Gastbeitrag von Richard Eckert (Stuttgart)

Ubi bene ibi patria (Wo es mir gut geht, dort ist mein Vaterland), Spruch aus dem alten Rom.

Das Motto kann als Ansicht von Zuwanderern durchgehen, ist aber zu billig.

Dulce et decorum est, pro patria mori (Süß und ehrenvoll ist es fürs Vaterland zu sterben).

Der römische Dichter Horaz zur Zeit des Kaisers Augustus. Als Ode formuliert, etwas süßlich. Nämlich Horaz mußte beim Kaiser Augustus vorsichtig sein. Horaz stand im voran gegangenen Bürgerkrieg auf der anderen Seite, bei Brutus und Cassius.

Dies hier ist Hermann der Cheruskerheld, und dies die Stätte, wo er Rom gefällt. Blick um dich, rings ist deutsches Vaterland. Neig dich vor ihm, du dankst es seiner Hand.

Ernst von Wildenbruch, Aufschrift am Hermannsdenkmal, errichtet 1875 im Teutoburger Wald.

Hermann kam, noch Kind, als Geisel nach Rom. Herangewachsen erwarb er das römische Bürger-recht. Er leitete als Arminius die germanischen Verbände im Nahen Osten. Dort führte der Senator und Feldherr Varus eine neue Steuerschätzung ein. Als Varus dies auch in Germanien einführen sollte, wechselte Arminius die Seite. Die viertägige Varusschlacht 9 n. Chr. endete mit dem Sieg der Germanen. Rom verzichtete darauf auf eine Kolonisierung Germaniens. 500 Jahre später wurde infolge der germanischen Zuwanderung der Ostgote Theoderich König von Italien. 800 n. Chr. sah Kaiser Karl der Große Italien als Teil des römischen Reiches deutscher Nation.

Die räumliche Ausdehnung unseres Vaterlands umfaßt das Gebiet mit Deutsch als Muttersprache:

                        Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt

                        Hoffmann von Fallersleben, Lied der Deutschen, 1841

Die Maas, 30 km westlich von Düsseldorf, die Memel im Osten als Fluß durch Tilsit. Die Etsch durch Südtirol und im Norden der Belt, die Meerenge nordöstlich von Flensburg.

Die im Süden lebenden Deutschen waren Bürger Österreichs. 1871 wurden mit der Gründung des Deutschen Reichs die vielen anderen Deutschen dessen Bürger. Nach den beiden Weltkriegen änderte sich das.

1914 marschierte die russische Armee auf Befehl des Zaren Nikolaus II in Deutschland ein. Er wollte damit Serbien gegen Österreich unterstützen. 1918 wurden er und seine Familie von einem Exekutionskommando der Roten Armee erschossen.

Im Frieden von Brest-Litowsk wurde 1918 mit Zustimmung des deutschen Reichstags Polen auf russischem Boden neu gegründet. Dies führte in Rußland zu Verbitterung. 1919 wurde im Vertrag von Versailles Polen auf deutschem Boden erweitert. Zwei neue Nationalstaaten wurden in Mittel-europa gegründet. Die dort lebenden Deutschen, vorher Bürger erster Klasse, wurden nun geduldete Bewohner. Auch das ist bei der Beurteilung des zweiten Weltkriegs zu berücksichtigen.

1945 wurde das restliche Ostdeutschland von der Sowjetunion mit Zustimmung der Westmächte Polen zugeschlagen. Die dort lebenden Deutschen wurden vertrieben, ebenso aus den anderen Ländern Osteuropas und dem Balkan. Geschätzt sind es 12 Millionen Vertriebene, die im jetzt geteilten Deutschland ankamen. Das westliche Deutschland erfuhr durch amerikanische Unter-stützung einen raschen Aufstieg, das Wirtschaftswunder. Mitteldeutschland, also die DDR, wurde sozialistisch. Vier Millionen ihrer Bürger flohen ins westliche Deutschland. Die DDR baute 1961 eine scharf bewachte Mauer, die eine Flucht verhinderte. 1989 kam es in der DDR zu einem Volks-aufstand, der zur Wiedervereinigung führte. Diese wurde von der Sowjetunion unter Präsident Gorbatschow gebilligt. Auch die Westmächte stimmten zu (Zwei-Plus-Vier-Vertrag).

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Heute sieht es für Deutschland düster aus: Der Bestand unseres Volkes ist durch zu wenig Nach-wuchs gefährdet. Statt einer Million neuer Kinder jährlich sind es nur 400.000. Dafür wird die Einwanderung gefördert. Es geht um Arbeitsplätze in der Industrie und in Altenheimen. Hinzu kommt das gleichfalls geförderte Asyl.

Für uns als Einzelne ist die Botschaft klar: Wir müssen einen passenden Partner bzw. eine Partnerin finden, mit der wir eigene Kinder haben. Ihnen wollen wir eine geschützte Kindheit geben und eine Begleitung bis ans Ende unserer Tage. Wenn unsere herangewachsenen Kinder ihrerseits eine Familie mit Kindern haben, erleben wir selber noch ein Stück Zukunft.

Die Frage nach dem Vaterland gilt nicht nur für uns Deutsche. Auch die anderen 99% der Bürger dieser Welt sind aufgerufen, sich der Frage zu stellen:

            Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an. Das halte fest mit deinem Herzen.

            Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.

            Friedrich Schiller, Wilhelm Tell

Brauchen wir das Vaterland? Wir sind gut beraten, es zu fördern und in Ehren zu halten.