitgliedern sind 8 konfessionslos, 5 evangelisch, 2 katholisch, 1 muslimisch, 1 ohne Angabe. Noch 2018 gehörten nur 2 Kabinettsmitglieder keiner Kirche an, und 2013 war überhaupt kein Regierungsmitglied konfessionslos. (IDEA, 49/2021). Die Vereidigung der Regierungsmitglieder endet normalerweise mit dem Satz So wahr mir Gott helfe. Von der neuen Bundesregierung hat keines der 5 Mitglieder der GRÜNEN diesen Zusatz gesprochen. Von den 8 SPD-Mitgliedern sprachen ihn 5 und von den FDP-Leuten sämtliche 4. – Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religions- und Weltanschauungsfreiheit, der Protestant Frank Schwabe, sprach sich in einem IDEA-Interview dafür aus, dass zwischen dem Recht auf Kirchenglockengeläut und dem Recht auf Muezzin-Ruf kein Unterschied gemacht werden sollte.

Obiges Foto zeigt die katholische Kirche in Kirchhofen, eine der prächtigsten im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Kulturelle Beziehungen nicht zerstören!

Peter Bulke/ Badenweiler verfügt seit Langem über intensive Kontakte zu Russland. Doch wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine hat die Gemeinde unter Bürgermeister Vincenz Wissler die Kontakte im Rahmen der Kulturpartnerschaft mit der südrussischen Stadt Taganrog ausgesetzt. Die Badische Zeitung berichtete am 16. 03. darüber. Immerhin haben sich zwei Gemeinderäte dagegen ausgesprochen. Sie gehören übrigens zu den GRÜNEN, die auf höherer politischer Ebene eher als Scharfmacher gegenüber Russland auftreten und dabei erhebliche Nachteile für unsere Wirtschaft und den Klimaschutz in Kauf nehmen wollen. Die beiden Gemeinderäte meinen zu Recht, dass Kultur aus dem gegenwärtigen Konflikt herausgehalten werden sollte.

„Kulturelle Beziehungen nicht zerstören!“ weiterlesen

Polen diskriminiert deutsche Minderheit

Peter Bulke/    Die Pressestelle des Bundes der Vertriebenen (BdV) teilte etwa Ende Februar mit: Nach einem Haushaltsbeschluss des Parlaments in Polen hat das dortige Bildungsministerium angeordnet, den muttersprachlichen Unterricht für die deutsche Minderheit von drei auf eine Wochenstunde zu kürzen. Andere ethnische  Minderheiten seien von Kürzungen nicht betroffen. Der Sachverständigenrat des Europarates hat diese Diskriminierung verurteilt und Polen vor dem Hintergrund seiner Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als auch aus dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten aufgefordert, sich zu erklären. Der BdV fordert die Bundesregierung auf, die Anliegen der deutschen Minderheit mit Nachdruck zu vertreten. Präsident Fabritius weist darauf hin, dass die Muttersprache eine der wichtigsten Grundlagen jeder kulturellen Identität ist.

Schon vor wenigen Jahren wurde in einem Rundschreiben der Landsmannschaft der Oberschlesier e. V. Prof. Stefan Oeter zitiert. Er war  kurz davor noch Vorsitzender der Sachverständigenkommission des Europarates zur Überwachung der Europäischen Sprachencharta gewesen. Seine damalige Aussage ist weiterhin aktuell: Polen habe ein Angebot an muttersprachlicher Erziehung versprochen mit Deutsch als vorherrschender Unterrichtssprache in Minderheitenschulen – ein Modell, von dem die Realität himmelweit entfernt ist. . . . Der Sprachverlust in der jüngeren Generation ist eklatant und könnte nur durch weitreichende Maßnahmen im Erziehungsbereich aufgehalten werden, aber die polnische Politik macht keine Anstalten, sich diesem normativ gebotenen Ziel anzunähern. . . . Das Wenige, das getan wird, ist von den Wirkungen her eigentlich nur so etwas wie Palliativmedizin für eine erkennbar zu Siechtum und Tod verurteilte Sprache. (Und die Passivität zeigt, dass dieses Ergebnis letztlich wohl auch gewollt ist oder jedenfalls billigend in Kauf genommen wird.)

2015 wurden für den deutschsprachigen Bevölkerungsanteil im Bezirk Oppeln (Oberschlesien) folgende Zahlen angegeben: Von den insgesamt 42 Gemeinden waren 4 mindestens zu einem Drittel und weitere 20 Gemeinden etwa zu einem Viertel deutschsprachig. Oberschlesien spielte historisch beim deutsch-polnischen Verhältnis eine besondere Rolle – auch deshalb, weil dort auch die Deutschen katholisch waren. Nach dem 2. Weltkrieg wurden sie nicht wie sonst weitgehend vollständig vertrieben, weil Bergbau und Industrie Arbeitskräfte benötigten. Es hat sich auch eine Art oberschlesisches Bewußtsein entwickelt. Bei der Volkszählung 2011 haben sich dort viele Deutschsprachige nicht als Deutsche, sondern als „Nationalschlesier“ deklariert – sicher zur Freude der polnischen Regierung. – Obiges Foto (vom FREUNDSCHAFTS- UND HILFSWERK-OST e.V., Bad Bevensen) zeigt zweisprachige Ortsschilder in Oberschlesien, die in der Regel in Ortschaften mit mindestens 20 % deutschen Einwohnern zu finden sind.

Antirussische Hysterie

Peter Bulke/    Der Staufener Bürgermeister Michael Benitz hat sich bekanntlich in die weit verbreitete russlandfeindliche Kampagne eingereiht, die alles andere als vorbildlich ist. Wie die Badische Zeitung (BZ) am 1. 3. 2022 mitteilte, hat er dem ebenfalls in Staufen wohnenden Matthias Warnig u. a. geschrieben: Da Sie mit Herrn Putin freundschaftlich verbunden und für mehrere russische Unternehmen tätig sind, fordere ich Sie bei diesem Hintergrund auf, sich öffentlich von ihm zu distanzieren und Ihre Ämter in Russland niederzulegen. Der Bürgermeister hätte sich besser darauf beschränken sollen, Herrn Warnig zu bitten, sich vom russischen Angriff gegen die Ukraine zu distanzieren  und auf Putin einzuwirken, diesen Krieg  zu beenden. Das hat M. Warnig auch eindeutig getan, wie aus der BZ vom 2. 3. zu entnehmen ist. Hätte er dies unterlassen, wäre sein Ansehen zurecht ins Negative gesunken. Aber wir sollten uns freuen, in unserer engeren Heimat eine Persönlichkeit zu haben, die eine sehr wichtige Funktion für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland innehat, nämlich als Geschäftsführer von Nordstream-2. Diese Gasleitung nicht in Betrieb nehmen zu wollen, widerspricht vernünftigen Überlegungen. Der von Russland begonnene Krieg sollte die deutsche Politik nicht dazu verleiten, den früher erfolgreichen Grundsatz  „Wandel durch Annäherung“  durch Abgrenzung und Feindschaft zu ersetzen.

Politiker und Medien haben leider eine antirussische Hysterie geschürt, die weite Bereiche der Öffentlichkeit erfasst hat. Der Waffenhersteller Heckler & Koch in Oberndorf hat kurzfristig Mitarbeiter mit augenscheinlich „russischem“ Hintergrund aus der Qualitätssicherung wegversetzt. Sie waren im Bereich  „Beschuss“  tätig. Betroffene zeigten sich fassungslos . . . „ (Schwarzwälder Bote, 7. 3. 22) – Schlimm ist es, dass sogar der kulturelle Bereich betroffen ist. So darf z. B. die weltberühmte russische Opernsängerin Anna Netrebko nicht wie ursprünglich geplant bei den Osterfestspielen in Baden-Baden auftreten. Auch ihre Auftritte in Wien und Hamburg wurden abgesagt. Auf die Behandlung des russischen Dirigenten der Münchner Philharmoniker wurde bereits in unserem Text vom 1. 3. hingewiesen. Der CDU-Vorsitzende Merz hat sich vernünftigerweise für die Fortsetzung der kulturellen Kontakte ausgesprochen: Russland ist nicht unser Feind. – Obiges Foto zeigt die Überschrift eines BZ-Artikels vom 8. 3. 2022.

Gesamteuropäisch Denken!

Peter Bulke/    Dass der Angriff Russlands auf die Ukraine zu verurteilen ist, sollte angesichts des vielfachen menschlichen Leids und der zahlreichen Toten selbstverständlich sein. Doch die Reaktionen in unserem Land sind vielfach unsachlich und weichen oft vom eigentlichen Thema ab. So hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den russischen  Dirigenten der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev, aufgefordert, sich von der russischen Invasion in die Ukraine zu distanzieren. Ansonsten drohe ihm die Entlassung. Gergiev hat sich übrigens vor  etlichen Jahren auch um die Musikkultur in Baden-Baden sehr verdient gemacht. Der Staufener Bürgermeister Michael Benitz (FW) lehnt eine 5.000 €-Spende des in Staufen wohnenden Nordstream-2-Geschäftsführers Mathias Warnig ab und fordert ihn auf, seine Ämter niederzulegen (BZ, 01.03.2022). Die deutschen Regierungsparteien  und die CDU/CSU sind bestrebt, den Hass auf Putin ins Uferlose zu steigern. Sogar deutsche Waffen sollen in die Ukraine geliefert werden.

Besser wäre es, sich Gedanken darüber zu machen, wie es künftig weitergehen soll. Scharfe Sanktionen schädigen nicht nur die russische, sondern auch  unsere Wirtschaft – zum Nachteil auch für unsere Bevölkerung.  Und die Spaltung Europas wird vermutlich für lange Zeit vertieft. Der außenpolitische Sprecher der Partei DIE LINKE, Gysi, weist darauf hin, dass Russland sich zu einem engen Bündnis mit China gezwungen sehen könnte. Was sollte getan werden? Zunächst ist die Einsicht nötig, dass die Politik des Westens den russischen Angriff mit verursacht hat. Was sollten die vielen Gespräche mit Putin, wenn sie nicht von einer Mindestbereitschaft zu Zugeständnissen begleitet sind, sondern nur von Maximalforderungen? Realpolitik sollte zunächst einmal darin bestehen, anzuerkennen, dass die Krim zu Russland gehört (seit 1783 unter Katharina II, nur unterbrochen in der Sowjet-Union). Für die ostukrainischen Gebiete mit hohem russischem Bevölkerungsanteil hätte der Westen z.B. Volksabstimmungen anregen können. Und für die Ukraine hätte man eine Vereinbarung über einen von der NATO und Russland garantierten  Neutralitätsstatus anstreben sollen, der einen Beitritt zur NATO ausschließt.

Wir sollten das Verhältnis zu Russland weniger ideologisch und mehr geopolitisch betrachten. Die natürlichen Gegebenheiten bieten sich idealerweise für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zum Vorteil beider Seiten und zum Wohle der Menschen an. Es ist doch widersinnig, große Geldsummen für zwei Flüssiggasaufnahmestellen aufzuwenden, um viel teures LNG-Gas zu imprortieren, wenn reichlich Gas auf unserem Kontinent vorhanden ist. – Zu bemerken ist noch, dass sich die Rede der Alice Weidel (AfD) bei der Bundestagsdebatte Ende Februar positiv von den Beiträgen anderer Parteien abhob.      – p.bulke@web.de

Wer gefährdet die Demokratie?

Peter Bulke/    Dass der Rechtsextremismus die Hauptgefahr für unsere Demokratie sei, ist von führenden Politikern wie eine Art Pflichtübung immer wieder zu vernehmen, z.B. auch von unserem Landesinnenminister Strobl (CDU) oder vom bayerischen Ministerpräsidenten Söder. Die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) stellte kürzlich ein für sie besonderes Anliegen heraus: den  Kampf gegen den Rechtsextremismus. Für das Programm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ waren für 2021 nach Auskunft der jetzigen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht 150 Mill. €.  vorgesehen, die auf 200 Mill. ab 2023 aufgestockt werden sollten. Zur Forderung der CDU/CSU-Fraktion, dass alle Projektträger des Programms sich bei der Antragstellung zur demokratischen Grundordnung bekennen sollten, meinte Lambrecht (2020 noch als Familienministerin): Dass wäre ein unerträglicher Generalverdacht gegen engagierte Menschen.“  Damit ist ein Problem angesprochen, dass nämlich einige „Demokratieförderer“ manchmal über das Ziel hinausschießen. Sogar Innenministerin Faeser hat sich vor einiger Zeit nicht gescheut, der Zeitschrift ANTIFA ein Interview zu geben. Als vor zwei Jahren der Landesverfassungsschutz Freiburg als Schwerpunkt linksextremistischer Gewalt genannt hatte, gaben die meisten Fraktionen im Freiburger Stadtrat Verharmlosungen von sich, z.B. Ohne eine starke Antifa wäre die rechtsradikale und faschistische Bewegung in der Region weitaus stärker (BZ, 20. 06. 20). Damals war der von der Stadt Freiburg stark subventionierte „Kulturtreff in Selbstverwaltung“ (obiges Foto) in Verbindung mit Hausbesetzungen und Brandanschlägen auf Fahrzeuge geraten. Gewalt gegen Polizisten nimmt auch in Freiburg zu – so hieß eine BZ-Überschrift am 02. 02. 22.

Die folgende Zusammenstellung entstammt dem Verfassungsschutzbericht in Deutschland:

Politisch motivierte Straftaten   rechts  19.150     links   9.150 Tatverdächtige  davon Gewalttaten                                                882                  1.066           “                       auf Amts- und Mandatsträger                            5                        16 Gewalttäter           Angriffe auf die Polizei                                      139                     586         “                         Parteifunktionäre als Opfer: AfD  10, GRÜNE  2, DIE LINKE  1                                    Die hohe Zahl an Straftaten von „rechts“ ist vermutlich auf zwei Ursachen zurückzuführen.  1) Von „rechts“ gibt es vielmehr Kritik an der Regierungspolitik, vor allem zum Thema Migration, während diese von „links“ zumindest grundsätzlich unterstützt wird. Bei politischen Auseinandersetzungen lassen sich strafbare Äußerungen und Handlungen radikalisierter Personen nicht immer verhindern.  2) Der vorrangig im Dienst der Vergangenheitsbewältigung stehende Volksverhetzungsparagraph (§130 Strafgesetzbuch) wurde 2005 erweitert und später vom Bundesverfassungsgericht als mit der Verfassung vereinbar eingestuft. Schon eine Äußerung auf einer Versammlung kann strafbar sein.   p.bulke@web.de

Zum Abschied von Prof. Meuthen aus der AfD

Peter Bulke//    Die AfD erlebte einen schnellen Aufstieg. Kurz nach der Gründung scheiterte sie bei der Bundestagswahl 2013 mit 4,7 % nur knapp an der 5%-Klausel. Drei Sprecher bildeten die Parteispitze: Bernd Lucke, Frauke Petry, Konrad Adam. (Alle gehören nicht mehr  der AfD an.) Im Vordergrund stand das Thema Euro/EU (Währungs- und Wirtschaftspolitk).  Die schnell wachsende Partei zog aber auch politisch Unzufriedene mit unterschiedlichen Vorstellungen abseits vom Hauptthema an. Noch im Jahre 2013 verhängte die AfD einen Aufnahmestopp – zumindest für den Normalfall – für übertretungswillige Mitglieder der islamkritischen Kleinstpartei DIE FREIHEIT. Diese vor allem in München aktive Gruppierung hatte zuvor mitgeteilt, zugunsten der AfD künftig auf die Teilnahme an Landtags- und Bundestagswahlen zu verzichten. Bei der Europawahl 2014 erzielte die AfD stattliche 7 %. Doch schon 2015 verließ Lucke seine Partei. Zuvor hatte er sich von der „Erfurter Erklärung“ des sog. „Flügels“ distanziert. Er fand nicht mehr genügend Rückhalt im Parteivorstand. Frau Petry blieb Vorsitzende, jetzt zusammen mit Prof. Meuthen von der Verwaltungshochschule in Kehl. Gauland wurde stellvertretender Vorsitzender.

Im Februar 2016 hatte die Badische Zeitung  zu einer Veranstaltung im Kurhaus in Bad Krozingen eingeladen, wo sich Meuthen den Fragen insbesondere des BZ-Kommentators Stefan Hupka stellte. Dabei ging es auch um die Haltung gegenüber weit rechts stehenden Parteifuntionären. Meuthen meinte, dass zu einer demokratischen Partei unterschiedliche Strömungen gehören. Beim Bundesparteitag im Dezember 2017 war Frau Petry nicht mehr dabei. Bundessprecher wurde neben Meuthen Alexander Gauland. Für Judenfeindlichkeit zeigte Meuthen kein Verständnis. Im Streit um den Umgang mit dem als antisemitisch geltenden baden-württembergischen Abgeordneten Gedeon erreichte Fraktionsvorsitzender Meuthen nicht die notwendige Zweidrittel-Fraktionsmehrheit, um Gedeon ausschließen zu können. Es kam deshalb zu einer  vorübergehenden Spaltung der Fraktion. Gedeon verließ diese während der Auseinandersetzungen freiwillig. Am 01.12.2017 wechselte Meuthen vom Landtag in das EU-Parlament (siehe obiges Foto von 2020).

Inzwischen war der Verfassungsschutz zu einem Problem geworden. 2018 wurde Meuthen Mitglied einer Arbeitsgruppe, welche die Partei gegen eine Beobachtung rüsten soll. Dabei geht es um rechtliche Schritte gegen eine Beobachtung und auch darum, in der AfD keine Anhaltspunkte für eine Beobachtung zu liefern. Auf dem Parteitag 2019 wird Meuthen als Vorsitzender bestätigt. Co-Vorsitzender wird Chrupalla. Meuthen kritisiert zunehmend den „Flügel“, der uns massiv Wählerstimmen im bürgerlichen Lager kostet. Sein Vorstoß vom Mai 2020, den Brandenburger Fraktionsvorsitzenden Kalbitz auszuschließen, findet im Parteivorstand mit 7 : 5 Stimmen bei einer Enthaltung nur eine knappe Mehrheit – ein Zeichen  schwindenden innerparteilichen Einflusses. Eine Austrittswelle als Folge von Meuthens Austritt aus der AfD ist deshalb wohl nicht zu befürchten.

Zerstörung der Familie

Peter Bulke/    Ehe und Familie stehen unter besonderem Schutz der staatlichen Ordnung – so lautet Art. 6, Abs. 1 Grundgesetz. Dieser besondere Schutz soll weitgehend abgebaut werden. Biologische Tatsachen passen den GRÜNEN nämlich nicht. In Bezug auf das Thema Familie haben sich die GRÜNEN und die FDP im Koalitionsvertrag durchgesetzt. Das FDP-Programm zur Bundestagswahl enthielt ähnlich extreme Forderungen im Sinne der Genderideologie. Justizminister Buschmann (FDP) hat sich für die Modernisierung des Abstammungsrechts ausgesprochen. Im Vordergrund steht nicht mehr die Verwandtschaft, sondern eine vertragliche Vereinbarung, die natürlich auch kündbar sein muss. Im Koalitionsvertrag heißt es: Wenn ein Kind in die Ehe zweier Frauen geboren wird, sind automatisch beide rechtliche Mütter des Kindes, sofern nichts anderes vereinbart ist. Darauf hat auch der Staatssekretär und „Queerbeauftragte“ im Bundesfamilienministerium, Sven Linnemann, hingewiesen. Die Mehrelternschaft (bis zu vier Personen) soll es gleichgeschlechtlichen Paaren erleichtern, ein Kind zu bekommen. Ob das dem Kindeswohl dient? Man stelle sich vor, wenn jede der vier als Eltern geltende Personen einen möglichst großen Einfluss auf „ihr“ Kind haben will. Fachleute betonen: Je weniger Pflegepersonen sich um ein Neugeborenes oder ein Kleinkind kümmern, umso weniger erlebt es emotionalen Stress und desto mehr manifestiert sich schließlich seine Bindungsfähigkeit.

Obwohl das Geschlecht eines Menschen (normalerweise) biologisch festgelegt ist, sieht der Koalitionsvertrag eine erheblich erleichterte freie Wahl des eigenen „Geschlechts“ vor: Wir werden das Transsexuellengesetz abschaffen und durch ein Selbstbestimmnungsgesetz ersetzen. Dazu gehört ein Verfahren beim Standesamt, das Änderungen des Geschlechtseintrags im Personenstand per Selbstauskunft möglich macht. Zu befürchten ist, dass Kinder und Jugendliche in den Schulen verstärkt der Propaganda für sexuelle Vielfalt ausgesetzt werden und Zweifel an der eigenen Identität geschürt werden. Besser ist es, Jugendliche vor den sich möglicherweise ergebenden psychischen Störungen zu schützen. Wenn eine junge Frau sich sogar für einen irreparablen körperlichen Eingriff entscheidet, zerstört sie sich damit für immer die Chance auf ein späteres glückliches Familienleben.  – Übrigens sitzen im Bundestag bei den GRÜNEN bereits zwei sog. „Transfrauen“, darunter Tessa (zuvor: Markus) Ganserer aus Bayern, seit 2019 die erste Transperson in einem deutschen Landtag (Bayern).

Was steckt hinter aggressiver Rhetorik der NATO?

Albrecht Künstle / Wieder Atomwaffen in der Ukraine? Diese von einer Zeitung aufgeworfene Frage vertiefte ich in meinem Artikel zum Weltfriedenstag am 1. Januar. Um mich nicht wiederholen zu müssen, empfehle ich, sich diesen Artikel ggf. nochmals zu Gemüte zu führen. Inzwischen verschärfte die NATO ihre Strategie unter der Führung von Bidens USA. Und die Hofberichterstatter geben diese unreflektiert weiter an uns Leser und Zuschauer. Die Badische Zeitung schrieb in einem Untertitel vom 11.01.2022:

„Was steckt hinter aggressiver Rhetorik der NATO?“ weiterlesen

Wie sollen die vielen Renten bezahlt werden?

Peter Bulke/   „Renten unter Dauerstress“, so lautete der Kommentar zum Jahreswechsel im REBLANDKURIER. Der Kommentator Rudolf Kast ist Berater für Personalmanagement und auch Hochschullehrer. Er zeigt sich nicht optimistisch, dass die neue Bundesregierung zu realistischen Einsichten mit den entsprechenden Folgerungen kommen wird. Die Renten  werden eine weitere Erhöhung des Bundeszuschusses benötigen. Bereits jetzt liegt er bei ca. 100 Milliarden € pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch 42 Milliarden. Kast spricht sich für ein freiwilliges längeres Arbeiten in Verbindung mit dem Anreiz einer höheren gesetzlichen Rente aus; denn das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Berufstätigen und Rentnern wird auch deshalb ungünstiger, weil die Menschen bei uns im Durchschnitt immer älter werden. Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen weist darauf hin, dass bis 2035 entweder der Rentenbeitrag für die gesetzliche Rentenversicherung von ca. 18 % auf über 23 % steigen oder das rechnerische Rentenniveau von 48 % auf unter 39 % sinken oder der Zuschuss des Staates weiter deutlich steigen müsste.

„Wie sollen die vielen Renten bezahlt werden?“ weiterlesen